Interview - Age of Empires 3: The Age of Discovery

Anlässlich der offiziellen Präsentatation des langerwarteten Echtzeistrategiespiels Age of Empires 3 (AoE 3) in Hamburg führte gamona.de ein exklusives Interview mit Dr. Greg T. Street.

Kannst du dich bitte kurz vorstellen und erklären, was dein Job bei der Entwicklung von »Age of Empires 3« war?

Sicher. Mein Name ist Greg Street, ich bin der Lead Designer von AoE 3. Ich bin sozusagen der Bewahrer der Vision, und habe damit in etwa eine ähnliche Rolle, wie sie auch ein Regisseur bei einem Kinofilm

Age of Empires III - Age of Empires 3 - Theatrical TrailerEin weiteres Video

einnimmt. Ich habe nicht die ganze Arbeit alleine gemacht, dafür habe ich ein großes Team. Aber ich habe alles koordiniert und sichergestellt, dass wir an den richtigen Features arbeiten und das Spiel den richtigen Look & Feel erhält. Ich war der "Champion of Fun". Die Künstler wolltenein gutaussehendes Spiel, die Programmierer wollten, dass das Spiel schnell läuft und Designer wollten wiederum, dass das Game Spaß macht. Ich habe also eine Menge mit den führenden Mitarbeitern der anderen Abteilungen gesprochen, sodass sicher gestellt wurde, dass wir alle an denselben Features arbeiten. Darüber hinaus war ich für etwa ein Dutzend Designer verantwortlich, die von Random Maps bis hin zu Material für die Kampagnen-Story alle möglichen Dinge bearbeitet haben.

Greg, bitte nenne uns doch die wichtigsten neuen Features von Age of Empires 3.

Das wichtigste neue Feature ist die neue Grafik. Wir haben auf diesem Gebiet eine Menge Anstrengungen unternommen, um uns in Richtung

Zur Person
Dr. Greg T. Street ist der Lead Designer von "Age of Empires III". Als studierter Ozeanograph und großer "Age of Empires"-Fan gab Greg seine wissenschaftliche Karriere auf, um ab 1998 für Ensemble Studios (Dallas, Texas) zu arbeiten. Er begann seine Arbeit damit, Szenarien und Zufallskarten für die Erweiterung "Rise of Rome" und "Age of Empires II: Age of Kings" zu entwerfen. Als Assistant Lead Designer arbeitete er dann für die "Conquerors"-Erweiterung von "Age of Empires II" und "Age of Mythology". Als Lead Designer von "Age of Empires III" war Greg für die Umsetzung aller Visionen verantwortlich. Er arbeitete eng mit anderen Entwicklern von Ensemble Studios zusammen, um die wichtigen Features des Spiels - wie z. B. die Heimatstadt - umzusetzen und war für ein Team von 15 Designern verantwortlich.

Highend-Grafik zu bewegen. Dabei haben wir uns am meisten auf Dinge

Age of Empires III - Exklusiv-Interview mit Greg Street von den Ensemble Studios

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wie Licht, das Wasser, die Klippen und die Darstellung der Zerstörungen konzentriert. Als Zweites wäre das Konzept der permanenten Heimatstädte zu nennen, die idealisierte, also nicht an der Realität angelehnte, Städte Europas repräsentieren. Diese Städte schicken dem Spieler von Zeit zu Zeit Nachschublieferungen in Form von Soldaten, Siedlern und anderen wichtigen Dingen, die ein Kolonialherr benötigt. Sie wird mit fortlaufender Spieldauer immer mächtiger. Ein weiteres neues Feature, das wir in der Präsentation nicht gezeigt haben, ist die Möglichkeit, die Stadt ein wenig den Vorstellungen des Spielers anzupassen. Wenn man mächtiger wird, kann man beispielsweise patrouillierende Soldaten hinzufügen,das Aussehen von Gebäuden ändern, Tag/Nacht Zyklen anpassen, Flaggen auswechseln und einiges mehr. Das alles soll den Gamern das Gefühl geben, Dinge beeinflussen zu können und sich mit den Städten zu identifizieren. Das dritte große Feature sind wohl die Eingeborenen (Indianer)-Einheiten und die Handelsposten inklusive Zugverbindungen. Wir haben eine auch Menge kleinerer Neuerungen, aber diese drei sind die Wichtigsten.

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Wie würdest du das Gefühl beschreiben, AoE 3 zu spielen, verglichen mit den Vorgängern "Age of Kings" und "Age of Mythology"?

