Der Lehrer Christoph Brüning aus Nordrhein-Westfalen behandelt in seinem Unterricht nicht nur Stoff, den auch andere Lehrer unterrichten. Er bringt Computerspiele in den Unterricht mit ein, lässt die Schüler sogar spielen und sie anschließend analysieren. Gegenüber Golem erklärte er, dass er Computerspiele so behandelt, wie Literatur und Filme, und in ihnen ein Stück von Kultur sieht.

"Wir haben keine andere Wahl, als Computerspiele mit in den Unterricht zu nehmen, weil das zur Lebenswirklichkeit der Schüler gehört", so Brüning. Er geht sogar so weit und "fordert" ein Unterrichtsfach, das sich ausschließlich um Computerspiele dreht. Wenn die Schüler das Spiel, den Film und einen Roman analysieren müssen, dann werden Fragen gestellt, wie etwa "Wie ist die fiktionale Welt aufgebaut? Wie wird eine Geschichte erzählt? Wie ist der Raum konzipiert?".

Als Beispiel nannte er Harry Potter 3, das er mit Schülern aus der Oberstufe behandelte. Das Spiel sei sowohl für die Mädchen als auch für die Jungs gleichermaßen interessant gewesen. Hier ging er darauf ein, wie sich die Geschichte des Spieles zum Film und zum Buch verändert und wozu etwa die Nebenmissionen dienen.

Mit solchen Fragen möchte er den Schülern "geschärfteren Blick auf Hintergrundmechanismen" übermitteln. Auch wenn das Behandeln von Spielen im Unterricht spannend für Schüler ist, so möchte Brüning viel mehr erreichen und den Jugendlichen eine erweiterte "Reflexionsfähigkeit zur Bewältigung des Alltags an die Hand geben".

Dass das allerdings auch auf Gegenstimmen trifft, dürfte wohl klar sein. Im Lehrerzimmer gab es darauf unterschiedliche Reaktionen. Einige Pädagogen finden es super und längst überfällig, andere Lehrer hingegen warnen vor der Gewalt in Spielen.