Der deutsche Spiele-Entwickler Wolfgang Walk, ehemaliger 'Blue Byte'-Mitarbeiter (2001 von Ubisoft übernommen) zeigt sich auf seinem Blog verbittert über die Spieleindustrie, denn sie werde nur "von Menschen auf dem ethischen Niveau von Waffenhändlern" beherrscht.

Aktuelles - Ehemaliger 'Blue Byte'-Entwickler verbittert über die Spieleindustrie

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Gerade AAA-Titel wie CoD: Ghosts seien eine Geißel der Spieleindustrie
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Walk, der mit Albion, Die Siedler, Incubation und Schleichfahrt einige der größten deutschen Spiele in seinem Portfolio aufweisen kann, hat sich auf seinem Blog über die momentane Situation in der Spieleindustrie geäußert.

Vor allem der Big-Budget-AAA-Bereich der letzten großen Publisher bestehe demnach nur noch aus "einer Handvoll Giganten", die den Spielern "immer wieder neu lackierten Dreck vorsetzen". Selbst Hollywood, eine Milliarden-Maschinerie, die in keinem besseren Licht steht, würde da vor Neid erblassen.

Doch selbst im Free-To-Play-Bereich, früher mal eine Indie-Domäne und Spielplatz für kleinere Studios, sehe Walk fast nur noch Anzugträger. Geschäftsmänner, für die Spiele "nicht mal mehr Ware" seien. Überhaupt sehe Walk im Indie-Spielebereich nur eine Art Bewährungsprobe für Entwickler, um anschließend auf den AAA-Zug aufzuspringen.

Das Problem sei allerdings hausgemacht. Walks Meinung nach, entwickelt sich keine milliardenschwere Industrie, ohne dass geldgierige Zahlenjongleure ihre Finger danach austrecken würden. Heute stehe nicht etwa der kreative Prozess im Vordergrund und am Beginn einer Produktion, sondern ein durchkalkulierter Marschplan, der idealerweise von lauten Fanfaren der Marketingabteilung begleitet, den Spielern das Geld aus den Taschen zieht, und ihnen ein neues Produkt verkauft, das im Grunde nichts anderes ist, als die x-malige Iteration einer Story um "kleinschwänzige Möchtegern-Superhelden". Walk benennt dabei besonders die Titeln Call of Duty, Grand Theft Auto und Battlefield.

Schlimmer noch, die Institution, die dem Ganzen einen Riegel vorschieben und die Spieler warnen könnte, die Fachpresse, agiere überwiegend "komplizenhaft" und spiele damit der, als Oligopol [wenige Unternehmen beherrschen den Markt] auftretenden Spieleindustrie nur in die Hände.

Doch er verurteile jene Spiele nicht etwa wegen ihrer "lächerlichen Brutalität, die sie als Mordpornos entlarvt", sondern mehr wegen dem Verlust des eigentlichen Kerns von Spielen: Den Spielern eine Herausforderung zu bieten.

Natürlich gebe es sie noch, die kleinen Studios, die Indies, denen Spiele am Herzen liegen. So bedankt sich Walk ganz besonders bei Nikolay Dybowski von Icepick Lodge, mit denen Walk an The Void gearbeitet hat. Doch diese Leute seien "die Bewohner des kleinen gallischen Dorfes, das gegen die Römer" steht, ein Kampf gegen Windmühlen.

An der Situation könne nur der Kunde etwas ändern. Er trage den Schlüssel zur Besserung der Spieleindustrie bei sich. Doch wenn er blind folge, jeden Blockbuster kaufe und jeden Konsolenkrieg mitmache, gehöre auch er nur zu den "falschen Freunden".