Wenn Ihr schon immer mal Miss Marple im Infight mit der Wiimote vermöbeln wolltet, dann …, dann seid Ihr hier falsch. Denn „Agatha Christie: Und dann gab’s keines mehr“ ist, wie schon die knapp zwei Jahre alte PC-Fassung, ein reinrassiges Point&Click-Adventure. Ob die Portierung auf die Zappelkiste Sinn und das Spiel Spaß macht, verrät unser Test.

Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr - Wii Trailer

Eine Insel, darauf ein Hotel, darin zehn von ihrem Gastgeber zum Tode verurteile Mörder – klingt nach „Saw V“? Falsch, denn auch die Grand Dame des Krimis, Agatha Christie, wusste bereits 1939 wie man schaurigen Horror gekonnt inszeniert. Und wer sich jetzt ob seiner nicht vorhandenen Zuneigung zum derzeit im Kino grassierenden Folter- und Quälvirus schüttelnd abdreht, sollte lieber zurückkommen. Denn auch wenn es in „Und dann gab’s keines mehr“ an Todesfällen nicht mangelt, sind diese dann doch nicht so brutal wie in der Filmstreifen gewordenen Geschmacksnervensäge geraten.

Zehn kleine, … kleine, …, nun ja, …

… Negerlein. Nun ist es raus. Und ja: Das war politisch inkorrekt. Doch der Originaltitel von „Und dann gab’s keines mehr“ lehnte sich nun einmal an den weiland noch vollkommen salonfähigen Kinderreim an. Und das kommt nicht von ungefähr. So scheiden die eingangs erwähnten zehn Verurteilten einer nach dem anderen aus dem Leben. Glücklicherweise sind wir in der Rolle des Patrick Narracott lediglich als gestrandeter Bootsführer mit auf der Insel, wenngleich auch wir ein Geheimnis mit uns herumtragen.

Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr - Spannung pur: Mit der Wiimote auf Mördersuche.

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Noch amüsieren sie sich - doch schon der Titel verrät: Hier kommt nicht jeder lebend raus.
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Auf jeden Fall möchte uns der Gastgeber anscheinend nicht ans Leder und so können wir uns gemütlich in dem weitläufigen Hotel umsehen, um ein wenig Licht ins Dunkel der Mordserie zu bringen. Dafür sollte man allerdings mehr als eine Reservebatterie für die sinnbildliche Taschenlampe mitbringen, denn die Märsche durch das gewaltige Anwesen können mit der Zeit doch sehr lang und ermüdend werden. Der einfache Grund: Man bekommt kaum einen Hinweis, was man überhaupt sucht oder was man tun sollte.

Während sich die Gäste – man selbst zählt nicht zur Gesellschaft – etwa zum ersten Mal zum Essen zurückziehen, hat man laut Patrick endlich Gelegenheit, sich im Hotel umzusehen. Nach was, verrät einem die Spielfigur leider nicht. Und so wandert man erst einmal durch 15 bis 20 Räume, die man nach sämtlichen benutzbaren Gegenständen absuchen muss. Viele davon spielen dabei nicht einmal eine Rolle und lösen allein eine kurze Sprachbotschaft aus.

Agatha Christie: Und dann gabs keines mehr - Spannung pur: Mit der Wiimote auf Mördersuche.

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Die PC-Steuerung wurde relativ genau auf die Wii portiert.
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Glücklicherweise ist die Bedienbarkeit bei all dem Geklicke ordentlich geraten. Denn im Großen und Ganzen haben die Entwickler lediglich die schlichte PC-Steuerung auf die Wii überführt. So zeigt man mit der Wiimote auf das gewünschte Ziel, per A-Taste wird dieses dann angewählt. Mit Plus- und Minustaste werden die beiden Menüs in Form von Inventar und Notizbuch geöffnet. Im Inventar lassen sich Objekte kombinieren oder aber im Falle von Schriftstücken durch Ablegen auf das Lupe-Symbol in das Notizbuch kopieren.

Und dann gab’s keines mehr bringt auf der Wii praktisch keine Neuerungen gegenüber der zwei Jahre alten PC-Fassung mit sich.Fazit lesen

Eine kleine Dosis Gefuchtel gibt es dann schließlich aber doch noch: So nutzen einige Rätsel die Nintendo-Steuerung ebenso aus, wie der Vorgang des Türöffnens. Bei diesem dreht man die Fernbedienung wie einen Knauf, was jedoch nur im Ansatz gut funktioniert. Denn immer wieder rutscht man beim Drehen mit dem Zeiger von der Tür ab; hier wäre bei der Anwahl der Tür ein Magneteffekt wünschenswert gewesen.

Vergangenheitsbewältigung

Wünschenswert wäre auch eine komplette Überarbeitung des zwei Jahre alten PC-Titels gewesen, anstatt diesen direkt auf die Wii zu portieren. Gerade die seinerzeit schon angestaubte Grafik wirkt heute umso mehr veraltet. Während das Design des Anwesens gerade noch in Ordnung geht, kommen die Charaktere mit dem Schwung eines rechtsmedizinischen Untersuchungsgegenstandes von jenseits der kleinen silbernen Türen daher. Und auch das Game- und hier vor allem das Rätseldesign lassen eine Menge Wünsche offen.

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Grafisch wirkt der Adventure-Krimi äußerst angestaubt.
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Vor allem die bereits erwähnten Suchorgien nerven doch sehr und dürften selbst Gelegenheitsspieler mit Hang zu leichteren Rätseln stören, da man in diesen Passagen einfach in der Luft zwischen zwei Filmsequenzen hängt. Diese sind hingegen ob der ordentlichen Vertonung gelungen, wenngleich man auch hier die deutlichen Punktabzüge durch die schwache Grafik mit einbeziehen muss. Dennoch: Das düstere Flair der abgelegenen Insel und der Charaktere mit dunkler Vergangenheit findet seinen Weg auf die heimische Glotze. Die depressive musikalische Untermalung tut dabei das Übrige.

Leider wechseln die Klänge allerdings nie, so dass man bei längerem Konsum von „Und dann gab’s keines mehr“ alle scharfen Gegenstände außer Reichweite legen sollte. Schade, denn in den ersten Minuten sorgt das Thema beinahe für Erinnerungen an finstere Klassiker wie etwa „Silent Hill“. Für eine Menge an Erinnerungen dürfte der Titel auch bei Besitzern der PC-Fassung sorgen. Denn, wie bereits im Text angeklungen, hat der Entwickler AWE Games lediglich den zwei Jahre alten Titel für die boomende Nintendo-Konsole umgesetzt, Neuerungen gibt es praktisch nicht.