Ein paar Storywriter setzen sich für eine neue Animeserie zusammen. Brainstorming: Erst einmal muss etwas Cooles her. Ninja…nein besser! Samurai! Hmm…Schwarze…Afro… Samuel L. Jackson wie in „Pulp Fiction“! Genau. Und schon kündigt sich ein ganz besonderer Leckerbissen für alle Freunde äußerst stilvollen Geschnetzels an. Afro Samurai ist mehr als die Summe seiner Versatzstücke. Viel mehr. Nämlich pure Coolness als Erwachsenenunterhaltung. Ob man das passende Spiel dazu in Deutschland erhalten wird, bleibt da fraglich.

Fans der Anime-Reihe wissen es schon. Afro Samurai ist reine Lässigkeit kombiniert mit gelungenem Stil. Der simple Haupthandlungsstrang, in einem fiktiven alten Japan angesiedelt, ausgeschmückt mit schillernden Charakteren sowie professionell zeichnerisch und tontechnisch umgesetzt, gehört wohl bereits jetzt zu den Meisterwerken der Japano-Zeichentrickfilme. Die in Insiderkreisen äußerst beliebte Serie wird jetzt von Namco Bandai in einem Spiel aufbereitet, welches sich sehen lassen kann. Mehr noch als in den „Naruto“-Titeln des Entwicklers zeichnet sich hier eine nahezu perfekte Umsetzung der Vorlage ab.

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Reisbauern mit Raketenwerfern

Als Grundgerüst der Story dient eines der klassischsten Handlungsmotive: Rache. Denn der Hauptcharakter Afro, einziger schwarzer Samurai in einer Welt nach Vorbild des alten Japan, ist ein gebranntes Kind. Vor seinen eigenen Augen tötete ein Revolverheld namens „Justice“ seinen Vater im Schwertkampf. Damals noch ein Kind schwor Afro sich Rache, als er sah, wie seinem Vater der Kopf vom Rumpf getrennt wurde. Doch dieser Plan hat einen Haken. In Afros Welt existieren zwei Stirnbänder, denen magische Kräfte zugeschrieben werden.

Afro Samurai - Hip Hop trifft auf feudales Japan

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Die Feder ist mächtiger als das Schwert, aber wie ist es mit Panzerfäusten?
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Justice trägt seit dem Sieg über Afros Vater das mit der Nummer 1, Afro erwarb sich im Laufe seines Lebens jenes mit der Nummer 2. Diese Trophäen symbolisieren den Status des besten und zweitbesten Kämpfers im Land. Nach den traditionellen Kampfregeln des fiktiven Japans darf nur die Nummer 2 die Nummer 1 herausfordern, doch jeder dahergelaufene Krieger kann der Nummer 2 ihren Rang streitig machen. Und so heften sich alsbald mehr oder weniger Gefährliche nach Macht Strebende an die Fersen des Protagonisten, der so bald vom Jäger zum Gejagten wird. Eine perfekte Vorraussetzung für ein Schnetzelspiel.

Die Welt in der Afro Samurai spielt, ist absurd und passend zugleich. Ein feudales Japan mit futuristischen Elementen bietet die Kulisse für die finstere Rachegeschichte. Die meisten der euch durchweg feindlich gesinnten Einwohner der Spielwelt kämpfen zwar mit Schwertern, doch auch Raketen schießende Soldaten bedrohen eure Gesundheit und selbst mit Droiden, welche lähmende Stromschläge verteilen, werdet ihr es im Spielverlauf zu tun bekommen.

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Samuel L. Jackson leiht dem Afro Samurai seine geniale Stimme.
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In der Serie wie im Spiel leiht Schauspieler Samuel L. Jackson dem Afro Samurai seine Stimme. Da Afro selbst aber kaum mehr als zwei Worte pro Stunde von sich gibt, steht dem schweigsamen Rächer ein seiner Persönlichkeit entsprungenes zweites Ich namens Ninja Ninja zur Seite. Dieses wie die Grinsekatze in „Alice im Wunderland“ oft auf Bäumen oder anderen hohen Gegenständen stehende Plappermaul wird ebenfalls von Jackson kongenial vertont und sorgt für den nötigen zynischen Humor im Spiel. Auch die anderen Sprechrollen sind prominent besetzt. Lucy Liu und Ron Perlman („Hellboy“) dürfen vor dem Mikrophon zeigen was sie können. Letzterer leiht "Justice" seine bedrohliche Stimme.

Buttonmashing oder Edelslashing – eure Wahl

Bei der Steuerung möchte Namco Bandai den goldenen Mittelweg beschreiten. Profis sollen sich mit eleganten Kombos zum wahren Gamepadsamurai aufschwingen können, während es Anfänger auch mit wildem Knöpfchengehämmere („Buttonmashing“) mehr schlecht als recht durchs Spiel schaffen. Im Probespiel war das schon deutlich zu sehen.