Ich denke, wer diese beiden Spiele gezockt hat, wird sich gleich wie zuhause fühlen, auch wenn es definitiv einige neue Features und damit Unterschiede auch gibt. Aber der Grundgedanke ist derselbe geblieben. Man baut Gebäude, sammelt Rohstoffe und weiß schließlich ungefähr, was das Ziel des Spiels ist. Vielleicht ist der beste Weg das Spielgefühl auszudrücken mit "süchtig machend" zu beschreiben. Ich habe bis jetzt etwa1000 Spiele durchlaufen, aber wenn mir heute jemand eine Runde anbietet, dann nehme ich diese Herausforderung immer noch sehr gerne an. Man hat eine Menge strategischer Optionen und entdeckt ständig Inhalte, die zuvor unbekannt waren. Es macht eine Menge Spaß und ich bin ziemlich glücklich mit dem Spiel.

Gibt es neue Spielmodi oder hat sich diesbezüglich nichts verändert?

Die Spielmodi sind sich sehr ähnlich, wir haben uns diesmal aber viel mehr Mühe mit dem Kampagnen-Modus gegeben. In "Age of Kings" wurden alle Missionen von einer Person entworfen - mir. Jetzt hatten wir neun oder zehn Designer, die an den verschiedenen Szenarien und Zwischensequenzen gearbeitet haben und auf diese Weise haben wir das Gameplay deutlich aufpoliert. Der Singleplayer-Mode heißt jetzt Skirmish-Mode ("Einzelspielergefecht" - Anm. d. Verf.), das passt einfach besser. Im Prinzip startet man ein Spiel und trägt das Match gegen Computergegner aus. Wir fanden immer, dass es der

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schwächste Teil des Spiels war. Die Leute mochten zwar den Kampagnen-Modus wegen der Story und auch Multiplayerteil des Spiels, der Einzelspielermodus kam aber meist nur zum Einsatz, wenn keine Internetverbindung oder kein Interesse an Multiplayerspielen vorhanden war. Deshalb haben wir versucht, die Künstliche Intelligenz der Computergegner zu verbessern. Wir glauben jetzt zu wissen, wie man KI-Gegenspieler herausfordernd gestalten kann. Es soll einfach mehr Spaß machen. Wir haben den virtuellen Gegnern unterschiedliche "Persönlichkeiten" gegeben. Wenn man beispielsweise gegen Königin Isabel von Spanien spielt, dann verhält sie sich anders als Frederick von Deutschland oder Napoleon. Sie folgen verschiedenen Strategien und provozieren den Spieler sowohl durch ihre Aktionen als auch im Chat.

Ein weiteres großes Feature sind aber auch die Erfahrungspunkte oder?

Ja, für fast jede Aktion kann es Erfahrungspunkte geben. Ob fürs Entdecken, das Töten von Feinden oder das Trainieren von Truppen. Alles was den Spieler voranbringt bzw. ihm in irgendeiner Art und Weise nutzt, wird mit Erfahrungspunkten belohnt. Sogar für den Verlust von Gebäuden gibt es kleine Boni. Die Punkte sind auch wichtig, um Lieferungen aus der Heimatstadt zu erhalten. Um wichtige Verstärkungen geliefert zu bekommen, muss das Punktepolster aufgestockt werden.

Zwischen den Spielsitzungen kann die Stadt sogar im Level aufsteigen, wenn der Spieler genügend Erfahrungspunkte gesammelt hat. Damit werden weitere Zusatzlieferungen freigeschaltet.

Ihr habt mehrere Jahre gebraucht, um diese Fortsetzung fertig zu stellen. Warum hat es so lange gedauert?

Wir haben etwa drei Jahre gebraucht, das Spiel fertig zu stellen. Ensemble Studios hat eine ganz eigene Design-Philosophie. Wir wollen das Spiel so früh wie möglich in einer spielbaren Version fertig haben, um es uns dann immer wieder anzusehen. Dann können wir entscheiden: 'Dieser Aspekt des Spiels macht Spaß, aber dieser muss noch einmal überarbeitet werden'. Wir haben beispielsweise ein Gebäude, in dem Schafe und Kühe als Rohstofferbringer dienen. Wir haben etwa 30 bis 40 verschiedene Versionen dieses kleinen Features ausprobiert, bis es weder zu kompliziert noch zu stark war und wir mit dem Design zufrieden sein. Erst dann konnten wir uns an die nächste Aufgabe machen. Wir hatten auf dieseWeise sicher genug Inhalte, um mehrere Spiele daraus zu machen, weil wir ständig damit beschäftigt waren, Dinge einzubauen oder rauszuschmeißen, bis das Ergebnis wirklich solide war.

Einige Spieler haben sich über die Art und Weise beschwert, wie bei "Age of Mythology" die Multiplayersessions zustande kamen. Selbst "Age of Kings" hatte mehr User online. Wird sich das in AoE 3 wieder ändern?

