Mit Titeln wie Dragonica, Flyff oder Rappelz gehörte gPotato bislang nicht unbedingt zu den Publishern, für die man sich als erfahrener MMO-Veteran sonderlich hätte interessieren müssen. Das könnte sich allerdings bald ändern, denn mit Age of Wulin bekommen die Jungs aus Dublin ein Spiel ins Programm, dessen Komplexität und Qualität selbst eingefleischte Onlinezocker aufhorchen lassen.

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Obwohl das Jahr noch nicht vorbei ist, lässt sich bereits jetzt rückblickend erkennen, dass die fetten Zeiten in der MMO-Branche endgültig vorbei sind. Teuer produzierte Abo-Titel locken kaum noch genügend Spieler an und selbst so manches kostenlose MMO wurde trotz niedrigem Budget im Laufe des letzten Jahres abgeschaltet. Der überschwemmte Markt ist dabei, sich selbst zu regulieren. Studios und Publisher, die keinen Spielspaß liefern, bleiben auf der Strecke.

Age of Wulin – Legend of the Nine Scrolls - Schlafender Drache: Der MMO-Geheimtipp

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Age of Wulin ist im China der Ming-Dynastie angesiedelt. Schauplätze, Architektur und Kleidung wurden auf der Basis alter Aufzeichnungen virtualisiert.
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China prescht vor

Überhaupt wird es höchste Zeit, dass das Genre, in dem sich seit 15 Jahren nicht viel bewegt hat, zum Generationssprung ansetzt, gleichzeitig die Einschränkungen der Themepark-Mechaniken abstreift und sich der guten alten Zeit besinnt, in der Welten noch Welten waren und keine Vergnügungsparks, von denen man spätestens nach der ersten Runde genug hat.

Dass nun mit Snail Games ausgerechnet ein chinesisches Studio auf die Idee gekommen ist, sich einiger vergessen geglaubter Sandbox-Mechaniken zu bedienen, sie in ein technisch zeitgemäßes Spiel einzubauen und dieses obendrein über gPotato ohne Kaufpreis und Abo anzubieten, lässt vermuten, dass fernöstliche Entwickler zu ihren westliche Kollegen aufgeschlossen haben und sich eingehend mit der Frage beschäftigen, wie ein MMO gestrickt sein muss, damit es den modernen Spieler auch auf lange Sicht begeistern kann.

Packshot zu Age of Wulin – Legend of the Nine ScrollsAge of Wulin – Legend of the Nine ScrollsRelease: PC: 3. Quartal 2013

Optisch up to date

Und wenngleich uns eingehende praktische Spielerfahrungen trotz der nahenden Fertigstellung von Age of Wulin bislang verwehrt geblieben sind, haben diverse Präsentationen sowie Berichte aus der chinesischen Beta durchaus dazu beigetragen, dass wir dem Titel einen Ehrenplatz auf unserer Wunschliste eingeräumt haben. Und das liegt gewiss nicht nur an der optischen Qualität.

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Grafisch ist das Spiel irgendwo zwischen Guild Wars 2 und TERA anzusiedeln - für einen Free-to-play-Titel durchaus bemerkenswert.
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Wobei sich die nicht verleugnen lässt, denn Age of Wulin kann sich in jeder Hinsicht sehen lassen, rangiert optisch irgendwo zwischen Guild Wars 2 und TERA und damit locker im Bereich eines Triple-A-MMOs. Großen Wert legte der chinesische Chefentwickler, der übrigens von Beruf eher Künstler als Spielentwickler ist, nicht nur auf die virtuelle Landschaft, die ihr Pendant tatsächlich in diversen chinesischen Provinzen haben soll, sondern auch auf die Kleidung.

Die unterschätzte Ära

Die ist nämlich, wie die komplette Historie des Spiels, der Ming-Dynastie, also dem späten chinesischen Mittelalter entliehen, einer Zeit, die Historikern zufolge so unglaublich spannend gewesen sein muss, dass es tatsächlich schade ist, dass man im Westen kaum etwas darüber weiß. Dass viel gekämpft wurde, das wissen wir allerdings und in diversen chinesischen Spielfilmen haben wir auch gesehen, wie das, eine kleine Portion fernöstliche Magie vorausgesetzt, ungefähr ausgesehen haben könnte.

