Adam Orth, Microsoft Studios' ehemaliger Creative Director sprach zum ersten Mal über seinen verhängnisvollen Twitter-Eintrag und die Folgen für ihn und seine Familie.

Aktuelles - Adam "#dealwithit" Orth über seine verhängnisvolle Aussage und die Folgen

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Orths Twitter-Eintrag kostete ihn seinen Job
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Als Microsoft Studios ehemaliger Creative Director Adam Orth im April einen Kommentar zum Aufruhr wegen dem damals noch angestrebten 'Always on'-Kurs der Xbox One verfasste, hatte er bestimmt nicht damit gerechnet, dass sein Kommentar die Mengen so aufregen würde, dass er am Ende seinen Hut nehmen musste. Da half es auch nicht, dass er kurz nach seinem Kommentar seine Tweets für die Öffentlichkeit sperrte und sich auch noch für seinen Kommentar entschuldigte: "Tut mir leid, dass ich meine Meinung auf Twitter darüber preisgebe, was ich von den Geräten erwarte, für die ich bezahle, Herrgott." Ob er freiwillig gegangen ist oder gegangen wurde, war bis dato nicht offiziell bekannt.

Sein Kommentar las sich folgendermaßen: "Sorry, ich verstehe das Drama nicht, eine 'always on'-Konsole zu haben. Jedes Gerät ist inzwischen 'always on' [bzw. mit dem Internet verbunden]. Das ist die Welt, in der wir leben. #dealwithit"

Verhängnisvoll war vor allem das "deal with it" - "Kommt damit klar". Dieser Satz implizierte schließlich, dass der Endverbraucher dem Unternehmen egal sei und er kein Recht besäße, auch nur den kleinsten Wunsch zu äußern. Wenig später entschuldigte sich Microsofts Director of Programming Larry 'Major Nelson' Hryb für die Aussage Orths.

Orth selbst, kam bei all dem Trubel nicht mehr dazu, Stellung zu beziehen. Warum, das teilte er nun in seiner Rede "Mob Rules: The Destructive Power of Opinion and Online Community" auf der Game Developers Conference Next mit, die vom 5. bis zum 7. November in Los Angeles, Kalifornien stattfand.

"Auch wenn ich jede nur erdenkliche Gelegenheit dazu hatte, habe ich nie öffentlich über das gesprochen, was passiert ist", so Orth. Er habe die Geschehnisse, die ihn seinen Job und seiner Familie die finanzielle Grundlage gekostet habe, erst einmal verarbeiten und hinter sich bringen müssen. Auch wollte er die Ereignisse, obwohl ihn seine Familie und Freunde dazu drängten, nicht allzu bald noch einmal in Gedanken durchleben müssen.

Orth ließ wissen, dass er Microsoft freiwillig verlassen habe, da er und seine Familie ihren Wohnsitz aufgaben und nach Südkalifornien zogen, wo er nun für sein eigenes Unternehmen arbeite. Seine Entscheidung, seine private Meinung auf einer öffentichen Plattform kundzutun, war eine schlechte gewesen und es sei eine noch schlechtere Entscheidung gewesen, sich im Zuge dessen in eine sarkastische Auseinandersetzung mit einem Freund zu begeben, die von allen gelesen werden konnte.

"Während ich weiterhin der Ansicht bin, dass es mein Recht ist, meine Meinung kundzutun, hinter der ich auch immer noch stehe, war die Art, wie ich mich mitgeteilt habe, einfach falsch gewesen. Dies war eine Konversation, die ich nicht über Twitter, sondern auf ein Bier mit Freunden hätte führen sollen."

Orth sei der letzte, der gerechtfertigte Kritik für unangebracht halte, doch das, was er erleben musste, hatte mit Konstruktivität nicht mehr viel gemein. Rassistische, homophobe und bedrohliche Mails waren an der Tagesordnung. Er habe auch nicht die Polizei verständigt, da er ja nicht das gesamte Internet anzeigen könne.

"Wenn dich jemand im Internet bedroht, ist es schwer, das wirklich ernst zu nehmen. Waren diese Drohungen ernst gemeint? Wahrscheinlich nicht, aber ich wollte weder mich noch meine Familie in Gefahr bringen. Schlussendlich mussten wir die Stadt verlassen, um uns in Sicherheit zu begeben. Wir mussten unser Leben von Grund auf neu aufbauen."

Für Orth sei sein Erlebnis ein Hinweis auf die zunehmende Akzeptanz vom "Internethass", der sich häufig in Form von anonymen Trollen zeigt. Das Erschreckende daran sei auch nicht die Möglichkeit von gewalttätigen Folgen im echten Leben, sondern mehr die zunehmende Akzeptanz dieser Form als "Antwort" auf Dinge, die jemand nicht möge.

"Wenn sowas passiert, hat man zwei Möglichkeiten: Sich in die Fötusstellung begeben und sich zum Opfer degradieren lassen oder der Wahrheit ins Auge blicken, aus den Fehlern lernen und vorwärts blicken."

Adam Orth blickte nach vorne und fand einen Neuanfang - für sich und für seine Familie. "Ich bin ein besserer Vater geworden. Ich lebe gesünder und habe 50 Pfund abgenommen...Ich habe radikale und positive Änderungen für meine Karriere und für meine Familie herbeigeführt."

Es gab Momente, in denen er mit denselben Methoden zurückschlagen wollte und es diesen "Tieren" da draußen doppelt heimzahlen wollte, ganz besonders, als sie sein Kind bedrohten. "Aber ich widerstand."

Was ihn stärkte, waren Freunde, ehemalige Kollegen und natürlich seine Familie, die seine Meinung unterstützten und ihm dabei halfen, mit dem ganzen Hass, der auf ihn einstürzte, klarzukommen. "Dieses Ereignis hat mich positiv und grundlegend verändert. Mit der Hilfe von Freunden und meiner Familie, und nicht zuletzt tiefer innerer Selbstreflektion, konnte ich am Ende stärker daraus hervorgehen."

Er lebe nun in Santa Monica und habe ein eigenes Spielestudio gegründet. Zur Zeit sitze er an seinem ersten Spiel. Er lebe nun seinen eigenen Traum und mache das, was er liebe, mit Leuten, die er respektiere.