Angesichts der ständigen Flut an Neuerscheinungen ist es kaum möglich, ein MMOG zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Mit Rise of the Godslayer kommen wir allerdings kaum umhin, die Messlatte erneut anzusetzen. Denn der Barbar unter den Onlinespielen hat in den vergangenen zwei Jahren ordentlich Muskelmasse aufgebaut und verdient eine zweite Chance.

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Die zweite Chance für einen ersten Eindruck

„Kein MMOG ist zum Release fertig!“, war der Lieblingsspruch jener Fans, die Age of Conan im Jahre 2008 anfangs noch verteidigten. Das taten sie so lange, bis auch sie die unzähligen Bugs zu spüren bekamen oder ziellos und gelangweilt durch das nicht vorhandene Endgame streiften. Irgendwann verstummten dann auch die loyalsten Fanboys und es wurde nicht nur verdammt ruhig auf den Servern, sondern auch auf Funcoms Chefetage. Game Director Gaute Godager zog die Konsequenzen und nahm seinen Hut.

Age of Conan: Rise of the Godslayer - Ein Wunder ist geschehen! AoC ist ein richtig gutes MMO geworden

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Ich stehe auf der Chinesischen Mauer!
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Seither wird die Barbarenwelt von Craig Morrison geführt. Der neue Chefentwickler wirkt vergleichsweise bescheiden, erzählt regelmäßig von der Arbeit des Teams, ohne dabei viel Wind zu machen. So richtig zuhören will ihm allerdings niemand. Die Szene hat das Vertrauen in Funcom längst verloren, wo man einst das Blaue vom Himmel versprach und keines der Versprechen einlösen konnte. Doch Craig Morrison gibt nicht auf und bringt mit Rise of The Godslayer eine eigenständige Erweiterung des Titels zu fairen Konditionen auf den Markt.

Neue, alte Welt

Zugegeben – sich das Spiel noch einmal anzutun, nach jener furchtbaren Erfahrung zum Release, kostet eine gewisse Überwindung. Doch schnell überdeckt der Zauber Hyborias die anfängliche Abneigung und man stellt erschrocken fest, dass man beinahe das Age of Conan vor sich hat, auf das man vor zwei Jahren so sehr gehofft hatte.

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Reinhold Messner hat Recht behalten - es gibt Yetis in Khitai.
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Dabei hat das Team um Craig Morrison das Rad nicht neu erfunden. Im Gegenteil – die Mechanik blieb nahezu unverändert. Age of Conan spielt sich noch immer wie 2008. Die Veränderungen fallen dem Veteran erst dann auf, wenn er sich der unzähligen Bugs entsinnt, die den Spielalltag zum Release so qualvoll machten. Den Klassen fehlten wichtige Skills, für das Crafting benötigte Zutaten gab es nicht, Quests waren fehlerhaft und nach dem Verlassen der Anfangsinsel Tortage sah es inhaltlich ausgesprochen mager aus.

Sightseeing Tour inklusive!

Diese Probleme gehören der Vergangenheit an. Funcom hat intensiv daran gearbeitet, das Spiel auf solide Beine zu stellen, ohne es zu sehr zu verändern. Die Klassen spielen sich mittlerweile authentisch und sind weit besser ausbalanciert. Verlässt man Tortage mit Level 20, darf man jetzt alternativ zu den bestehenden Gebieten bereits erstmals vor den Toren von Khitai eine Brise fernöstliche Luft schnuppern.

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Die neuen Gebiete sind eindrucksvoll designt.
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Die Gebiete in und um Khitai sind ebenfalls dem Ideenpool von Conan-Autor Robert E. Howard entnommen, der sich an den Reichen des antiken Asiens orientiert hat – vor allem Korea und China. Grafisch kommt Khitai im Spiel derart authentisch rüber, dass sich kaum einer den Ausruf „Ich stehe auf der Chinesischen Mauer!“ bisher verkneifen konnte.

Zwei Jahre nach Release löst Funcom mit Godslayer endlich alte Versprechen ein und hievt Hyboria in die Top 5 der MMOGs.Fazit lesen

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Vor den Toren Khitais finden Spieler zwischen Stufe 20 und 40 ausreichend neue Abenteuer und eine weiträumige und abwechslungsreiche Karte. Danach geht es zurück in die alte Welt, die jedoch ebenfalls in den vergangenen Jahren ordentlich erweitert wurde. Für Spieler der Stufen 50 bis 60 steht Ymirs Pass offen, die wohl noch immer mit Abstand faszinierendste Gegend des Spiels. Von Stufe 70 bis 80 darf man dann das Armenviertel Tarantias vom Bösen befreien.

