Das Sandy Hook-Massaker in Newtown, Connecticut am 14. Dezember 2012, steckt allen sicher noch in den Knochen, da kommen schon wieder klischeebeladene Anschuldigungen von Seiten der Politik, der Waffenlobby sowie übereifrigen Moralaposteln in Richtung Spiele. Vor allem Liebhaber des First-Person-Shooters sehen sich einer Anschuldigung gegenüber, die zumeist auf völlig haltlosen Pfeilern steht, so bezeichnete ausgerechnet am 21.12, dem Trauertag für die Opfer des Massakers, NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre die Spieleindustrie als eine "herzlose, korrupte und verderbende Schattenindustrie, die Gewalt gegen ihr eigenes Volk sät und verkauft durch bösartige, gewalttätige Spiele mit Namen wie Bulletstorm, Grand Theft Auto, Mortal Kombat und Splatterhouse."

Nur verständlich, dass sich die Spielegemeinschaft sowas Derartiges nicht bieten lässt. Zwei bekannte Gesichter der Szene stehen hierbei exemplarisch für zwei Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen.

Antwand Pearman, selbst Vater und Gründer von Gamerfitnation.com, geht den deeskalierenden Weg. Aus Solidarität den Opfern und ihren Familien gegenüber, rief er über Youtube zu einem 'Day of Cease-Fire For Onlineshooters' - Tag der Waffenruhe für Online-Shooter auf. Mit dieser Aktion wollte er der Welt zeigen, dass Spieler,nur weil sie solche gewalttätigen Spiele zocken, nicht herzlos sind und dass sie genauso betroffen sind von dem Massaker.

Wie Antwand Pearman nach dem 21.12.2012, dem Tag an dem die Aktion stattfand, mitteilte, haben laut Clans und Organisationen, die teilnahmen, ca. 50,000 Spieler an der Aktion teilgenommen und einen ganzen Tag auf Online-Shooter verzichtet. Das mag den Opfern zwar nicht helfen, aber es ist ein Zeichen der Solidarität und der Anteilnahme.

Pearman selbst war offensichtlicht überrascht über die rege Teilnahme und verglich diese Aktion mit dem Weihnachtsfrieden, einem Waffenstillstand zwischen verfeindeten Kampftruppen über die Weihnachtsfeiertage während des 1. Weltkrieges hinweg.

Als er von seinem Vorhaben berichtete, kamen einigen Spielern auch Zweifel an der Aktion auf. Sie befürchteten, damit käme die ganze Sache einem Schuldbekenntnis gleich. Doch Pearman widersprach, "Als ich diese Idee hatte, sah ich sie als Möglichkeit für Spieler, ihre Unterstützung für die Familien der Opfer zu zeigen. Die eine Sache, die wir auf dieser Welt nicht bekommen können, ist Frieden. Krieg wird es immer geben, aber in der virtuellen Welt, da haben wir die Möglichkeit, bessere Menschen zu sein. Das ist keine PR-Aktion. Das tun wir für die Familien und für uns. Was also, wenn man für einen Tag damit aufhört, Shooter zu spielen? Am nächsten Tag ist es vergessen. Aber der Punkt ist, dass man während der Ruhepause Zeit hat, etwas zu hören, was man schon eine ganze Weile nicht mehr gehört hat...das eigene Herz."

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Den anderen Weg beschreitet Isaiah TriForce Johnson, bekannt dafür, den Weltrekord im 'Meiste Midnight Launch Teilnahmen' zu halten und Pro-Gaming zu promoten. Der bekennende Nintendo-Fan, der sich extra in TriForce umbenennen ließ, antwortete auf die Frage, was er denn zu Wayne LaPierres Statement sage, mit "This means War." - Das bedeutet Krieg.

"Ich bin schon sehr, sehr lange in der Spieleszene dabei und ich habe mitangesehen, wie die Medien Videospiele geschlachtet und sie für eine Menge verantwortlich gemacht haben, das überhaupt nichts mit uns zu tun hat. Oder mit den Herstellern, den Entwicklern, den Produzenten, den Investoren - es hat überhaupt nichts mit uns zu tun," so Isaiah TriForce Johnson.

Seiner Meinung nach, war die 'Day of Cease-Fire For Onlineshooters'-Aktion kontraproduktiv und liefere den Gegnern eher noch mehr Futter für ihre Anschuldigungen. Vor allem würden die Medien die Aktion womöglich gegen die Spieler verwenden, indem sie das Ganze missinterpretierten. Das war auch der Grund, warum er nicht an der Aktion teilnahm.

"Wir wissen, dass Antwand es nur gut meint," so TriForce Johnson. "Aber wir befinden uns momentan in einer sehr heiklen Phase. Wir laufen wirklich auf Eierschalen und alles was wir sagen oder tun, wird gegen uns verwendet werden."

Stattdessen spielte er am 21. Dezember, über seine Organisation Empire Arcadia zusammen mit Freunden Spiele wie Zelda 2 und Street Fighter X Tekken. Spiele, in denen es unter anderem darum geht, Kinder zu retten und er hoffe, mit dieser Aktion, die über Livestream zu sehen war, seinen Standpunkt vertreten zu haben.

"Wir werden die Kritiker mit denselben Mitteln schlagen, die sie gegen uns verwenden - mit den Medien."

Dennoch gibt er zu, dass es nicht leicht werden wird. Vor allem nicht, wenn Spieler von der mächtigen Waffenlobby und den Medien immer wieder als Übeltäter herangezogen würden. "Als Spieler sind wir gut im Gewinnen, egal ob in Egoshootern, Rollenspielen, Action-Adventures, Puzzlern, Rennspielen, egal worin. Aber wenn es um die Medien geht, dann ist das keine faire Partie. Das ist wie eine Quote 9:1 und die Medien gegen uns. Es ist die NRA. Wir müssen uns auf solche wie die vorbereiten. Sie wissen was sie tun," so TriForce Johnson. "Aber letzten Endes geht es hier nicht um Videospiele und auch nicht um Politik. Es geht um kranke Individuen."