Für Freunde von Detektivgeschichten sind Videospiele mit Krimi-Thriller-Thematik schon eine feine Sache, was die interaktive Informationssuche und das Rätselraten angeht. Besonders die japanische Spielserie Ace Attorney von Capcom glänzt innerhalb dieses Genres mit einem ungewöhnlichen Kreativmix, der selbst nach fünf Hauptteilen und mehreren Ablegern immer noch nicht an Charme, Witz und Einfallsreichtum eingebüßt hat. Nutzen wir die Gelegenheit, um auf 13 Jahre jener bisher unvergleichlichen Gerichtsspielreihe zurückzublicken und auf aktuelle Neuankündigungen und zukünftige Entwicklungen ein Auge zu werfen.

Heute mag die Serie tatsächlich zu den zehn bestverkauften und beliebtesten Steckenpferden von Capcom gehören, doch zu Zeiten von Phoenix Wright: Ace Attorney – dem ersten Titel der Reihe – konnte sich noch kaum jemand so recht etwas unter dem Konzept vorstellen. Das Spiel erzählt eine in mehrere Episoden aufgeteilte, textlastige Geschichte in der Ego-Perspektive und präsentiert die Dialoge durch spärlich animierte Figuren und Standbild-Hintergründe. Dies ist eine gängige Darstellungsform der sogenannten Visual Novels, die im Westen als Spielkategorie damals noch relativ unbekannt waren.

Ace Attorney - Den Zeigefinger gezückt! - Rückblick auf 14 Jahre Ace Attorney

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1. Widerspruch finden 2. Beweis zeigen 3. ???? 4. PROFIT!!!
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Das sollte sich mit dem Launch des Nintendo DS in Europa bald ändern. 2006 erschien unter anderem Phoenix Wright: Ace Attorney als Starttitel des Handhelds und legte mit weiteren japanischen Adventure-Vertretern wie Hotel Dusk und Another Code den Grundstein für den sich langsam etablierenden Visual-Novel-Kult.

Verrückte Gerichts-Fantasy ohne juristische Korrektheit

Jede Episode des Spiels behandelte jeweils einen Mordfall. Dabei schlüpfte der Spieler in die Rolle des frischgebackenen Rechtsanwalts Phoenix Wright, der seine unter Mordverdacht stehenden Mandanten vor einem Schuldspruch bewahren musste. Um dieses Ziel zu erreichen, sammelte der Spieler am Tatort in klassischer Point-and-Click-Manier Beweise und befragte Zeugen, um so den wahren Täter ausfindig zu machen.

Der eigentliche interessante Part folgte nach der Ermittlungsphase, denn nachdem ausreichend Informationen gesammelt wurden, ging es zum Showdown im Gerichtsaal über. Dort lief es auf eine Argumentationsschlacht zwischen Phoenix und seinem Rivalen, dem Ankläger und Staatsanwalt Miles Edgeworth hinaus. Nicht selten stellten dabei überraschende Wendungen den gesamten Fall auf den Kopf, worauf sich schließlich auch der japanische Titel der Reihe, Gyakuten Saiban (''Wendung im Gericht'') bezieht.

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Professionelle Anwaltsvorgehensweise: Einspruch um des Einspruchs Willen.
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Um der Wahrheit immer ein Schritt näher zu kommen, musste sich Phoenix mit allen möglichen Arten von Zeugen herumschlagen. Dabei nahm das Spiel es mit gerichtlichen Regelungen nicht so genau und setzte den Spieler stattdessen diversen fragwürdigen Gegebenheiten aus, die an der Kompetenz der Exekutive zweifeln ließen. Nahezu jeder zweiter Zeuge log, dass sich die Balken bogen. Der Richter war ein seniler, alter Mann, der sich gern von der Staatsanwaltschaft manipulieren ließ und nur allzu gern den Hammer für einen voreiligen Schuldspruch schwingen wollte. Zudem hat ein Strafverteidiger in der Welt von Ace Attorney maximal drei Tage Zeit, um das Urteil seines Mandanten noch zu seinen Gunsten zu wenden.

