Dogfights sind laut Definition packende Nahkämpfe bei Luftgefechten, bei denen (mindestens) zwei Piloten in engen Kurvenflügen darum kämpfen, in die bessere Position zu gelangen: ans Heck der feindlichen Maschine.

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Namco hat seinen Fokus in Ace Combat: Assault Horizon auf genau diese Thematik gesetzt. Doch die auf den ersten Blick interessante Spielmechanik raubt den militärischen Einsätzen letztendlich einen gehörigen Teil ihrer Brisanz.

Bereits in früheren Ace-Combat-Missionen war der fliegerische Anspruch gering, das Spiel ließ sich, wenn man es böse meint, auf ein stetes "Lock and Shoot" reduzieren: Gegner aus sicherer Entfernung anvisieren und mit einer der Luft-Luft-Raketen aus dem nahezu unerschöpflichen Munitionsvorrat vom Himmel holen. Selbst ein dressierter Affe würde das hinbekommen.

Wer nun aber denkt, mit dem Dogfight-Modus böte die Flieger-Actionserie anspruchsvollere Gefechte, irrt. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Sobald sich ein Kontrahent nah genug befindet, signalisiert ein Symbol, dass ihr den Dogfight initiieren könnt. Ab diesem Zeitpunkt schwenkt die Kamera in eine Ego-Verfolgerperspektive, die ähnlich einem Railshooter lediglich noch von euch verlangt, das Fadenkreuz auszurichten und den Feuerknopf zu betätigen. Gewiss, den Gegnern stehen Ausweich- und Gegenmanöver bereit, die vor allem hochrangige Ziele anwenden, um dem tödlichen Beschuss zu entgehen.

Ace Combat: Assault Horizon - Der Himmel brennt

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Ab sofort bieten reale Städte den Hintergrund für die eingängigen Luftschlachten.
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In der Regel läuft das Ganze aber gegen "prominente" Staffelführer geradezu geskriptet ab: Selbst wenn die Flieger mehr Raketen eingesteckt haben, als sie normalerweise vertragen würden, lotst uns das automatische Angriffsprogramm durch eine Serie von fragwürdigen fliegerischen Manövern, die nur einen Zweck erfüllen: die Spannung und den Anschauungseffekt künstlich hochhalten.

Es genügt also nicht, den Widersacher in einen Haufen rauchender Metallteile zu verwandeln, nein, wir müssen zuvor durch eine Hochhausschlucht donnern, drei Pirouetten drehen und die Nase zwei Zentimeter vor dem Erdboden gerade noch nach oben ziehen. Ums Fliegen geht es in solchen Momenten schon lange nicht mehr, der Zweck (pompöse Inszenierung) heiligt die Mittel (schwachsinnige Flugmanöver mit gefühlten 500g).

Packshot zu Ace Combat: Assault HorizonAce Combat: Assault HorizonErschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: ab 42,59€

Dabei kann man gar nicht sagen, dass Namco sich auf alten Lorbeeren ausruhen würde. Vielmehr ist man darum bemüht, die Serie mit einer Reihe neuer Features aufzupeppen und damit ins Jahr 2011 zu hieven. Wohin man auch schaut, Ace Combat glänzt in vielen unterschiedlichen Anstrichen, die sich vor allem in Form von größerer Abwechslung hinsichtlich des Spielablaufs bemerkbar machen. Ihr klemmt euch also nicht mehr länger nur noch hinter die Steuerknüppel aller möglichen Jets. Nein, ab sofort seid ihr der Vielseitigkeitsflieger der Nation.

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Die detailgetreuen Jet-Modelle lassen Liebhaber mit der Zunge schnalzen.
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Wird gerade jemand an der Minigun eines Black Hawk benötigt? Ran an den Speck, ballert euch minutenlang durch absolut anspruchslosestes Tontaubenschießen, bei dem noch nicht einmal übermäßige Präzision gefragt ist - blindes Draufhalten genügt, um diese Sequenzen problemlos zu überstehen. In zwei Missionen sitzt man sogar selbst hinter der Steuerkanzel eines Kampfhelis und schießt fröhlich mit Luft-Bodenraketen auf allerlei Fahrzeuge und hält dabei rebellisches Gesocks von den eigenen Truppen fern.

