Seit dem gestrigen Amoklauf von Winnenden, in dem ein 17-Jähriger erst 15 Menschen und dann sich selbst erschoss, ist die Presse in Aufruhr. Und seit nun auch das Spiel Counterstrike auf dem Rechner des Jungen gefunden wurde, wurden auch die Titel der Überschriften entsprechend angepasst, als hätte man nur auf eine solche Chance gewartet.

'Computer-Spiele, Waffen und Schul-Frust', titelt die Netzeitung, 'Shooter-Training im Dachstübchen' heißt es in der Berliner Zeitung. Schon die Titel sprechen eine klare Sprache und die Kollegen scheinen bereits nach einem Tag das psychologische Profil des jungen Amokläufers durchschaut zu haben.

Auch in der ARD-Talkshow 'Hart aber Fair' beschäftigte man sich aus aktuellem Anlass mit dem Thema, hatte Christian Pfeiffer zu Gast, den Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Auch Wolfgang Bosbach von der CDU war zugegen und beide forderten im Einklang nach nicht näher bestimmten Konsequenzen für den Umgang mit Computerspielen, in denen die Gewalt dominiere.

Tom Westerhold vom WDR bemühte sich tapfer, gegen die spielefeindliche Allianz anzukämpfen und erklärte, dass es nicht um ein Verbot gehen dürfe, sondern um die Altersfreigabe. Öl ins Feuer dürfte in dieser Hinischt Polizeisprecher Klaus Hinderer gegossen haben, der am heute früh den Fund von Counterstrike auf dem Computer des Jugendlichen verkündete und daraus schlussfolgerte: "Das Motiv hängt mit dem Internet zusammen."

Nur aus Köln, der Stadt der GamesCom, hört man eine etwas differenziertere Ansicht. So heißt es im Kölner Stadtanzeiger: "Glücklicherweise haben Politiker bis jetzt darauf verzichtet, 'Killerspiele' zu verbieten. Nicht Spiele machen Jugendliche zu Tätern. Es sind Defizite in der Familie und in ihrem Umfeld, die sie in die Welt der Spiele und der monströsen Selbstdarstellungen im Internet flüchten lassen, wo sie den Rächer spielen können. Nicht der 'Sog des Bösen' zieht junge Menschen in eine solche Scheinwelt, sondern ein Mangel an Selbstwertgefühl und gleichzeitig eine abnorme Selbstüberschätzung."

15 Waffen im Schrank der Eltern, eine tödliche Waffe im Schlafzimmer unverschlossen, dazu Munition im dreistelligen Bereich - dass Tim K. dadurch in seiner Entwicklung nachhaltig geprägt wurde, dürften Psychologen bald herausgefunden haben. Und vielleicht versteht man dann auch, dass ein Interesse für Counterstrike allenfalls die Folge dieser Einflüsse war und nicht die Ursache für die schreckliche Bluttat.