Die österreichische Denuvo Software Solutions GmbH steht derzeit mächtig unter Druck. Zu den vergleichsweise schnell gecrackten Spielen mit Denuvo-Schutz gesellen sich nun brisante E-Mails, die über einen ungeschützten (!) Bereich auf der firmeneigenen Homepage von jedem eingesehen werden konnten.

Aktuelles - Denuvo-Leak gewährt Einblick in E-Mail-Verkehr mit Capcom und Co

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Zuletzt hielt der Denuvo-Schutz bei Resident Evil 7 gerade mal fünf Tage
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Fünf Tage. Solange hat es gedauert, bis die Warez-Szene die Anti-Tamper-Software des österreichischen Unternehmens Denuvo Software Solutions GmbH gecrackt hat. Für Denuvo ist das insofern bitter, da das Unternehmen bislang den Zweck des Kopierschutzes immer damit beworben hat, das kritische und für Entwickler wichtige Release-Zeitfenster zu schützen, damit möglichst viele Verkäufe garantiert werden können, bevor Cracker die Software illegal zugänglich machen.

Resident Evil 7 hat sich bislang knapp über 2,5 Millionen Mal verkauft. Damit liegt es in Sachen Verkäufe zum Verkaufsstart gerade mal an dritter Stelle hinter Resident Evil 6 und dem bislang bestverkauften Titel der Reihe Resident Evil 5 (insgesamt über 7,1 Millionen Verkäufe auf allen Plattformen).

Selbstverständlich wäre es nun weit hergeholt, die Schuld bei Denuvos Softwarelösung zu suchen, immerhin kann man wohl davon ausgehen, dass die meisten Verkäufe des Spiels über die PS4 laufen, während der Denuvo-Schutz bei der PC-Version zum Tragen kam.

DRM noch sinnvoll?

Dennoch stellt sich nun die berechtigte Frage, ob es noch sinnvoll für Entwickler und Publisher erscheint, auf Schutzsoftware wie Denuvo zu setzen, zu groß sind hier die negativen Begleiterscheinungen für ehrliche Käufer, die häufig aufgrund der gut versteckten, für Endnutzer nahezu unsicht- und unscheinbaren Hintergrundprozesse kaum nachvollziehbar waren/sind. Mit ein Grund, warum Bethesda nach dem Release-Window die Software wieder deaktivierte: "Der einfache Grund, warum Denuvo bei Doom entfernt wurde, ist der, dass es seinen Zweck erfüllt hat", so die Begründung von Denuvos Robert Hernandez.

Aber wenn die Software ihren einzigen Zweck nicht mehr erfüllt, wozu noch Geld dafür ausgeben und eventuelle Risiken beim Endnutzer eingehen für etwas, das keinen Erfolg mehr garantieren kann?

Sicherheitsleck enthüllt vertrauliche Firmen-E-Mails

Und nun das: Ausgerechnet ein Unternehmen, das im Sicherheitsbereich arbeitet, sorgte mit einem Sicherheitsleck auf der eigenen Homepage dafür, dass teilweise E-Mails für jeden frei zugänglich waren. Die interessantesten E-Mails stammen dabei von Capcom und Google.

So schrieb Capcoms Jun Matsumoto 2014: "Hier ist Jun Matsumoto von Capcom Japan. Ich habe Interesse an der Denuvo-Anti-Tamper-Lösung für den Schutz unserer Videospiele. Wenn Sie ein White Paper mit Details haben, schicken Sie die mir bitte zu (Plattform, Nutzen, Preis). Und wenn Sie einen Handelsvertreter in Japan haben, teilen Sie mir bitte die Kontaktinformationen mit. Vielen Dank für Ihre Kooperation."

Jan Newger von Google schrieb: "Ich arbeite im Sicherheitsteam von Google und würde gerne das Denuvo-Produkt evaluieren, um zu verstehen, wie es mit bestehenden Lösungen zusammenarbeitet. Ich bin besonders daran interessiert, bestehende Lösungen zu stärken und das Tampering zu unterbinden. Ist es möglich, mir eine Demo-Version zukommen zu lassen?"

Und offenbar gibt es auch Hate-Mails von Leuten, die Denuvo nicht gerade gutheißen: "Warum macht ihr so eine scheiß Software, um PC-Gamer mit DRM-Scheißdreck zu f*cken? Bitte informiert die Unternehmen, mit denen ihr arbeitet, dass sie Tausende von Kunden verlieren, wenn sie eure DRM-Lösung verwenden. Danke!"

Ein ziemlich höflicher Hater.

Wie es allerdings auch andersherum laufen kann, bewies Entwickler Funcom bei COnan Exiles: Kaum wurde die Schutzsoftware von Denuvo versehentlich deaktiviert, überrannten Spieler der gecrackten Version die Welt des Barbaren. Ein Patch behob das Missgeschick zwar, aber da man auch Dedicated Server hosten kann, können diese Leute weiterspielen, nur werden sie niemals Updates erhalten.

Was meint ihr? Ist die Zeit von Anti-Tamper-Softwares wie Denuvo vorbei? Vor allem angesichts Account-basierter Lösungen wie bei Steam.