Dr. Jerald Block ist Psychologe und hat sich auf die Behandlung von Süchtigen spezialisiert. Insbesondere gilt er als Fachmann für Online-Spielsucht. In einem Interview erzählt er von seinen Erfahrungen mit beschämten Patienten und ahnungslosen Kollegen.

"Die meisten Therapeuten haben keine Ahnung davon, was eine Gilde ist oder was es bedeutet, einen Character auf Level 60 zu bringen. Wegen dieser Sprachbarriere suchen viele Spieler eher Hilfe in Online-Gruppen als sich an einen Spezialisten zu wenden.", erklärt Block und übt damit massive Kritik an seinen Kollegen.

Doch auch der Zocker-Experte erlebt täglich neue Schwierigkeiten, insbesondere durch die Hemmschwelle, die Süchtige im Hinblick auf ihr ausgeprägtes Hobby haben:

"Den Süchtigen ist World of Warcraft peinlicher als Pornos. Die Gesellschaft versteht den Konsum von Pornografie als etwas, das Menschen nun mal machen - man geht damit zum Therapeuten und lässt sich behandeln. Aber das Spielen lässt sich anderen Menschen nur schwer beschreiben. Betroffene können ihre Situation nicht einmal Freunden nahebringen."

"Der durchschnittliche Computer-Spieler ist 30 Jahre alt - in nahezu allen Studien wurden lediglich Schüler und Heranwachsende untersucht.", gibt Block zu bedenken.

Ebenfalls befasst hat sich der Psychologe mit den Schießereien in Schulen. Auch wenn er nicht daran glaubt, dass der Computer Auslöser der Gewaltakte ist, beschäftigt ihn derzeit vor allem die Frage, warum sich einige der Killer nach ihrer Tat und kurz vor dem Selbstmord noch die Mühe gemacht haben, in mühsamer Kleinarbeit ihre Festplatten zu zerstören: "Wenn sich die Schützen in einem letzten Akt gegen ihre eigenen Computer gewandt haben, dann halte ich das aus psychologischer Sicht durchaus für relevant.".