Eugen Systems ist eines dieser Studios, das sein Thema gefunden hat. Vor der Entscheidung, welches neue Spiel man nun machen möchte, spazieren die Franzosen wohl einfach in ihre Galerie, greifen sich die nötige Erfahrung – und präsentieren nicht lange danach ein lockendes Konzept.

Act of Aggression - Teaser Trailer

Ob Ruse, European Escalation oder Red Dragon, immer schon hat sich Eugen Systems im Echtzeitbereich bewegt, mehr oder weniger authentisch, was Szenarien, Waffen, oder auch Physik angeht. Nun steht also Firmengründer und Creative Director Alexis Le Dressay vor mir und erzählt enthusiastisch von seiner Leidenschaft für Command & Conquer. Denn genau danach sieht das neue Projekt Act of Aggression aus, dem geistigen Nachfolger des hauseigenen Act of War.

Wir befinden uns etwa 20 Jahre in der Zukunft, und wie bei dem großen Vorbild haben sich neue Fraktionen gebildet. Privatisierte Armeen werden immer stärker, weil die Staaten dieser Welt langsam, aber sicher dem Bankrott entgegen schlittern. Besonders konkurrenzfähig sind die Truppen des Kartells. Hervorragend finanziert und damit auch hoch spezialisiert, können sie es auch mit der US Army und den Kampfverbänden der Vereinten Nationen, der UN, aufnehmen. Diese schöpft ihre militärischen Kräfte aus dem Fundus ihrer Mitgliedsstaaten.

Act of Aggression - Schau mal, eine Basis!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 10/141/14
Eugen System haben sich dem Echtzeitstrategiegenre mit Haut und Haar verschrieben.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Eugen Systems will mit Act of Aggression auch Nostalgiker ansprechen, solche, die Echtzeitstrategie alter Prägung wollen: Mit Basenbau, Ressourcen sammeln, vielen Gebäuden. Diese Elemente verheißen Freiheit und Raum für permanente Optimierung auf dem Schlachtfeld, jubeln nun wohl Verfechter der alten C&C-Schule; überflüssiges und nerviges Mikro-Management, das den Fokus verzerrt, könnten dagegen Fans neuerer Titel klagen. Doch mögliche Kritik ficht die Franzosen nicht an. „Momentan ist ein solches RTS auf dem Markt kaum zu finden, und wir wollen es zurückbringen“, sagt Le Dressay bestimmt.

„Momentan ist ein solches RTS auf dem Markt kaum zu finden...“

Vor allem auf die Verwaltung der vier verschiedenen Ressourcen auf dem Schlachtfeld weist der Studiogründer hin: So sollen die Rohstoffe erstmals in einem RTS in der jeweiligen Basis bleiben und damit auch angreifbar. Ein komplettes Novum ist das allerdings nicht: Auch bei älteren Titeln, etwa aus den legendären Westwood Studios, war es gang und gäbe, dass der Spieler mit Silos die Kapazität für Rohstoffe erhöhen musste, wollte er sie bunkern.

Act of Aggression - Schau mal, eine Basis!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Auch auf das Ressourcenmanagement müsst ihr in Act of Aggression ein Auge haben.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

So war es schon mit „Spice“ beim Echtzeitstrategie-Methusalem Dune 2, dessen Nachfolgern Dune 2000 und Emperor: Battle for Dune, und auch mit Tiberium bei Command & Conquer. Trotzdem ist es fraglos ein nicht häufig genutztes strategisches Element - denn realistisch sind Ressourcen, die unbedroht im HUD schlummern, bis sie irgendwann gebraucht werden, bestimmt nicht.

Act of Aggression will die Lücke füllen, die Command & Conquer hinterlassen hat, verstärkt mit ein paar entscheidenden Neuerungen. Fast alles sieht nach einem guten Manöver aus.Ausblick lesen

Neu ist allerdings, dass Ressourcen zwischen verschiedenen Basen hin und her transportiert werden müssen, damit sie dort auch genutzt werden können. Der Unterschied ist also, dass es keine Gesamtlager mehr gibt. Die Ressourcen bleiben auf dem Spielfeld und damit auch immer angreifbar. Das klingt nach spannenden Gefechten um die Vernichtung der gegnerischen Lagerstätten, wenn der Widersacher seine Mittel nicht rechtzeitig einsetzt. Eine Ausnahme gibt es allerdings: das Geld. Denn weder heute noch in 20 Jahren würde ein Armeekommandeur wohl Gold in seiner Basis anhäufen, mit dem er Verstärkungen kaufen will.