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Ganz in der Wuxia-Tradition können die Naturgesetze in Age of Wulin teilweise ausgehebelt werden. Die entsprechenden Skills kann jeder erlernen - unabhängig, welcher Schule man folgt.
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Hier bedient sich Snail Games nämlich beim Wuxia-Genre. Gemeint ist jene Kampfkunst, in der gewisse fantastische Elemente zum Tragen kommen, in denen die Kämpfer scheinbar in der Lage sind, die Naturgesetze zu überwinden, über kurze Strecken zu fliegen oder über Wasser zu laufen - eine Idee, die spätestens seit der Matrix-Trilogie auch im europäischen Film seine Anhängerschaft gefunden hat.

Geheimtipp: Für MMO-Veteranen und Sandbox-Fans klingt Age of Wulin fast zu schön, um wahr zu sein.Ausblick lesen

I am evil - because I can!

Age of Wulin soll durch die unnatürliche Bewegungsfreiheit eine ganz eigene spielerische Dynamik entfalten, die weit über das hinausgeht, was man aus herkömmlichen MMOs kennt, in der auch die Umgebung im Kampf eine nicht ganz unbedeutende Rolle spielen soll - insbesondere im PvP. Und auch hier unterscheidet sich Age of Wulin von vielen westlichen Onlinespielen, denn die Auseinandersetzung zwischen Spielern soll nicht nur eine Nebenrolle spielen, sondern ein wesentliches Element in der mittelalterlichen Welt sein.

Vor allem soll die spielerische Freiheit für ein erhöhtes Konfliktpotential sorgen. Die Entwickler sprechen hier von Spielern, die sich an gewisse Regeln innerhalb der virtuellen Welt halten und für deren Einhaltung kämpfen und solchen Spielern, die diese Regeln brechen, allein weil sie es können. Gut gegen Böse, Chaos gegen Ordnung - das eigene Tun und die eigene Moral werden langfristig die Zugehörigkeit zu einer der unzähligen Gruppierungen bestimmen - ganz ohne die zwangsweise Unterteilung in die mittlerweile leider fast genreüblichen Lager.

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Loggt der Spieler aus, bleibt sein Avatar in der Welt und geht als NPC weiter seinem Tagewerk nach.
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Eine Sache der Moral

Dabei soll das Spiel durchaus unterschiedliche Startgebiete bereithalten - echter Provinzen nicht unähnlich, die eine jeweils eigene Story und eigene Quests bieten, die trotz Sandbox-Mechaniken einen großen Stellenwert bekommen - ob zur Vergabe kleiner Aufgaben, der Fortführung der Hintergrundgeschichte oder um den Spieler in einem der zahlreichen Berufe auszubilden - darunter auch durchaus exotische oder vom Genre vergessene wie beispielsweise Wahrsager oder Musiker.

Generell beschreitet Snail Games erfreulich alternative Wege - auch bei den Aufstiegsmöglichkeiten der Charaktere. Das Spiel kennt keine Level - der Spieler bildet vielmehr seine unterschiedlichen Talente aus. Die entstammen acht unterschiedlichen Schulen, die nicht nur ihrer ganz eigenen Moral folgen, sondern obendrein einen jeweils ganz eigenen Kampfstil hervorgebracht haben, mitsamt des für sie typischen Waffen- und Kleidungsarsenals. Und das muss man sich, ganz in der Tradition einer guten Sandbox, selber craften.

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Die Entwickler haben auf Level komplett verzichtet und setzen stattdessen auf ein ausgefeiltes Skill- und Crafting-System.
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Dosierte Komplexität

Neben all den Elementen, die bereits jetzt im Sandkasten untergebracht sind, haben die Entwickler obendrein einen ganzen Haufen weiterer Dinge in Planung, die sie teilweise wieder aus dem Spiel entfernt haben, um den Spieler nicht gleich zu Release mit Möglichkeiten zu erschlagen - darunter Gefängnisausbrüche, Überfälle auf Geleitzüge und groß angelegte Gildenkriege. Diese Funktionen sollen dann nach und nach wieder ins Spiel gebracht werden, wenn sich die Community mit den Grundfunktionen vertraut gemacht hat.