Zischt eine Rakete heran, drehen wir einfach einen Looping nach dem anderen und tricksen so hochmoderne Waffentechnik und die Gesetze der Physik aus. Hier verfällt Ace Combat wieder in alte Muster: Zielaufschaltung und Eliminierung laufen mit der Ausrichtung des Fadenkreuzes einher, der Unterschied zu einem handelsüblichen Shooter besteht nur darin, dass wir unser Fluggerät auch vertikal bewegen. Aber da geht noch mehr! An Bord eines AC-130-Gunships bedient ihr drei mächtige Geschütze und ermöglicht euren Kameraden am Boden die Erfüllung ihres Einsatzes.

Vielseitigkeitsflieger der Nation

Ja, diese Nebenbeschäftigungen sorgen für Abwechslung. Aber wo so etwas in einem Ego-Shooter durchaus willkommen ist, wirkt die Umsetzung hier allzu oft aufgesetzt und zu bemüht. Das gilt übrigens auch für die abermals hanebüchene Hintergrundgeschichte, die sich nun zu allem Überfluss auch noch an der realen Welt anlehnt und sich selbst viel zu ernst nimmt.

Namco verzettelt sich, weil man sich zu sehr an aktuelle Shootertrends anbiedert und sein Kernprodukt ein Stück weit aus den Augen verliert.Fazit lesen

Wo früher den Charakteren einer Fantasywelt noch halbwegs ihre Motive für merkwürdige Einsätze abgekauft wurden, wirken die Soldaten-Abziehbilder doch zu offensichtlich bei aktuellen Ballerspielen abgekupfert, haben keine Seele und bleiben mir so fremd wie ein Stück Seife. Wobei: schlechtes Beispiel, gerade "Soap" (Modern Warfare) ist einer der Helden, an den man sich wenigstens nach dem Händewaschen noch erinnert...

Ace Combat: Assault Horizon bleibt seinen Vorläufern darüber hinaus in Sachen Flugmechanik absolut treu: Die überaus authentisch nachgebildeten Jets lassen sich kinderleicht durch die Lüfte befördern. Simulationsgelüste erfüllt das avionische Gehabe natürlich nicht mal ansatzweise, aber diesen Anspruch verfolgt man auch überhaupt nicht. Es geht einzig und allein um eingängige, actiongeladene Luftkämpfe, und die liefert Namco seinen Fans auch diesmal wieder.

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Im Dogfightmodus klemmen wir uns ans Heck feindlicher Maschinen und absolvieren eine Art Railshooter-Mechanik.
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Explosive Gefechte gibt es zur Genüge, die Japaner übertreiben es bisweilen sogar beim Versuch, immer noch einen draufzusetzen: Mitten in der Attacke auf eine Bodenstellung unterbricht beispielsweise ein kurzer Videoeinspieler den Spielfluss unnötig, die Cockpitscheibe verschmiert kurzzeitig mit Öl oder Blut geschlagener Feinde und auch die Checkpoints der häufig viel zu langen 16 Kapitel sind nicht selten unglücklich gewählt.

Zudem weiß ich immer wieder nicht genau, was Ace Combat eigentlich von mir will oder weshalb ich scheitere: Wo zum Teufel sind die Gegner, die die Bodentruppen ausgelöscht haben, wo soll ich hinfliegen? Geht man nicht haargenau so vor, wie es das Spiel erwartet (und folgt etwa den Zielfindungsrouten bei Bombermissionen), findet man sich schneller am letzten Speicherpunkt wieder, als Tom Cruise in Top Gun den Ärger seiner Vorgesetzten auf sich gezogen hat.

Wer jedoch die grandiosen, völlig überzogenen Boss-Fights vergangener Tage sucht, wird enttäuscht: Riesige fliegende Festungen passen scheinbar nicht mehr in das Konzept. Mit an Bord sind aber glücklicherweise noch immer einige unterhaltsame Mehrspielermodi, in denen sich bis zu 16 Spieler als Einzelkämpfer oder in Teams in luftiger Höhe bekriegen.

Gerade die Teamgefechte mit unterschiedlichen Maschinen (also auch Hubschraubern) bieten abwechslungsreiche Schlachten, die von der Unvorhersehbarkeit menschlicher Piloten leben. Kampagnenmissionen lassen sich zudem mit bis zu drei Spielern gemeinschaftlich angehen, einen taktisch-spielerischen Mehrwert dürft ihr euch davon jedoch nicht erhoffen.