Autor: Nedzad Hurabasic

Ein Jahr nach Veröffentlichung des Echtzeitstrategiespiels "Age of Empires III" ist nun das erste Addon mit dem Titel "The WarChiefs" auf den Markt gekommen. Wie die Bezeichnung der Erweiterung schon vermuten lässt, rücken dabei die indianischen Ureinwohner des amerikanischen Kontinents in den Vordergrund.

Was die solide, aber nicht umwerfende Weiterführung von "Age of Empires 3" (für die das Hauptspiel zwingend erforderlich ist) noch zu bieten hat, erfahrt ihr in einer Botschaft vom Pony-Express.

Age of Empires III: The WarChiefs - GC 2006 TrailerEin weiteres Video

Gegenschlag der Eingeborenen
Nachdem die Spieler im Hauptprogramm in die Rolle einer europäischen Großmacht schlüpften und die Neue Welt entdeckten, eroberten und kolonialisierten, steht nun quasi der Gegenschlag ins Haus. In zwei neuen Kapiteln und insgesamt 15 Missionen wechselt ihr die Seiten und spielt aus der Sicht der Eingeborenen, auch als Indianer bekannt.

Bis zur Hälfte von "The WarChiefs" steht ihr dem Stamm der Irokesen in ihrem Kampf gegen das imperialistische britische Königreich bei. Erzählt wird dabei die Geschichte des Nathaniel Black, der diesen Widerstand unterstützt und dessen Familie schon im Vorgänger eine bedeutende Rolle spielte.

Age of Empires III: The WarChiefs - Frisches Blut dank Blutsbrüderschaft: Age of Empires lässt die Indianer los!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Irokesen lassen am Liebsten den Tomahawk fliegen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wer sich schon mit "Age of Empires III" beschäftigt hat, wird am Spiel trotz der drei neuen Fraktionen relativ wenige Veränderungen bemerken und sich schnell heimisch fühlen. Neben den vor allem im Nahkampf starken Irokesen spielen im zweiten Kapitel die Sioux eine tragende Rolle, die Azteken hingegen kommen leider nur in Skirmish- und Mehrspielerpartien zum Einsatz. Schade, denn gerade dieses Volk hätte der Kampagne eine völlig andere Wendung geben können, da es über starke Infanterie-Einheiten (Jaguar-Kämpfer) verfügt.

Neuerungen finden sich selbstverständlich in erster Linie bei den neuen Parteien: So können Irokesen beispielsweise ein riesiges Lagerfeuer entzünden. Spieler, die ihre Einheiten zum Tanz um selbiges abkommandieren, kassieren dafür Ressourcen-Boni und eine Anhebung der Kampfstärke. Je mehr Einheiten dafür abgestellt werden, desto größer der Effekt. Auf der anderen Seite könnte man diese Einheiten aber später auf dem Schlachtfeld vermissen...

Die Warchiefs kommen!
Neu sind auch die Titel gebenden Kriegsherren. Sie geben befreundeten Kämpfern auf dem Schlachtfeld Boni und sind selbst äußerst schlagkräftig. Sie nehmen quasi eine Heldenposition ein und sind nur schwer zu besiegen. Während die Irokesen vor allem auf ihre Tomahawks vertrauen, haben die Sioux ihre Stärke in hammerharter Kavallerie. Die berittenen Einheiten sind sehr wendig und schnell und schlagen daher in Kämpfen so schnell zu, wie sie danach wieder abziehen. Sie sind daher für jeden Feind eine gefürchtete Waffe.

Age of Empires III: The WarChiefs - Frisches Blut dank Blutsbrüderschaft: Age of Empires lässt die Indianer los!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Die Reiter der Sioux sind gefürchtete Gegner!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Historisch korrekt sind einige der Neuerungen allerdings nicht: Wer auf so etwas Wert legt, wird enttäuscht. So sind die Irokesen im Westen angesiedelt, während sie in der Realität vor allem den Nord-Osten des Kontinents bevölkerten. Auch Kanonen stellten sie nicht her, und sie kämpften mehrheitlich mit und nicht gegen die Engländer. Doch diese Randnotiz stört das nach wie vor actionreiche Spielgeschehen nicht.

Was die Nachschubwege betrifft, die bei "Age of Empires III" als Neuerung eingeführt wurden, mussten sich die Entwickler mit einem kleinen Trick behelfen: Schließlich können die Indianer im Gegensatz zu ihren europäischen Konkurrenten nicht mal eben den Rosinenbomber von jenseits des Atlantiks anfordern. Stattdessen erhalten sie ihren Nachschub vom Anwesen der Familie Black.

Die Missionen der Kampagne sind vielfältig und stellen den Spieler mit gewohnt abwechslungsreichen Nebenaufgaben auf die Prüfung. Gelegentlich ziehen sich diese aber auch unnötig in die Länge und unterbrechen den sonst flüssigen Spielablauf.

New Blood!
Neben der Einführung der neuen Fraktionen gibt es auch frisches Blut für die bereits bekannten europäischen Völker. So bringen z.B. Spione einen neuen Aspekt ins Spiel, ohne dass sich dadurch allzu viel am Gameplay ändern würde. Nach demselben Muster sind auch viele andere Neuheiten gestrickt: nett, solide, aber eher unauffällig und nicht wirklich bedeutsam. Das gilt auch für die Erweiterung der Städte, wo nun in Saloons Söldner angeworben werden können, die sich zeitlich begrenzt für ihre zahlende Kundschaft in den Kampf stürzen.

Age of Empires III: The WarChiefs - Frisches Blut dank Blutsbrüderschaft: Age of Empires lässt die Indianer los!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
"ICH habe Feuer gemacht!"
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nicht ganz so begrenzt in ihrer Wirkung sind zwei Gameplay-Änderungen, die vor allem in Skirmish- und Mehrspielerpartien Anwendung finden: Zum einen kann der Spieler bei Erreichen der vierten Epoche nun die Revolution ausrufen. Damit werden alle Siedler zu Milizen umfunktioniert und die gesamte Ausrichtung des eigenen Volkes militärisch. Doch diese Option sollte mit großer Vorsicht und nur für alles entscheidende Schläge gegen den Feind genutzt werden. Schlägt nämlich dieser Angriff fehl, ist man praktisch gescheitert, da mit der Ausrufung der Revolution die Produktion und das Sammeln von Ressourcen eingestellt werden.

Einen weiteren Aspekt bilden die neu eingeführten Handelsposten. Wer mehr als die Hälfte der auf der Karte befindlichen Stationen einnimmt (und halten kann), nimmt das Handelsmonopol ein und gewinnt die Runde. Weitere Neuerungen sind nur im Detail zu finden und äußern sich im Spielverlauf kaum. Auch in technischer Hinsicht hat es keine gravierenden Umstellungen gegeben. Die Effekte, etwa einstürzende Gebäude, sehen nach wie vor ziemlich schick aus, auch die Landschaften sind hübsch gestaltet und verströmen ein glaubhaftes Flair. Das trifft ebenso auf die indianischen Einheiten zu. Diese sind zwar, wie die Einheiten aus dem Hauptspiel, etwas pixelig, machen auf dem Schlachtfeld aber einen Furcht einflößenden Eindruck. Insgesamt dürfen sich Spieler also immer noch auf eine sehr gute Präsentation freuen.