Ein Einwurf von Garry Leusch

So ein Tag im Büro ist manchmal schon ein wenig ermüdend. Wobei wir ja noch verdammtes Glück im Unglück haben, denn immerhin bewegen wir uns in einer Branche, die sich schnell verändert, immer wieder etwas Neues zu bieten hat und eine Community, die sich nichts gefallen lässt und nicht aus Ja-Sagern besteht. Junge Leute und Menschen mittleren Alters in der Regel, eben die, die kritisch hinterfragen.

Manchmal denke ich darüber nach, ob es eigentlich OK und zu verantworten ist, wenn wir hier einen Spieletest zu Fire Emblem: Awakening veröffentlichen und sich gleichzeitig die einschlägigen Nachrichtenseiten mit Eilmeldungen zu den Vorkommnissen in Boston und Watertown überschlagen.

Wir sind keine Nachrichtenseite, die den Anspruch hat, politische oder Weltnachrichten zu verarbeiten. Wir reden über Spiele und Filme und daher haben selbst terroristische Aktivitäten, die irgendwo auf der Welt passieren, keinen Platz bei uns.

Oder doch?

Ich ertappe mich während so eines Tages im Büro immer wieder dabei, wie ich den Liveticker auf SPON, Faz.net oder Welt.de ansteuere - um zu erfahren, was sich in den letzten 30 Minuten getan hat. Die Medien haben uns alle im Griff. Jede Aktivität, jede noch so kleine Veränderung wird auf Bildern festgehalten, auf Handy-Videos oder auch in Texten.

Diese finden sofort ihren Weg auf Twitter, Facebook & Co. Und sie scheinen sogar den Ermittlern zu helfen, die Täter schneller zu identifizieren und dingfest zu machen. Eine gute Sache und es zeigt sich, dass die neuen Medien manchmal doch zu mehr zu gebrauchen sind, als zu erfahren, dass Kumpel X gerade auf dem Klo sitzt.

Und wir schreiben weiterhin brav über Computerspiele und Filme. Egal, was um uns herum passiert. Ist das, was wir tun, eigentlich am Puls der Zeit?

Die Antwort ist ein klares Ja. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Denn wenn ich die aktuellen Nachrichten morgens im Auto, tagsüber in Livetickern und abends in der Tagesschau verfolge, dann fühle ich mich verfolgt. Man entkommt der allgemeinen Medienhysterie nicht, und das nervt mich.

So tragisch die Ereignisse in Boston auch sind und so wichtig es ist, dass es Medien- und Nachrichtenorgane gibt, die darüber berichten – so froh bin ich dann doch, wenn ich auf unsere Webseite sehe und von all dem nicht behelligt werde. Wenn ich einfach nur in einer Komplettlösung stöbern darf oder mich über eine Filmkritik zu einem kommenden Kinoblockbuster ärgere.

Es ist gut so, wie es ist. Boston ist wichtig, aber wir sind es auch. Wir können dem allgemeinen Media-Hype nicht entfliehen, und darum bin ich froh, dass ich eine Seite betreibe, die sich mit anderen Dingen beschäftigt. Die uns alle ein wenig auf andere Gedanken bringt und die sich mit unserem Hobby beschäftigt. Eigentlich sind wir sogar in einer Luxusposition: Wir müssen uns nicht dauernd mit einer schlechten Welt befassen, sondern dürfen über das schreiben, was uns allen so viel Spaß bereitet. So soll es sein und nicht anders.

Auch wenn ich mich gleich sicherlich wieder irgendeinem Live-Ticker zuwenden werde. Zumindest kurz, ich will doch wissen, was es Neues gibt.