Der Weg ist das Ziel

Veteranen müssen auf ihrem Weg nach oben ab Stufe 20 also kaum ein Quest aus alten Tagen wiederholen. Neueinsteiger haben eine umso größere Auswahl an Regionen und Abenteuern. Das Hochleveln von mehreren Charakteren geht in AoC also vergleichsweise unterhaltsam von der Hand. Das ist umso wichtiger, da sich die einzelnen Klassen stärker voneinander unterscheiden, als man das von vielen anderen MMOGs gewohnt ist.

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Das älteste Gewerbe der Welt floriert auch in Hyboria.
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Ab Stufe 80 darf man dann nach Khitai zurückkehren – diesmal ins Landesinnere, das von Konflikten verschiedener Fraktionen gebeutelt ist. Selbstredend, dass man sich hier als Söldner betätigen darf, um an ganz besondere Belohnungen zu kommen – darunter auch eine Unmenge neuer Skills. Wer sich dabei bei den unterschiedlichen Fraktionen gleichzeitig einen Namen macht, dem erschließt sich dabei ein tiefgründiges Abenteuer, wie man es eigentlich nur von klassischen Rollenspielen her kennt.

Grandioses PvE – mageres PvP

Ganz ohne den berüchtigten Grind kommt man im Endgame dann allerdings auch nicht aus. Wer alle Belohnungen freischalten will, wird sich durchaus einige Monate lang durch wiederholbare Aufgabenreihen zu kämpfen haben. Und wer dabei auf großartige Gildenschlachten hofft, wird enttäuscht. Craig Morrison und seine Jungs haben sich vorerst darauf konzentriert, das Spielerlebnis in Sachen PvE bis zur höchsten Stufe und darüber hinaus zu perfektionieren.

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Nicht nur Humanoide haben in Khitai Bedürfnisse. Auch diese Hund hat ein paar Aufgaben für uns.
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Die Entscheidung war auch richtig und wichtig. Einer maroden Onlinewelt ein sinnvolles PvP-System unabhängig von Arenen und Minispielen aufzusetzen, ist extrem schwierig und daran gebunden, dass die Engine für Massenschlachten geeignet ist und die Server ordentlich mit Spielern gefüllt sind. Letzteres wird mit Rise of the Godslayer gelingen. Die Bevölkerungszahl steigt kontinuierlich und die Gilden finden regen Zulauf. Selbst echte Rollenspieler finden in Hyboria schnell Gleichgesinnte.

„Ein MMOG ist niemals fertig!“

Und da das Spiel in Sachen PvE vorerst gut bestückt ist, kann sich Morrison mit seinem Team von nun an die Engine vorknöpfen. Die ist nämlich immer noch ausgesprochen hardwarehungrig und trägt nicht zuletzt Schuld daran, dass es im Spiel zu keinen echten Massenschlachten kommt. In dieser Hinsicht arbeitet man dann auch an serverübergreifenden Minispielen, wie Funcom die üblichen geordneten PvP-Kurzbegegnungen nennt, die derzeit noch etwas schwach besucht sind.

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Im Hochland von Khitai pfeifft den Spielern ein ordentlicher Wind um die Ohren.
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Wenn es Funcom dann noch gelingt, das Spiel mit einem motivierenderen Crafting-System zu versehen und die Belagerungen zum Leben zu erwecken, könnte Age of Conan eines Tages auf dem Genrethron sitzen. Dass man als Fan daran endlich wieder glauben kann, ist der soliden Arbeit des Teams und dem richtigen Riecher des neuen Game Directors zu verdanken.

Funcom spielt wieder in der obersten Liga

Die Jungs bei Funcom haben mit Age of Conan: Rise of the Godslayer ebenso dezent wie eindrucksvoll bewiesen, dass sie ihr Handwerk doch nicht verlernt haben. Das besänftigt nicht nur die enttäuschte Spielerseele, sondern macht auch Hoffnung für die Zukunft. Nicht nur in Bezug auf Hyboria – denn mit The Secret World steht Funcoms nächster Titel schon in den Startlöchern. Und ohne einen aufpolierten Conan, da sind sich die Fans einig, wäre der Erfolg jedes weiteren Spiels aus dem Hause Funcom in Gefahr.