Autor: Nedzad Hurabasic

"Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord" - wer kennt diese olle Kamelle nicht? So manch ehemaliger Freibeuter dürfte diese Erfahrung wohl auch gemacht haben. Mit der Pest hat Age of Pirates: Caribbean Tales zum Glück nichts zu tun, dafür aber jede Menge mit Piraten.

Das Action-Adventure des russischen Entwicklers Akella entführt in eine Zeit, in der es noch nicht an der Tagesordnung war halbwegs gefahrlos über die Ozeane dieses Planeten zu schippern: Was wir beim Test erlebten, könnt ihr unserem Logbuch entnehmen.

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Das 17. Jahrhundert, eine Zeit voller Entdeckungen, eine Epoche der Abenteurer. Wo ein Mann noch Mann sein konnte: Wo ihm wegen Skorbut die Zähne ausfielen, er wegen Piraterie aufgehängt wurde, die Gliedmaßen mit Holzstöcken ersetzt wurden und .... Was, das wollt ihr alles gar nicht lesen? Na gut. Age of Pirates: Caribbean Tales ist nicht das Erstlingswerk von Akella, schon zuvor machte die Entwicklerbude mit Sea Dogs, Age of Sail II und Pirates of the Caribbean auf sich aufmerksam. Nun schwingen wir uns in dem Mix aus Rollenspiel, Adventure und sogar Handelssimulation zum Herrscher der Weltmeere auf - aber nur, wenn wir nicht zuvor von Stürmen, meuternden Crews oder übermächtigen Gegnern auf deren sandigen Grund geschickt werden. Aber der Reihe nach. Zu Beginn des karibischen Freibeuter-Abenteuers können wir zwischen einem weiblichen und einem männlichen Helden wählen. Keine Frage, dass ich mich für Mr. Nice Guy entschieden habe und fortan in der Rolle von Blaze Shark als Kapitän eines eher kleinen Schiffes übers Meer segle. Auch keine Frage, dass ich mich keiner der vier Nationen anschließe, sondern, ehm, freischaffend tätig bin: als Pirat. Bevor ich mich ins Abenteuer stürzen kann, überreicht mir ein unbekannter Bote ein Stück einer Karte. So wie es sich für ein Piraten-Abenteuer gehört, verspricht das mysteriöse Stück Pergament unendlichen Reichtum. Wenn man nur fest daran glaubt, jedenfalls. Komischerweise ist auf der Map auch noch der Name meiner verschollenen Schwester "Beatrice" verzeichnet. Was das alles wohl zu bedeuten hat?

Das herauszufinden ist natürlich die Aufgabe des Spielers, der fortan auf sich allein gestellt ist und sich auf verschiedene Weise ein Vermögen, einen Ruf und viele andere rollenspieltypische Goodies erspielen kann. Startpunkt ist die Insel "Isla Mona", auf der wir in Dialogen mit NPCs die Grundlagen des Spiels erfahren. Nicht alle computergesteuerten Spielteilnehmer haben uns etwas Wichtiges mitzuteilen - die redseligen Typen sind mit einem Ausrufezeichen über dem Kopf markiert. Das funktioniert aber leider nicht immer einwandfrei. Teilweise sind die Zeichen nicht zu erkennen oder nur aus einem bestimmten Winkel sichtbar. Das macht sich vor allem deshalb negativ bemerkbar, weil wir neue Aufträge fast nur von solchen Zeitgenossen erhalten. Diese laufen uns entweder auf den Straßen der Städte über den Weg oder sitzen in den örtlichen Kneipen. Ausnahmen von dieser Regel bilden beispielsweise die Gouverneure, bei denen es ebenfalls Missionen gibt, die unserer Karriere förderlich sind.

Age of Pirates: Caribbean Tales - Schöner Piraten-Genremix mit kleinen Macken versetzt euch in Karibik-Stimmung!

