"Sorry, ich verstehe das Drama nicht, eine 'always on'-Konsole zu haben. Jedes Gerät ist inzwischen 'always on' [bzw. mit dem Internet verbunden]. Das ist die Welt, in der wir leben. #dealwithit (Kommt damit klar)" Dieser Tweet von Microsofts Creative Director Adam Orth sorgte letzte Woche für einen handfesten Eklat, in dessen Zuge Orth das Unternehmen verließ, bzw. verlassen musste. Jetzt äußerte sich auch Spieledesigner Cliff Bleszinski zum Thema.

Microsoft hat sich in den Augen vieler Fans durch den "Always on"-Eklat nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Ein Eklat, der vielleicht keiner war? Schließlich ist der Mensch von heute über viele alltägliche Geräte bereits "always on". Beispielsweise über Smartphones. Und auch Steam verlangt nach einer einmaligen Online-Aktivierung aller Spiele. Der Offline-Modus ist zwar möglich, wird aber nicht empfohlen. Und Valve gilt als einer der beliebtesten Unternehmen im Spielebereich.

Auch Cliff Bleszinski, ehemaliger 'Epic Games'-Mitarbeiter, unter anderem an der 'Unreal Tournament'- und 'Gears of War'-Reihe beteiligt, hat eine Meinung hierzu.

"Mein Bauchgefühl sagt mir, dass eine 'Always on'-Zukunft sehr wahrscheinlich kommen wird. Sie wird sehr bald kommen und wahrscheinlich auf der Mehrheit aller Geräte stattfinden, die ihr liebt. SimCity scheint sich trotz all seiner Probleme beim Start wirklich gut zu verkaufen (steht rund einen Monat nach Verkaufsstart mit 0,66 Millionen verkauften Exemplaren auf Rang. 4 aller SimCity-Spiele). Bei Diablo 3, dem Paradebeispiel einer vermasselten Veröffentlichung, geht man von geschätzten 12 Millionen verkauften Einheiten aus . Ich würde Geld darauf wetten, dass Diablo 3 ohne die Online-Elemente nur halb soviel verkauft hätte."

Ein indirekter Beweis für seine Behauptung zu Diablo 3 dürfte sicher der Vergleich zwischen den Ladenverkäufen und den Online-Verkäufen des Spieles sein. Insgesamt verkaufte sich Diablo 3 rund 12 Millionen Mal weltweit, wovon lediglich 3,08 Millionen Exemplare über die Ladentheke gegangen sind.

Bleszinski ist sich sicher, dass eine schnelle Verbindung für die Mehrheit aller Länder und somit für jedermann nur noch eine Frage der Zeit sei. "Ich gehe davon aus, dass jeder 'Early Adopter' (Individuen, die frühzeitig neue Technologien aufgreifen) einer neuen Technologie auch über eine solide Internetverbindung verfügt. Wenn ihr euch in einem Forum über Adams (Orth) Kommentare auslasst, werdet ihr sehen, dass es eine ganz neue Generation an Jugendlichen gibt, die mit dem ständigen Online-Sein aufwachsen und die sich einen Scheiß darum kümmern."

So hätte er sich auch mit seiner Frau über die Sache unterhalten. Bei der Diskussion kam die Frage auf, was wäre, wenn man situationsbedingt nicht online gehen könnte. "Meine Frau und ich haben diesen Nachmittag über diese Angelegenheiten diskutiert und sie brachte das Beispiel, 'Hey, was, wenn ich ein Spieler wäre, der für eine Woche in eine Waldhütte wollte und ich dort über keine Internetverbindung verfügte?' Das ist ein Grenzfall...Der einwöchige Urlaub in der Hütte entspricht nur 30 Stunden, in denen man kein Spiel spielt oder in denen man kein Gerät verwendet, das für viel mehr entwickelt wurde," so Bleszinski. "Technologie schreitet nicht voran, wenn man sich dauernd über Grenzfälle Gedanken macht."

Bleszinskis Meinung nach, würden sich Spieler keine Gedanken um die ständige Internetverbindung machen, wenn das Ökosystem eines solchen Gerätes fantastisch sei. So machte es den Leuten nichts aus, als Leitungen in ihren Häusern verlegt werden mussten, um Elektrizität zu ermöglichen, weil sie die Idee von Glühbirnen und Kühlschränken liebten.

"Wenn wir Geräte hätten, die nicht ständig 'always on' wären, könntet ihr euren Hintern darauf verwetten, dass wir bald Geräte haben würden, die euch dazu ermutigen, in das Online-Ökosystem zurückzukehren, 'einzuchecken', um sicherzugehen, dass alles im System der Ordnung entspräche. Könnte man so ein Gerät hacken bzw. jailbreaken? Sicher, aber diese Gruppe wird so gut wie immer der harte Kern bleiben, der nicht dem durchschnittlichen Nutzer entspricht und nur einen kleinen Prozentsatz der möglichen Verkäufe ausmachen."