Obwohl die anfänglichen Bedingungen für einen Gerichtssieg nicht gerade die besten zu sein schienen, waren Phoenix' Ermittlungsmethoden zum Wohle seines Mandanten auch nicht weniger dubios. Hier und da konfiszierte er einfach ein wichtiges Beweisstück, indem er sich unerlaubt Zugang verschaffte, nur, um dann im entscheidenden Moment vor Gericht das Blatt zu wenden. Wo entscheidende Zeugen fehlten, trat er gelegentlich auch selbst als Zeuge auf. Soviel zur Neutralität.

Zwischen Parodie und Ernst

So wirklich ernst nehmen kann und sollte man die Gesetzmäßigkeiten in der Welt von Ace Attorney bei all diesen Verrücktheiten nicht. Die Spielmechanik während des Gerichtsprozesses sah vor, dass zu oft falsch vorgezeigte Beweise oder Fakten zum Game Over und damit zum Schuldspruch des Mandanten führen. Selbst, wenn der eigentliche Täter so gut wie entlarvt war und alle Beweise für sich sprachen, wurde im Falle des Versagens immer noch der eigene Mandant zu Unrecht verurteilt. Letzten Endes ist Ace Attorney kein Gerichtsdrama, das Anspruch auf Realismus erhebt. Stattdessen sollte das Spiel eher als Parodie gesehen werden, bei der das japanische Gerichtssystem auf die Schippe genommen wird und sich kaum einer innerhalb der Geschichte so wirklich über manch eine Absurdität wundert.

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Maya goes Meta.
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Auch Fantasy-Elemente kamen in Ace Attorney vereinzelt vor. So ist beispielsweise Phoenix' Assistentin Maya als Medium in der Lage, Kontakt zur Geisterwelt aufzunehmen. Auf die Weise kann sie unter anderem die Hilfe ihrer verstorbenen Schwester Mia – Phoenix' ehemalige Mentorin und Chefin – beanspruchen, indem sie ihr den eigenen Körper ausborgt. Ab dem zweiten Teil der Serie, Ace Attorney - Justice For All, ist es Phoenix dank eines magischen Zaubersteins, dem Magatama, sogar möglich zu erkennen, wenn Zeugen etwas verheimlichen.

Diese ungewöhnliche Genre-Mischung ist aber auch Teil des Erfolgsrezepts der Spielreihe. Zum einen gab es die spannend inszenierten Fälle, zum anderen stand der stark präsente Humor, der vor allem von zahlreichen Running Gags lebt (keine Episode ohne die legendäre diskussionswürdige Trittleiter), im Kontrast zur eigentlich düsteren, teils blutigen Mord- und Totschlag-Thematik. Um zu verstehen, wie dieser Mix funktioniert, muss man wohl die Spiele gespielt haben oder bereits zuvor schon ausreichend mit verrückten Werken der japanischen Popkultur in Berührung gekommen sein.

Die zahlreichen Referenzen auf andere popkulturelle Werke sind es auch, die den Humor in Ace Attorney zum großen Teil ausmachen. Auch an die Einbindung populärer Internet-Memes scheint das Lokalisationsteam Spaß gehabt zu haben. Die Szenen wären alle nur halb so lustig, wenn sie nicht durch die abgedrehten Charaktere zum Tragen kämen. Und auch hier zeigt sich die Reihe von ihrer besten Seite.

Prädikat: Knallbuntes Charakter-Design

Inzwischen hat die Ace-Attorney-Reihe mehr als 200(!) Charaktere hervorgebracht, die alle individuell und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet wurden. Sie alle besitzen ihre ganz eigenen persönlichen Sprechweisen, Macken und Animationen - und obwohl die Reihe bis zum fünften Hauptteil auf eine vertonte Sprachausgabe der Figuren verzichtet hat, wirken sie dennoch sehr lebendig.