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Die Fokustaste: Sieht schick aus und ermöglicht genaues Zielen auf Körperpartien.
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Wer stupide auf die Tasten haut, wird zwar mit der Zeit auch die Gegner zermürben, aber deutlich eleganter und effektiver spielt sich Afro Samurai mit gekonnten Kombinationen aus Schlägen, Tritten, Wandlauf und Zeitlupenmoves. Hier sind im Laufe des Spiels zahlreiche Schlagvarianten erlernbar, so dass ihr bald nicht nur schick animierte Schwertschläge austeilt sowie Geschosse von Snipern mit dem Schwert zerteilt oder zurückwerft, sondern gegen Ende hoffentlich durch die Reihen eurer Gegner fegt wie ein tödlicher Sturm.

Wem das Geschehen zu schnell abläuft, für den verspricht die Fokustaste Abhilfe. Mit dieser in schickem Schwarz-Weiß dargestellten Zeitlupenfunktion sind präzise Angriffe auf Körperteile sowie perfekt getimte Spezialattacken möglich. Gerade das ist auch bitter nötig, wenn ihr möglichst schnell im Level aufsteigen wollt. Neben dem üblichen Sammeln von Erfahrungspunkten durch erlegte Gegner gibt es nämlich noch ein weiteres, recht zynisches, Mittel zum Zweck.

Auf des Messers Schneide

Euer ständiger Begleiter Ninja Ninja fordert euch hin und wieder nämlich zu einer Partie „Körperteilepoker“ heraus. Was sich dahinter verbirgt, dürfte jedem Jugendschützer den Schweiß auf die Stirn treiben. Ihr müsst dabei nämlich in einer bestimmten Zeit drei Körperteile von euren Gegnern abtrennen. Ninja Ninja lässt aber nur wenige Kombinationen zu. Drei Köpfe, drei Arme, drei Beine oder eine Straße aus Kopf, Arm, Bein stellen euren abgedrehten Sidekick zufrieden und er belohnt euch mit einem Levelaufstieg.

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Komplett abgedreht: Ninja Ninja sieht Rache von der spaßigen Seite.
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Nicht nur in diesem Spiel im Spiel zeigt sich Afro Samurai derart brutal. Das Spiel spart nicht mit fliegenden Körperteilen, zertrennten Leibern und meterhohen Blutfontänen. Wenn Afro seine Gegner anspringt, könnt ihr sogar die Todesart wählen und die Gegner regelrecht exekutieren. Ob es dieses Treiben auf dem Bildschirm in deutsche Ladenregale schafft, konnte Publisher Atari bisher noch nicht sicher sagen.

Cool, cooler, Afro Samurai. Das sieht nach einem Toptitel für Hack’n Slay-Häschen aus.Ausblick lesen

Einzige Rettung vor einer Indizierung im Eilverfahren könnte die äußerst stilisierte Darstellung des Geschehens sein. Die Comicgrafik zeigt das Geschehen zwar deutlich, aber als realistisch ist es keinesfalls anzusehen. Es wird sich zeigen, ob der künstlerische Wert eines Produkts sich gegenüber der doch recht stark dem Selbstzweck dienenden Gewalt in den Augen der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien durchsetzen kann. Und künstlerisch wertvoll ist Afro Samurai allemal. Das Zusammenspiel von Bild und Ton kann man schon in der Preview-Version als virtuos bezeichnen.

Wu-Tang Clan big in Japan

Die Musik stammt nämlich von niemand geringerem als RZA, dem Bandleader des weltbekannten Wu-Tang Clans. Zu seiner zwischen Hip Hop-Klängen und Bruce Lee-Filmen angesiedelten Klangkulisse teilt sich der Bildschirm in den kurzen Zwischensequenzen auf und hebt wie in Comicpaneelen besonders starke Herausforderer oder versteckte Scharfschützen hervor. Wer sich noch an den in Comicgrafik gehaltenen Egoshooter XIII erinnert, kann sich ein ungefähres Bild dieser Situationen machen.

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Stil pur: Rettet die Umsetzung vor der BPjM?
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Diese inszenatorischen Kniffe wendet Afro Samurai im Gegensatz zu XIII aber nicht im laufenden Spiel an, um die Übersicht nicht zu gefährden. Die Musikstücke passten sich in unserer Preview-Version passend dem Geschehen an und unterstützten die Atmosphäre der einzelnen Örtlichkeiten. Auf seinem Weg zu Justice muss sich Afro Samurai nämlich unter anderem durch ein nächtliches japanisches Dorf, über eisbedeckte Gipfel und rotfelsige Canyons kämpfen. Die zahlreichen Gegner könnten aber hinter dieser Vielfalt etwas zurückbleiben.

Wir sahen meist einige Schwertkämpfer mit Reishüten oder einer Art Bienenstöcken auf dem Kopf auf uns zurennen. Manchmal wurden diese von Fernkämpfern wie Soldaten mit Raketenwerfern unterstützt. Insgesamt wirkte das wenig abwechslungsreich, aber immerhin können die Zwischengegner mit etwas mehr Variation aufwarten. So konnten wir bereits gegen einen Droidendoppelgänger unseres Protagonisten namens Afro Droid antreten und bekamen in einer Spielgrafiksequenz einen bulligen rotäugigen Bösewicht im Mönchsoutfit namens „Brother Six“ zu Gesicht.