So langsam aber sicher nimmt das überhand. Egal wie sehr man von Toleranz unter Spielern sprechen möchte, für manche gilt das offensichtlich nicht. Innerhalb kürzester Zeit musste erst Spiele-Entwicklerin Brianna Wu ihr Haus aufgrund von Morddrohungen verlassen und Feministin Anita Sarkeesian eine geplante Rede an einer Universität aufgrund einer Terrordrohung canceln.

Aktuelles - Anita Sarkeesian cancelt Rede nach Drohungen, Entwicklerin Brianna Wu verlässt ihr Haus nach Morddrohungen

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Brianna Wu bekam Morddrohungen für ihr Spiel (Bild von james-brooks.uk)
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Anita Sarkeesian mag eine Person sein, die polarisiert. Nicht zuletzt durch ihre Webserie Tropes Vs Women in Video Games, die ihr nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Kritiker und fanatische Gegner einbrachte. Als selbsternannte Feministin war es ihr sicher klar, dass sie sich auf dünnem Eis bewegen wird. Doch wie heftig es werden kann, damit mag sie sicherlich selbst nicht gerechnet haben. Anfangs ließ sie sich niemals in ihrer Standfestigkeit beirren. Naiv könnte manch einer das nennen, oder engstirnig, aber eines konnte man ihr nie vorwerfen, nicht zu ihrem Wort zu stehen.

Doch nun scheint es, ist auch Sarkeesian gebrochen. So hat sie eine geplante Rede an der Utah State University mit dem Thema Frauenhass und Schikane in Videospielen nun gecancelt, nachdem eine anonyme, sich als Student der Utah State University ausgebende Person androhte, "das tödlichste Schulmassaker in der amerikanischen Geschichte" zu verüben, sollte sie die Rede wie geplant halten. Damit wolle er für die Rede Sarkeesians "rächen".

Selbst wenn es sich dabei nur um die feige, anonyme Androhung einer sich in Sicherheit wiegenden Peson sein sollte, muss man doch sagen, dass gerade amerikanische Universitäten und Schulen solche Drohungen sehr ernst nehmen. Kein Wunder, wurden dort in der Vergangenheit doch mehrfach derartige Massaker verübt. Diese Angst auszunutzen, zeugt von Unreife oder blankem Hass.

Doch es ist nicht nur Sarkeesian alleine, die sich solchen Morddrohungen ausgesetzt sieht, auch andere Frauen in der Branche erhalten dergleiche Drohungen. So auch vor kurzem Spiele-Entwicklerin und Chefin des Studios Giant Spacekat Brianna Wu.

Grund für die Drohungen ihr gegenüber ist ihr Spiel Revolution 60 für iOS. Darin muss ein Team aus weiblichen Agenten ein Raumschiff kapern. Für Wu war es wichtig, ein Spiel mit Frauen zu entwickeln, das nicht den gängigen Klischees und Stereotypen für Frauen entspricht. In einem Interview teilte Wu bereits mit, dass sie glaube, dass Revolution 60 durchaus kontrovers sein werde. Wie recht sie doch hatte.

Nachdem sich Wu kritisch gegenüber der GamerGate-Affäre äußerte, wurde sie schnell ebenfalls zum Ziel der hasserfüllten Drohungen.

Diesen Tweet veröffentlichte Wu auf ihrer Twitter-Seite:

Es dürfte jedem klar sein, dass derartige Androhungen und rassistische Äußerungen gegenüber ihrem Mann mitsamt Wus genauer Adresse mehr als nur besorgniserregend erscheinen. Als direkte Konsequenz verließen Wu und ihre Familie ihr Anwesen, um sich in Sicherheit zu begeben. Der Fall wird derzeit von der Polizei untersucht.

In einem Interview teilte Wu allerdings mit, dass sie sich nicht von den Drohungen einschüchtern, und die Spiele-Industrie verlassen werde. "Man trifft auf Spieler, die sich diese unbewussten Nachrichten einfach einverleiben - dass Frauen hier (Spiele-Community) nicht willkommen sind. 'Das ist unser Review, das ist unser Platz. Und als Ergebnis haben wir diese extrem feindliche Haltung gegenüber Frauen."

Tatsächlich haben Hacker sogar versucht, Wus Bankkonten zu attackieren. Auch das Apple-Konto ihres Studios wurde attackiert. Als sie sich einloggen wollte, bemerkte sie, dass ihr Konto gesperrt war. Also kontaktierte sie Apple, die sich wirklich kooperativ zeigten.

"Apple war einfach wundervoll", so Wu. "Ich bin mir sicher, dass die Polizei einen kooperativen Partner vorfinden wird, wenn sie Apple für ihre Untersuchungen kontaktieren."

Derzeit sei ihre oberste Priorität die Sicherheit. "Ich will mich in Sicherheit begeben. Meine Hauptaufgabe momentan ist es, in Sicherheit zu sein, einen Ort zu finden, an dem ich sicher sein kann, bis das alles vorbeigezogen ist."

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