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Jaja, im Gericht geschehen die seltsamsten Dinge...
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Unter den Fans der Serie waren vor allem die sogenannten Break-Downs beliebt, an denen man besonders Kreativität der Designer merkt. Bei den Break-Downs handelt es sich um die Szenen, bei denen ein Charakter als wahrer Mörder entlarvt wird. Hat der Spieler den eigentlichen Mörder in die Enge getrieben, folgt eine sehr abgedrehte Animation des zu Fall gebrachten Charakters, bevor es zu einem endgültigen Geständnis und dem Abschluss des Falls übergeht.

Mit jedem weiteren Teil wurden nicht nur die Break-Downs immer verrückter inszeniert, auch das Design der Charaktere fiel immer schriller und bunter aus. Während im ersten Teil der zwar arrogante, doch im Kern ebenso gerechte Miles Edgeworth als Rivale von Phoenix noch einen bodenständigen Eindruck machte, bekam es der stachelhaarige Anwalt später mit neuen illustren und wesentlich abgefahreneren Gegenspielern zu tun.

Die Phoenix-Trilogie

Im Nachfolgetitel Ace Attorney: Justice for All machte diesmal anstelle von Miles Edgeworth die aus Deutschland stammende Staatsanwältin Franziska von Karma dem Strafverteidiger in Blau die Hölle heiß. Die unterkühlte Schönheit hatte mit 13 Jahren bereits ihr Staatsexamen absolviert - ja, die Anwälte hierzulande werden auch immer jünger - und war obendrein auch noch stets mit einer Peitsche bewaffnet. Wenn ihr mal schlagfertige Argumente also nicht weiterhalfen, wurden einfach tatsächliche Schläge ausgeteilt - sehr zum Leidwesen von Phoenix und sogar dem Richter.

Zu den neuen Helfern von Phoenix gesellte sich die kleine Pearl hinzu, die Cousine von Maya, die ihm das besagte Magatama zur Verfügung stellte. Neben dem magischen Stein, durch den Phoenix die Geheimnisse anderer Personen erkennen konnte, gab es eine weitere kleine Neuheit: Nun konnten nicht nur Beweise, sondern auch Personenprofile erstmals bei der Befragung vorgezeigt werden, was teils zu witzigen Interaktionsmöglichkeiten führte.

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Ankläger-Memo: Bring Phoenix Wright nicht auf dumme Ideen, sonst...
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Den Abschluss der Trilogie bildete Ace Attorney: Trials and Tribulations, das in Europa sogar erst nach dem vierten Teil im Jahr 2010 herausgebracht wurde. Die Geschichte behandelte noch ungeklärte Fragen aus den ersten Teilen wie das mysteriöse Verschwinden von Mayas Mutter. Auch Phoenix' Vergangenheit und das Leben seiner ehemaligen Mentorin Mia wurden näher beleuchtet. In den einzelnen Episoden, die in der Vergangenheit spielen, konnte der Spieler sogar die Rolle von Mia übernehmen, die unter anderem den jungen Phoenix vor Gericht verteidigen muss. Auf der Seite der Anklage stellte sich im dritten Teil ein geheimnisvoller, maskierter Staatsanwalt namens Godot Phoenix entgegen, der aus geheimnisvollen Grund einen Groll gegen ihn hegte.

Die Trilogie schloss die große ineinander verwobene Geschichte um Maya und Phoenix ab und bekam ausschließlich in Japan auch eine PC- und Wii-Version spendiert. Noch bevor es die Versionen für den Nintendo DS gab, erschienen die Spiele in Japan für den Gameboy Advance, weswegen die direkt aus jener Plattform übernommenen Grafiken in der uns bekannten westlichen Fassung recht pixelig aussahen.

