Update:

Offenbar hat es Missverständnisse in Bezug auf die Ermittlungen der belgischen Glücksspiel-Kommission gegeben. Demnach sollen die Untersuchungen noch lange nicht abgeschlossen sein. Die Aussagen der Kommission sowie des Justizministers Koen Geens beziehen sich auf die laufende Untersuchung und sind kein abschließendes Urteil. Dennoch kann man davon ausgehen, dass Geens unabhängig vom Ergebnis eine gefestigte Meinung zur Monetarisierungs-Methode der Unternehmen hat, die über Lootboxen versuchen, die Spieler immer wieder zum Kauf von eben solchen Gegenständen zu animieren.

Ursprüngliche Nachricht:

Die belgische Glücksspiel-Kommission hat ihre Untersuchungen in Bezug auf Lootboxen in Videospielen mit einem spektakulären Urteil abgeschlossen: Lootboxen sind Glücksspiel!

Aktuelles - Belgische Kommission entscheidet: Lootboxen sind Glücksspiel! UPDATE!

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Haben Disney und EA das Ergebnis der Ermittlungen bereits geahnt?
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Vor wenigen Tagen schlug die Meldung, dass die belgische Glücksspiel-Kommission Ermittlungen gegen Spiele wie Overwatch von Blizzard und Star Wars Battlefront 2 von EA eingeleitet hat, hohe Wellen. Ziel des Ganzen war es, zu bestimmen, ob ein möglicher Verstoß gegen das belgische Glücksspielgesetz vorliegt.

Kurz nach Bekanntwerden der Ermitttlungen veröffentlichte EA ein Statement und widersprach der Auffassung, dass Lootboxen dem Glücksspiel-Prinzip ähnelten: "Die Fähigkeit eines Spielers, ein Spiel zu meistern, ist nicht davon abhängig, Lootboxen zu erwerben. Spieler können diese beim Spielen des Titels verdienen, ohne dafür Geld ausgeben zu müssen."

Fraglich bleibt, ob Disney und EA womöglich geahnt haben, zu welchem Ergebnis die Glücksspiel-Kommission kommen würde, und gerade deshalb vorsorglich die Mikrotransaktionen in Star Wars Battlefront 2 entfernt haben. Schließlich will das Aktienunternehmen die Verkäufe nicht gefährden, die ohnehin bereits schlechter abschneiden als noch bei Star Wars Battlefront 2015.

Ja, Lootboxen sind Glücksspiel

Nun liegt das Ergebnis der Untersuchungen vor: "Die Kombination aus Geld und Suchtverhalten ist Glücksspiel", lautet das sicherlich von vielen unerwartete Urteil der Glücksspiel-Kommission. Belgiens Justizminister Koen Geens geht noch einen Schritt weiter und fordert ein ultimatives Verbot. "Glücksspiel und Gaming an sich zu kombinieren, und das bereits in einem jungen Alter, ist schädlich für die geistige Gesundheit eines Kindes", so Geens. Nun wolle er alles in seiner Macht Stehende unternehmen, jegliche Form von In-Game-Käufen, die stark mit Zufall (Glück) zusammenhängen, ganz entfernen zu lassen. Und nichts anderes stellen Lootboxen dar. Damit folgt Belgien der Auffassung Chinas, wonach diese Form der Mikrotransaktion durchaus als Glücksspiel zu betrachten ist. Das werde aber seine Zeit brauchen, mahnt Geens und betont gleichzeitig, wie ernst er es meint, "denn wir müssen über Europa gehen."

Situation in Deutschland

Das Ergebnis dürfte zumindest aus USK-Sicht vorerst kaum Auswirkungen auf den deutschen Markt haben. Die freiwillige Selbstkontrolle der Computerspielewirtschaft hatte bereits Ende Oktober hierzu Stellung genommen: "Als Glücksspiel gelten dem Gesetz nach Spiele, bei denen Spieler gegen ein Entgelt eine Gewinnchance erwerben und der Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. Lootboxen, die gegen ein Entgelt immer ein zufällig generiertes Item vergeben, gelten nach üblicher Auffassung bisher nicht als Glücksspiel." Allerdings weist die USK auch daraufhin, dass die genaue Definition darüber, was Glücksspiel ist, Sache des Gesetzgebers und der Gerichte bleibe.

Wenn die Entscheidung der belgischen Glücksspiel-Kommission also länderübergreifende Konsequenzen haben soll, müsste sie etwa über eine EU-Kommission gehen. Und genau das hat Belgien nun vor.