Bei Age of Kings haben wir das Multiplayer-System nicht selbst entworfen, wir haben die Microsoft-Gamingzone benutzt. Es war direkt damit verbunden. Spieler können sich dort aussuchen mit wem sie was spielen und haben diesbezüglich eine große Entscheidungsfreiheit. Mit Age of Mythology wollten wir diejenigen Spieler, die vielleicht zu schüchtern sind, sich Multiplayerspielen im Internet anzuschließen, ein wenig bei der Hand nehmen und ihnen den Zugang erleichtern. Und ich glaube wir waren darin erfolgreich. Aber auf der anderen Seite hat es einige der AoE-Veteranen abgeschreckt und

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verärgert. Sie hatten sich eine Community aufgebaut und wollten wieder mit ihren Freunden spielen, anstatt plötzlich Randomspiele gegen Unbekannte spielen zu müssen. Jetzt wollen wir das Beste aus beiden Systemen vereinen. Es gibt die "Quick-Search"-Funktion für Gelegenheitsspieler und wir haben die Spielelisten, für die Hardcoregamer, die nach etwas Bestimmtem suchen und vielleicht gegen ihre Freunde oder mit ihrem Clan spielen möchten. Wir wollen also beides anbieten und sind wirklich glücklich mit dieser Lösung.

Es gibt Befürchtungen - erste Rezensionen lassen darauf schließen - dass eure Absicht, das Spiel grafisch so bombastisch zu machen und auf

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Highend-Rechner auszurichten dazu führen könnte, dass die Performance des Spiels bei Massenschlachten einbrechen könnte. Was sagst du dazu?

Nun, einer der frustrierenden Aspekte bei der Arbeit an Windows-Games ist im Gegensatz zu Konsolenspielen, dass es so viele verschiedene Systemkonfigurationen dort draußen gibt. Wir haben ohne Ende auf zig verschiedenen Systemen getestet und wir hatten niemals Probleme mit der Framerate, von denen einige dieser Leute berichten. Es gibt eine Menge von Grafikoptionen, die man deaktivieren kann, um die Performance zu beeinflussen. Die Spieler sind es heutzutage gewohnt - auch von Spielen wie Half-Life oder

demnächst F.E.A.R. - wenn es zwar geil aussieht, aber für den eigenen Geschmack zu langsam läuft, die Bloom-Lichteffekte abzuschalten oder die Schatten nicht ganz so spektakulär darstellen zu lassen.

Sieht das Spiel dann noch gut und zeitgemäß aus?

Man verliert zwar ein wenig bei der visuellen Darstellung, dafür nimmt die Performance aber zu. Es sieht dann vielleicht aus wie bei Age of Mythology oder sogar ein wenig schlechter. Es sieht ein paar Jahre älter aus, aber man kann spielen. Jemand mit einem Highend-System kann also gegen jemanden mit einem schlechten Rechner spielen. Für den Spieler mit dem älteren Rechner wird es nur nicht so toll aussehen. Das ist ziemlich typisch für Highend-Games.

Ist es diesmal nicht so, dass man die gesamte feindliche Bevölkerung ausradieren muss, um zu gewinnen? Früher musste doch lediglich das Hauptgebäude zerstört werden.

Nein, eigentlich nicht. Online war es häufig schon so, dass man denGegner bis zum letzten Mann vernichten musste, weil diese sich nicht geschlagen geben wollten. Das ist jetzt anders. Wenn sie alle ihre Soldaten und ihre Stadtzentren verlieren, sind sie raus aus dem Spiel. Jetzt können auch einige Häuser und auch Siedler stehen bleiben. In früheren Spielen musste buchstäblich jedes Haus dem Boden gleichgemacht werden. Im Singleplayer-Modus, wenn man gegen Computergegner spielt, werden diese ihre Aufgabe anbieten, wenn klar ist, dass sie geschlagen sind und sie sich davon nicht mehr erholen können. Man kann das aber auch ablehnen und sie bis zum letzten Mann und Ziegel niedermetzeln.

Gibt es eigentlich versteckte oder freischaltbare Inhalte im Spiel?

Die meisten freischaltbaren Inhalte sind die zusätzlichen Nachschublieferungen, die man für die Städte erhalten kann. Die mächtigsten dieser Features erhält man erst im Laufe der Zeit zu sehen, wenn einige Spiele absolviert wurden.

Die letzte Frage: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus? Gibt es schon neue Projekte, an denen ihr arbeitet?

Wir haben noch nichts Neues angekündigt. Ich denke, wenn man bedenkt wie erfolgreich die früheren Spiele waren, ist es kein großes Geheimnis davon auszugehen, dass wir darüber nachdenken, eine Erweiterung zu AoE 3 zu veröffentlichen. Wir haben aber Age of Empires 4 noch nicht angekündigt, einige arbeiten schon sehr lange an den "Age of..."-Spielen und vielleicht ist es an der Zeit mal etwas anderes zu machen. Ich denke, es könnte diesmal etwas Neues werden und wir kommen später zu der Serie zurück. Was nicht heißt, dass das erst in 20 oder 30 Jahren so sein wird. Ihr solltet aber nach etwas Neuem von den Ensemble Studios Ausschau halten.

Greg, danke dir für das Gespräch.