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Jede der zunächst bekannten 16 Inseln beheimatet mindestens eine Stadt und daneben gibt es oft noch ein befestigtes Fort. Allzugroß sind die Siedlungen jedoch nicht. Verlaufen ist praktisch ausgeschlossen. Mehr als ein Dutzend Häuser, von denen die meisten ohnehin nicht betreten werden können, gibts nicht. Tagsüber laufen relativ viele NPCs umher, doch diese haben etwas sehr Roboterhaftes an sich und laufen auf vorgegebenen Routen. Sie anzusprechen ist ebenfalls nicht leicht, da sie sich nur von vorne vollquatschen lassen. So kann es vorkommen, dass ich es grade so schaffe einen richtigen Winkel zum NPC einzunehmen um schnell auf die Leertaste haue, um das Gespräch zu initiieren. Meine Spielfigur bewegt sich dann während des Gesprächs seitlich weiter durch die Stadt, während der NPC ganz woanders steht. Außerdem nervt, dass man ständig auf unsichtbare Barrieren trifft, die das Spielfeld in den Städten noch zusätzlich einengen. Nicht gerade begünstigt werden die angesprochenen Faktoren von einer recht umständlichen und ungenauen Steuerung der Spielfigur. Das hätte auch intuitiver gelöst werden können. Als Kapitän habe ich allerdings die volle Freiheit, welche Aufträge ich annehmen möchte. Die Auswahl ist auf den ersten Blick recht groß: Die Palette reicht von Frachtfuhren, Eskortmissionen, Passagierüberfahrten bis hin zum Versenken von Schiffen, das Bergen von Ladung oder auch Beschaffung von Sklaven. Diese rekrutieren sich aus den Überlebenden gekaperter Schiffe. Jeder abgeschlossene Auftrag bringt neben einem Haufen Zaster auch Erfahrungspunkte. So steigt die Spielfigur langsam aber sicher im Level auf und lernt neue Fähigkeiten, bzw. verbessert sich in bestimmtem Feldern. Ich kann dabei selbst bestimmen, in welchen Punkten sich Mr. Shark verbessern soll: Fechten, Entern, Schießen, Navigation oder doch lieber etwas anderes? Außerdem lässt sich auch unser Schiff mit allerlei Zusatzgegenständen aufrüsten. Da sich aus einem abgetakelten Gaul kein Rennpferd mehr machen lässt, sind dem aber Grenzen gesetzt. Deshalb stehen eine Reihe weiterer Schiffe zum Kauf bereit. Das dafür nötige Kleingeld müssen wir uns aber mit Missionen verdienen. Also lichten wir den Anker unseres Schiffes, hissen die Segel und nehmen Kurs auf unser Ziel auf. Zunächst gilt es jedoch den Hafen zu verlassen, der für gewöhnlich in einer Bucht liegt. Ein Mini-Radar gibt uns Auskunft über die Lage unseres Schiffs im Verhältnis zum Wind. So können wir es optimal ausrichten und so Fahrt aufnehmen. Sehr schön zu sehen ist in den 3D-Ansichten unseres Gefährts, wie die Mannschaft an Deck arbeitet und sich in der Takelage zu schaffen macht. Wuselige kleine Menschen - die uns jedoch schnell an die Wäsche gehen, falls der Lohn ausbleibt oder nichts mehr zu beißen an Bord ist. Meuterei habe ich jedoch auch erlebt, wenn alles in bester Ordnung zu sein schien. Bug oder Feature?

Packshot zu Age of Pirates: Caribbean TalesAge of Pirates: Caribbean TalesRelease: PC: 2006 kaufen: Jetzt kaufen:

Damit das Schiff optimal funktioniert, benötigen wir natürlich eine Mannschaft. Eine Rumpfbesatzung ist von Beginn an angeheuert, für spezielle Aufgaben benötigen wir aber Offiziere. Diese kümmern sich dann um die Kanonen, die Navigation und andere wichtige Schiffsbereiche. Offiziere steigen wie die Spielfigur auch im Level auf und verbessern ihre Fähigkeiten. Wer genug Geld verdient hat, kann nicht nur sein Schiff ausbauen oder sich ein besseres kaufen, es lässt sich sogar eine Flotte von bis zu fünf Schiffen aufbauen (abhängig vom Taktik-Charakterwert). Das geht natürlich irgendwann richtig ins Geld. Mit kleinen Transportaufträgen lässt sich die wirtschaftliche Grundlage für ein solches Geschwader natürlich nicht bestreiten.

