Eine Welle aus Gewalt und Krawallen ist am vergangenen Wochenende über Großbritannien hinweggefegt. Plünderungen, Brandschatzungen, zahlreiche Festnahmen und Eilgerichte gaben den Ton an. Grund für die Unruhen ist die Perspektivlosigkeit der britischen Unterschicht. Aber natürlich gibt es Stimmen, die eine ganz andere Ursache sehen wollen: Videospiele! Zum Glück gibt es aber auch Spiele, die eine ganz andere Sprache sprechen und eine Art pädagogische Wirkung auf die Randalierer haben wollen.

Aktuelles - England: Von Plünderungen und Videospielen

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Gewalt in Medien und Spielen als Auslöser für die Krawalle in London. Wann immer moralisch problematische Situationen eintreten, sind die Spiele ein beliebter Sündenbock.
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Der britische Rockstar Noel Gallagher, ehemals Gitarrist und Songschreiber der Band Oasis, meint zu wissen, woher die Randalierer ihre Energie bekommen: Gewalt im Fernsehen und in Videospielen ist schuld.

„Ich kann verstehen, woher ihre Energie für diese Plünderungen kommt. Wir leben in einem Zeitalter der Gewalt - und ich kümmere mich nicht darum, was andere Leute sagen: Brutales Fernsehen und brutale Videospiele sind genauso der Grund für diese ziellose Gewalt. Diese Leute sind gegen Gewalt immun, sie sind sie gewohnt. Und wenn sie gefangen genommen werden, werden sie nicht auf die richtige Art und Weise bestraft. Die Gefängnisse sind schon voll? Dann baut neue!

Es ist verrückt! Es ist einfach nur Gewalt um der Gewalt willen. Die Leute, die an diesen Plünderungen teilnehmen sind nicht arm. Das sind Kinder mit verfluchten Mobiltelefonen und all diese Scheiß. Die Polizei und die Regierung müssen drastische Maßnahmen ergreifen.

Diese Idioten zerstören ihre eigenen Gemeinschaften. In sechs Wochen, wenn das alles vergessen ist, dann schauen sie blöd aus der Wäsche und realisieren, das ihre Häuser immer noch zerstört sind, niedergebrannt oder was auch immer. Diese Leuten verlangen nichts, sie haben keine Ziele. Sie machen nur ihren eigenen Scheiß kaputt. Wie blöd kann man sein?

Es gibt dafür überhaupt keine Gründe. Da war ein Typ der erschossen wurde - ein Verbrecher, wenn ich das hinzufügen darf, der eine Waffe hatte. Wenn du durch das Schwert lebst, wirst du durch das Schwert sterben! Dann waren auf einmal überall diese Krawalle. Es gibt dafür keinen Grund. Es ist einfach nur die ziellose Gewalt von verfluchten Idioten. Wenn es regnet, gibt es keine Krawalle. Und auf den Regen kann man sich in London immer verlassen - außer jetzt, wen wir ihn brauchen könnten.“

Diese recht undifferenzierten Aussagen sollten allerdings nicht einfach so stehen gelassen werden. Sicherlich ist der Tod von Mark Duggan, in den Hintergrund gerückt. Der 29-jährige Familienvater wurde von der Polizei angeblich aus Notwehr erschossen, weil dieser auf die Polizisten geschossen haben soll. Scotland Yard hat diese Stellungnahme mittlerweile allerdings nicht mehr aufrecht gehalten. Man konnte zwar eine Waffe am Tatort finden, die nicht zur Polizei gehörte, allerdings konnten bei einer Untersuchung nicht festgestellt werden, dass tatsächlich ein Schuss daraus abgegeben wurde. Aus der anfangs friedlichen Demonstration, welche die Familienangehörigen Duggans organisierte, erwuchsen dann die in den Medien verbreiteten Krawalle, die sich erst über London und wenig später über verschiedene andere britische Städte ausweiteten.

Aber es gibt nicht nur negative Zusammenhänge zwischen Videospielen und den Krawallen in Großbritannien. Der Spieleentwickler Big Robot arbeitet aktuell an einem kleinen Projekt, dass eine Art Erziehungsauftrag verfolgt und die Zusammenhänge zwischen Politik, Gesellschaft und sozialen Spannungen zu beleuchten versucht. Das Spiel hört auf den Namen Fallen City und stellt den Spieler vor die Aufgabe, eine völlig ruinierte und verfallen Stadt wieder aufzubauen. Die Bewohner sind mit dem State und ihrer Umgebung unzufrieden und Fatalismus und ziviler Ungehorsam sorgen nur dafür, dass die Probleme noch viel schlimmer werden.

Je schlimmer die Zustände in der Stadt werden, desto kürzer wird die Aufmerksamkeitsspanne der Stadtbewohner. Die Herausforderung besteht darin, sie mit kommunalen Veranstaltungen, wie z. B. Stadtfeste oder die Eröffnung von Jugendtreffs oder ähnlichem, bei Laune zu halten und damit das soziale Gefüge zu renovieren. Es ist also mehr ein Aufklärungsspiel, dass versucht, die Zusammenhänge zwischen sozialer Unzufriedenheit und fehlenden Angeboten und Perspektiven darzustellen und den Sinn für komplexe Vorgänge in einer Gesellschaft zu schärfen. Ein deutlich aufgeklärterer Ansatz, als einzig bei gewalttätigen Medien die Schuld zu suchen.