Auf dem BFI London Film Festival sprach Star-Regisseur Christopher Nolan in einem Panel über die Notwendigkeit der Kinos, auch weiterhin auf Film zu setzen. Sollten sie stattdessen nur noch auf digitale Technologien setzen, prophezeie er das Ende der Lichtspielhäuser.

Aktuelles - Christopher Nolan: Wenn Kinos nur noch digital vorführen, ist es das Ende für den Film

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Auch Interstellar drehte Christopher Nolan teilweise in 70 mm
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Seit 1998 werden Filme digital gedreht und vorgeführt. Damals noch ein Novum, ist das Format auch durch das Digital Cinema Initiatives , dem Dachverband amerikanischer Filmstudios, zu einem internationalen Standard gereift, der den klassischen Film allmählich verdrängt hat. Während es gerade für Independent-Studios und kleinere Filmemacher ein Segen darstellt, sehen Hollywood-Größen wie Quentin Tarantino und Christopher Noland darin einen Nachteil für das Kino gegenüber etwa Fernsehen.

Darüber sprach Nolan im Panel "Reframing the Future of Film" auf dem BFI London Film Festival und verglich die digitale Vorführung von Filmen mit einer Fotografie eines Gemäldes.

"Man geht auch nicht in ein Museum und schaut sich eine Fotografie von einem Gemälde an", so Nolan. "Das kann man so nicht anbieten. Und dennoch freuen wir uns in der Filmwelt darüber, Lawrence von Arabien als digitale Filmkopie zu zeigen. Und keiner der Filmemacher war auch nur im Geringsten daran beteiligt."

Analoges 35mm-Filmmaterial zu digitalisieren sei immer nur eine Annäherung, bei der notwendigerweise auch ein Stück der Atmosphäre geopfert werde. "Ich denke nicht, dass es den Leuten klar ist, dass jeder digitale Transfer von Film immer nur eine Übersetzung des originalen Materials darstellt. Es gibt immer einen Unterschied."

Seinen letzten Film Interstellar drehte Nolan in 35mm, mit einigen Szenen, die er im IMAX-Format in 70mm drehte. Das Argument, dass digitale Methoden wesentlich einfacher zu handhaben und auch günstiger seien, ließ er so nicht stehen.

"Wir drehten in ziemlich engen Räumlichkeiten mit sehr großen Kameras. Mein Kameramann Hoytevan Hoytema war von Beginn an entschlossen, die IMAX-Kamera [Gewicht 120 bis 230 Kilo, je nach Modell] alleine zu halten, was ich nach zwei vorherigen Drehs mit IMAX für absolut unmöglich hielt. Aber Hoyte, er ist ein großer, starker Holländer, er rannte einfach so mit der Kamera auf seinen Schultern herum."

Filmemacher, die behaupten, digitale Kameras seien handlicher und leichter, haben demnach kein stichhaltiges Argument in der Hand. "Wenn David Lean [Regisseur von Lawrence von Arabien] oder besser gesagt, David Leans Crew eine 65mm-Kamera in der Wüste aufbauen konnte, warum sollte es mich dann kümmern, dass eure Kamera leichter ist, solange ihr damit nicht etwas anstellt, dass man sonst nicht machen kann?"

Oft unterhalte er sich mit Studiobossen über das Handwerk des Filmemachens und was das Erlebnis eines Films ausmache und sobald es um den finanziellen Aspekt ginge, würden viele anbringen, dass am Ende doch nur die Geschichte zähle und nicht das Format. "Und ich sage, 'Nein, das stimmt nicht. Sonst würden wir Hörspiele fürs Radio produzieren, das wäre wesentlich günstiger.'"

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Nolan lobt Quentin Tarantinos The Hateful Eight, der in 70mm gedreht wurde
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"Wenn man das traditionelle Filmhandwerk ausübt, sollte es dem Publikum gleich sein, wieviel der Film gekostet hat oder wie schwer die Dreharbeiten waren oder wie schwierig es für die Kinos ist, den Film vorzuführen."

Dennoch habe es sich als gängiges Argument für Filmstudios und Kinos durchgesetzt, zu sagen, dass digitaler Film nun mal kostengünstiger sei. Fatal sei hierbei, dass das Publikum dies einfach so hinnehme und nicht einmal von günstigeren Ticketpreisen profitiere. Ganz im Gegenteil.

"Aus irgendwelchen Gründen wird es akzeptiert, einfach nur einen leeren Raum mit einem Fernseher bereitzustellen, auf dem man einen Film anschauen kann. Es gibt kein Kinoerlebnis." Die Erfahrung der Kinogänger werde völlig außer Acht gelassen und nicht im Geringsten wertgeschätzt. Und das müsse sich nach Nolan ändern.

"Das muss sich ändern. Und wenn es sich nicht ändert, dann vergesst Film, vergesst digitalen Film, wenn das Kinoerlebnis des Publikums nicht wertgeschätzt wird, werden die Leute nicht mehr ins Kino gehen."

Besonderen Lob sprach Nolan auch seinem Regie-Kollegen Quentin Tarantino aus, der seinen kommenden Film The Hateful Eight komplett in 70mm gedreht hat und sogar hundert Kinos in den USA aus eigener Tasche mit 70mm-Projektoren ausstattet, damit das Publikum die Gelegenheit erhält, den Unterschied zu sehen.

Das Kino habe in seiner ganzen Zeit häufiger versucht, Trends zu adaptieren und sei schlussendlich immer zu den herkömmlichen und bewährten Methoden zurückgekehrt, da das Publikum nun mal Filme schaue, um Film zu erleben. Als Beispiel führte Nolan die Unart der Studios in den '80ern an, Schwarz-Weiß-Filme einzufärben. Das hat sich auch nicht durchgesetzt, nur weil sich das Publikum an Farbfilme gewöhnt hatte.

"Wenn ihr Interstellar im IMAX-Format auf 70mm-Film seht, seht ihr ein Format, das man unmöglich im Wohnzimmer von jemanden reproduzieren kann", so Nolan im vergangenen Jahr. "Interstellar behandelt die großen Fragen des Universums und wir wollten das größte und qualitativste Format verwenden, das man finden kann. Wenn ihr Interstellar erleben wollt, dann müsst ihr in ein IMAX-Kino."

Was meint ihr zu dem Ganzen? Hat Nolan recht? Oder interessiert es euch nicht, ob ein Film im Kino im 35mm-Format oder digital gezeigt wird?

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