Der karlsruher Medienkunst-Student Jens M. Stober entwickelte kürzlich ein Serious-Game der anderen Art. Ein Spiel über die jüngste deutsche Geschichte. Ein Multiplayer-Egoshooter mit Schießbefehl.

Doch aus der eigentlich löblichen Idee, entstand eine Welle der Empörung. Und das, obwohl noch niemand das Spiel wirklich gesehen oder gespielt hat.

In dem Spiel, in dem bis zu 16 Spieler gegeneinander antreten können, kann man sowohl die in die Rolle des Republikflüchtlings schlüpfen, als auch in die Rolle des Grenzsoldaten. Der Soldat bekommt einen Schießbefehl – er soll also die flüchtenden Spieler niederstrecken. Er hat aber auch die Wahl, sie lediglich zu verhaften oder sogar mit ihnen in Kontakt zu treten und selbst flüchten.

Stober dazu: "In dem Spiel kann man sich selbst hinterfragen: Wie verhalte ich mich? Man kann zu dem Schluss kommen: Ich schieße nicht auf meine eigenen Landsleute. Einige werden zwar erstmal einfach drauflos ballern. Dann aber kommen sie vor Gericht - und wenn es dann auch nur bei einem 'klick' macht und er ins Nachdenken kommt - dann habe ich schon etwas erreicht."

Das Spiel ist allerdings kein Egoshooter im klassischen Sinne. Sobald sich einer der Soldaten dazu entschließt, auf die Flüchtlinge zu schießen, bekommt er vom DDR-Regime einen Orden angehängt. Danach landet er allerdings direkt im Jahr 2000, in dem er sich dann vor einem Mauerschützenprozess verantworten muss. Der Spieler auf Seite der Soldaten wird also nicht einfach auf die Flüchtlinge losgelassen. Im Gegenteil: Er wird, sofern er sich für den Schuss entscheidet, für ca. 30-60 Sekunden aus dem Spiel genommen, und kann über sein Handeln und die daraus entstehenden Konsequenzen nachdenken.

In dem Spiel werden den Spielern zusätzlich Informationen gegeben: Wo er sich gerade befindet und welche Gefängnisstrafe für einen Fluchtversuch droht. Außerdem basiert es auf echten Satellitendaten, die in das Spiel eingefügt wurden. Grundlage bietet die Engine für Half Life 2, für die das Spiel ein Mod darstellt.

Größen aus Politik und Gesellschaft, von denen, wie eingangs schon erwähnt, niemand das Spiel bisher gesehen hat, empören sich nun über den Vorstoß des Spieleentwicklers. SPD-Politiker Markus Meckel hält das Spiel für „makaber und skandalös“, CSU-Abgeordneter Norbert Geis geht davon aus, dass es im Grunde ein Killerspiel bleibe und die Vorsitzende der Linken Gesine Lötzsch verurteilt das Spiel als „geschmacklos und dumm“. Ein befragter Historiker behauptet gar: "Es ist im Grunde ein Abknallen - so wie wenn man auf Hasen schießt". Und sogar eine Anzeige hat der Student bereits für sein, noch nicht einmal veröffentlichtes Werk, bekommen.

Am 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung soll das Spiel kostenlos zum Download angeboten werden.