„ ... und wir wollen es zurückbringen“

Wie fast immer bei Eugen System macht die Gestaltung einen nüchternen, schlanken Eindruck, nichts wirkt überladen. Die Menüs sind klar und kantig. Schlicht sind auch die Einheiten anzuschauen, flüssig alle Bewegungen und Kämpfe, die ich zu sehen bekomme. Neben den regulären Einheiten der drei Fraktionen gibt es auch Superwaffen. Für deren Einsatz kann ich stufenlos herauszoomen, bis die gesamte Karte wird und damit auch der mögliche Angriffsbereich. Fahrzeuge mit Raketenbatterien funktionieren wie eine mobile israelische Eiserne Kuppel und können heranfliegende Großgeschosse abfangen.

Natürlich schmeißen nicht alle Fraktionen ständig mit Superwaffen um sich, dann wären die Partien wohl schnell gelaufen. Eine Standardtaktik wird bei Act of Aggression jedoch kaum funktionieren: Die Baueinheiten zerstören. Das Konstruktionsfahrzeug soll überaus widerstandsfähig sein, und so auch an etwas weiter entfernten Punkten eine neue Basis errichten können. Dies ist beizeiten nötig, denn erstens hat jedes Quartier seinen Einflussbereich, etwa wie bei Starcraft, außerhalb dessen der Spieler nur ein neues HQ errichten kann. Zweitens sind die Ressourcen per gesteuertem Zufallsprinzip immer anders im jeweiligen Einsatzgebiet verteilt.

Act of Aggression - Schau mal, eine Basis!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 10/141/14
Insgesamt 65 verschiedene Gebäude soll es im RTS geben und auch sonst dürfte mangelender Umfang nicht unbedingt ein Problem werden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Insgesamt soll es 65 verschiedene Gebäude geben, und wie es sich für ein wahres RTS gehört, werden die wie der Rest des Spiels PC-Nutzern vorbehalten sein. Der Einzelspielermodus besteht aus zwei Kampagnen, die nicht an eine Fraktion gebunden sind. Aber es gibt die Wahl, die "böse" oder "gute" Seite zu steuern, wie sich Eugen ausdrückte; vermutlich ist da die Rede vom schurkigen Kartell auf der einen, sowie UN oder US Army auf der anderen.

Allerdings, und das nur am Rande, kann man bei den Franzosen da kaum sicher sein. Das letzte Mal, als ich bei Eugen in Paris vorbeischaute, ging es beim Mittagessen fast die gesamte Zeit über nur darum, über die US-Amerikaner herzuziehen. Offenbar besteht eine Art Hassliebe mit dem transatlantischen Partner. Aber da es zudem einen Mehrspielermodus gibt, sollten die Entwickler zwar nicht, aber könnten einfach ständig gegen die US Army spielen. Denn wie es sich für ein wahres RTS ebenfalls gehört, gibt es Duelle mit menschlichen Gegnern. "Duell" ist allerdings weit untertrieben, da es auf den Karten Platz für Schlachten von bis zu 20 gegen 20 (!) geben soll.

Act of Aggression - Schau mal, eine Basis!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 10/141/14
Mit Act of Aggressionen wollen die Jungs von Eugen Systems ein ganzes Genre wiederbeleben.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wie schon bei den Wargame-Titeln sind auch zivile Siedlungen Teil der Kampfzonen. In diesen Gebäuden können Spieler ihre Infanterie positionieren. Die Gemäuer sind nicht für den oder die Gegner ersichtlich. Eine Markierung à la Company of Heroes wird es nicht geben. „It will be more subtle“, sagte Le Dressay vage. Man muss wohl genau hinschauen, etwa hinter einem Fensterrahmen eine Bewegung erspähen, fügte er hinzu. Die Gefahr eines Hinterhalts in vormals bewohnten Gebieten bleibt also bestehen. Wohl auch, wenn eigens ein Späher vorausgeschickt worden war.

Ein Teil des Elements "Feind bemerken oder übersehen" sind die Sichtlinien der Einheiten. Spätestens seit Company of Heroes 2 ist im Genre Standard, dass der Spieler nur sieht, was auch seine Truppen und Fahrzeuge auf dem Schlachtfeld im Blickfeld haben. Der Rest verschwindet im Halbdunkel. Act of Aggression im Ganzen nicht, dafür sieht es bereits zu gut aus.