Der erste Teil, Phoenix Wright: Ace Attorney, erhielt für die Veröffentlichung auf dem Nintendo DS noch ein zusätzliches Kapitel, das die Mikrofon- und Touch-Funktionen vielseitig in die Beweis-Untersuchungen integrierte. Die erst kürzlich herausgebrachte HD-Version für die mobilen Plattformen verpasste der Optik nochmal eine etwas zeitgerechtere Frischzellenkur. Wer damals also die Spielreihe versäumt hatte, hat inzwischen die Gelegenheit, diese in neuer Aufmachung dank der Remake-Sammlung nachzuholen.

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In diesem Gerichtsprozess klappt alles. Man muss nur wissen, wie.
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Apollo Justice - Das ungeliebte Kind der Reihe?

Die große Trilogie um Strafverteidiger Phoenix Wright war abgeschlossen, nun sollte ein neuer Anwalt als Hauptcharakter die Bühne betreten. Nachdem die Gerüchteküche ordentlich brodelte, war es schließlich in Japan soweit, als Capcom mit einem witzigen Ankündigungsvideo Licht ins Dunkel brachte.

Wie schon bei der Trilogie zeichnete sich Shu Takumi, der inzwischen als geistiger Vater der Serie gesehen wird, für die Handlung von Apollo Justice: Ace Attorney verantwortlich. Während er noch als Game Director in den ersten drei Teilen tätig war, wurde er diesmal hauptsächlich mit dem Skript betraut. Der 2008 erschienene Titel spielte viele Jahre nach den Ereignissen der ersten Trilogie und handelte vom jungen Anwalt Apollo Justice, der gleich bei seinem allerersten Gerichtsfall den unter Mordverdacht stehenden Phoenix Wright verteidigen musste, der inzwischen kein Strafverteidiger mehr war. Zu Apollos Pech wurde bald darauf seine Kanzlei geschlossen. Auf der Suche nach einer neuen Stelle lernte er Trucy Wright kennen, die Tochter von Phoenix. Wie Phoenix' ehemalige Assistentin Maya übernahm auch sie die Sidekick-Rolle des Protagonisten und stand mit Rat und Tat zur Seite.

Im Laufe der Geschichte kam Apollo einer großen Verschwörung auf die Spur und erfuhr auf die Weise auch, was es mit dem Ende von Phoenix' Anwaltskarriere auf sich hatte. Wie immer war ein besonders extravaganter Staatsanwalt als Gegenpartei am Start: Der heißblütige Klavier Gavin (in der deutschen Version: Kantilen Gavin) übernahm nicht nur die Anklage, sondern war zugleich ein bekannter Musikstar, der wie seine Vorgänger gern mal den Takt beim Richter angab.

Rein von der spieltechnischen Seite hatte sich kaum etwas am Prinzip geändert. Wie zuvor wurden Zeugen beim Kreuzverhör befragt, um Widersprüche aufzudecken. Wirklich neu war im Grunde nur Apollos Gabe, die es ihm ermöglichte, die Ticks und Gesten der Zeugen genauestens zu beobachten. Verhielt sich die befragte Person bei einer Aussage anders als sonst, war der Grund dafür meist der Schlüsselzur Lösung eines Falls.

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In der Tat. Die Mehrheit aller Spiele der Reihe sind das, Apollo.
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Da Apollo Justice: Ace Attorney den ersten speziell für den Nintendo DS entwickelten Titel darstellte, hatte sich optisch wie auch musiktechnisch die Qualität gegenüber den anderen Teilen gebessert. Einzelne Spielelemente wie die Einbindung des Mikrofons oder des Touchscreens, wie man sie aus der Nintendo-DS-Version des ersten Teils kannte, kamen auch hier bei den Ermittlungen wie etwa bei der Fingerabdruck-Untersuchung zum Einsatz.

Kein Ace Attorney ohne Phoenix Wright?