Deshalb ist es auch möglich, eigene Kolonien zu gründen oder vorhandene Siedlungen zu überfallen und zu annektieren. Genügend Feuerkraft vorausgesetzt, natürlich. Wer unterwegs feindliche Schiffe aufbringen möchte, enternt diese. An Bord der gekaperten Segler metzeln wir mit unserer Crew zunächst die Widerständler nieder. Mr. Shark hat dazu einige rudimentäre Stich- und Schnittangriffe zur Verfügung, die über die Maustaste aktiviert werden. Zusätzlich parieren wir selbst Angriffe oder weichen ihnen aus. Leider ist die Gegner KI nicht besonders intelligent. Recht bequem können wir einen Gegner nach dem anderen filettieren und erholen uns beim Weglaufen solange, bis wir wieder genug Energie und Ausdauer haben. Sobald die Besatzung besiegt ist, meucheln wir schließlich noch im 1on1 den Kapitän des Schiffs und schon gehört die Ladung uns und die Besatzung wird versklavt. Auf dem Meer entscheiden wir selbst, auf welche Weise wir reisen möchten. In der 3D-Ansicht dauert eine mehrtätige oder gar mehrwöchige Überfahrt auch ewig. Zwar ist das Meer, sind die Schiffe und die Wettereffekte wirklich sehr schön anzusehen, auf Dauer ist das dann aber doch - wie eine reale Seefahrt - irgendwann sehr langweilig. Deshalb können wir auf einer Weltkarte unser kleines Schiff viel schneller über den rieseigen Ozean steuern. Passieren wir Schiffe, Stürme, Schlachten oder andere "Events" können wir in die 3D-Ansicht umschalten und uns ins Geschehen stürzen. Technisch gesehen hinterlässt Age of Pirates: Caribbean Tales einen ziemlich zwiespältigen Eindruck. Die Ansicht des Wassers und der Wettereffekte ist wirklich sehr gut gelungen, auch die detaillierten Schiffe verwöhnen das Auge. Leider ist die Steuerung viel zu hakelig und umständlich und kommt unserem Bemühungen an Land wie zu Wasser immer wieder ins Gehege. Stinklangweilig ist dagegen die Hintergrundmusik, die man getrost abschalten kann. Das Spiel bietet außerdem einen Multiplayer-Modus mit verschiedenen Online-Modi. Zum Zeitpunkt des Tests waren jedoch keine Server verfügbar. Auf dem Meer entscheiden wir selbst, auf welche Weise wir reisen möchten. In der 3D-Ansicht dauert eine mehrtätige oder gar mehrwöchige Überfahrt auch ewig. Zwar ist das Meer, sind die Schiffe und die Wettereffekte wirklich sehr schön anzusehen, auf Dauer ist das dann aber doch - wie eine reale Seefahrt - irgendwann sehr langweilig. Deshalb können wir auf einer Weltkarte unser kleines Schiff viel schneller über den rieseigen Ozean steuern. Passieren wir Schiffe, Stürme, Schlachten oder andere "Events" können wir in die 3D-Ansicht umschalten und uns ins Geschehen stürzen. Technisch gesehen hinterlässt Age of Pirates: Caribbean Tales einen ziemlich zwiespältigen Eindruck. Die Ansicht des Wassers und der Wettereffekte ist wirklich sehr gut gelungen, auch die detaillierten Schiffe verwöhnen das Auge. Leider ist die Steuerung viel zu hakelig und umständlich und kommt unserem Bemühungen an Land wie zu Wasser immer wieder ins Gehege. Stinklangweilig ist dagegen die Hintergrundmusik, die man getrost abschalten kann. Das Spiel bietet außerdem einen Multiplayer-Modus mit verschiedenen Online-Modi. Zum Zeitpunkt des Tests waren jedoch keine Server verfügbar.