Das leidige Thema: Frauenfeindlichkeit in der Spieler-Szene. Von beleidigenden und sexistischen Kommentaren bis hin zu Publisher-bezogenen Kontroversen, war das Thema schon mehrfach Gegenstand hitziger Debatten. Und eine neue Studie der Ohio-Universität bestätigt nun, dass Frauen dreimal so oft in Spielen schikaniert werden wie ihre männlichen Mitspieler.

Um eine aussagekräftige Studie durchführen zu können, haben die Autoren Jeff Kuznekoff (ein erfahrener Spieler) und Lindsey M. Rose (ohne große Spieleerfahrung) drei Xbox-Live-Accounts erstellt, denen einmal eine männliche, einmal eine weibliche und zuletzt keine Stimme zugeordnet wurden. Mithilfe des Matchmaking-Systems spielten sie auf der 'Team Slayer'-Playlist rund 245 Onlinematches in Halo 3 auf der Xbox 360. Je nach Account, spielten sie sowohl vor einem Spiel, wie auch während und nach einem Spiel, im Vorfeld aufgenommene Sätze ab, die zwar nicht provozieren, aber doch Reaktionen hervorrufen sollten. Darunter "Hallo allerseits", "Gutes Spiel soweit" und "Danke für das Spiel, bye".

82 Spiele wurden mit dem stimmlosen Account, 81 Spiele mit der männlichen Stimme und 82 Spiele mit der weiblichen Stimme bestritten. Dabei nahmen sie die Reaktionen der Mitspieler in den jeweiligen Matches auf. Insgesamt trafen sie bei den Onlinespielen auf 1711 Spieler.

Nach der Materialsuche ergaben sich rund 163 Spiele, in denen es zu sprachlicher Kommunikation direkt mit den jeweiligen Accounts kam und die wiederum in die Auswertung einflossen. Das Ergebnis war dann etwas erschreckend. So erhielt der Account mit der weiblichen Stimme dreimal soviele negative Reaktionen wie die anderen beiden Accounts. Dagegen gab es keine nennenswerte Unterschiede in Bezug auf positive Reaktionen zwischen den einzelnen Accounts.

Um was für "negative Reaktionen" es sich gehandelt hat, besagt die Studie zwar nicht explizit, die Autoren nennen allerdings 'Not in the kitchen anymore' als Quelle für ähnliche Reaktionen. In diesem Sinne sei auch noch einmal die Seite 'Fat, Ugly or Slutty' nahegelegt, um sich ein buchstäbliches Bild vom Ganzen zu machen.

Die Frage, die sich hier nun stellt, ist natürlich die, warum Frauen in Online-Spielen so angefeindet werden, selbst wenn sie sich ansonsten in Sachen Skills nicht von anderen Spielern unterscheiden? Ist es die Tatsache, dass sie Frauen sind und Männer in nunmal von Männern dominierten Spielen ihren Stolz verletzt sehen, sobald eine Frau besser spielt oder sie besiegt? Oder sind die meisten männlichen Spieler gar pupertierende Jugendliche, die nicht anders auf das andere Geschlecht antworten können als in 'South Park'-Manier? Doch wenn selbst ein Studio wie Naughty Dog darum gebeten wird, die weibliche Protagonistin von 'The Last of Us' zugunsten des Protagonisten in den Hintergrund zu versetzen und jemand wie Ken Levine von Irrational Games, das Fehlen von Elizabeth auf dem ursprünglichen 'Bioshock Infinite'-Cover damit begründet, dass es dadurch ansprechender für den Massenmarkt sei, muss man sich auch fragen, ob die Spieleszene nicht noch etwas zu archaisch in ihren Denkmustern ist.