Auch wenn die der vierte Teil sich am besten unter den bisherigen Spielen der Reihe verkauft hat, so zählt er nicht zu den Favoriten unter den Fans. Im Gegenteil: Den meisten gefiel es gar nicht, dass aus dem einstigen gutherzigen Gerichtshelden Phoenix ein sarkastischer, verschlossener Einzelgänger wurde, der seine Anwaltsmarke verloren hat und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält.

Shu Takumi betrachtete die Geschichte von Phoenix Wright mit Teil 3 als abgeschlossen, doch im Rahmen des neuen Ace-Attorney-Projektes baten die verantwortlichen Projektleiter ihn darum, Phoenix in irgendeiner Form in die Handlung einzubinden. Ursprünglich sollte der vierte Teil den Anfang einer neuen Trilogie mit Hauptfigur Apollo bilden, ohne die starke Präsenz von Phoenix. Das Feedback und Beliebtheitsumfragen im Anschluss zeigten jedoch recht deutlich, wie wichtig Phoenix Wright für das Franchise geworden ist, auch wenn Apollo seine eingeschworenen Fans hat.

Die Investigations-Ableger

Auch ging aus den Umfragen deutlich die Beliebtheit von Miles Edgeworth, dem Rivalen von Phoenix Wright, hervor. Warum also nicht mal eine Geschichte aus der Sicht des Staatsanwalts präsentieren?

2010 erschien der erste Ableger Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth für den Nintendo DS und wies im Gegensatz zu den anderen Spielen der Hauptreihe keine Ego-Perspektive auf. Stattdessen lief man mit Edgeworth als Spielfigur in Third-Person-Perspektive durch die Gegend und sammelte durch das Inspizieren des Tatorts oder durch die Befragung in altbekannter Manier Beweise. Als Sidekick stand ihm als neuer Charakter die Diebin Kay Faraday zur Seite, die dank ihrer kleptomanisch veranlagten Fingerübungen das eine oder andere wertvolle Beweisstück beschaffte.

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Edgeworth besticht durch Logik und Zynismus.
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Auch bei diesem Spiel behandelten die Episoden einzelne Mordfälle, mit dem Unterschied, dass hierbei komplett auf den Gerichtspart verzichtet wurde. Stattdessen verhielt es sich so, dass Edgeworth meist am Tatort auftauchte, nachdem der Mord gerade erst geschehen war, und versuchte, den Fall vor Ort zu klären. Ähnlich wie beim Kreuzverhör wurden innerhalb der Argumentationsphase Widersprüche aufgedeckt und so der Täter entlarvt.

Als Neuerung wartete der Ableger mit dem Logik-System auf. In der Ermittlungsphase sammelte Edgeworth Informationen und konnte diese wie Puzzlestücke "logisch" zusammenfügen. Vereinte er die richtigen Informationsfragmente, konnte er so neue Erkenntnisse gewinnen, die ihn im Fall voranbrachten.

Ace Attorney Investigations: Miles Edgeworth erschien im Gegensatz zu seinen Vorgängern nicht in einer deutschen Version und erreichte vergleichsweise schlechte Verkaufzahlen. Letzteres galt allerdings allgemein für den westlichen Markt, weswegen die später erschienene Fortsetzung – lediglich unter dem japanischen Titel Gyakuten Kenji 2 bekannt – nie außerhalb Japans erschienen ist. Besonders eingefleischte Fans konnten sich den Ableger immerhin importieren und auf eine Fan-Übersetzung im Internet zurückgreifen. Das bereits aus dem Vorgänger bekannte Logik-Spielelement wurde aufgegriffen und um ein Logik-Schachsystem erweitert, bei dem Edgeworth seine Argumentationen gegen seinen Diskussionspartner wie Spielzüge planen kann.

Professor Layton vs. Phoenix Wright: Das Treffen zweier Mystery-Ikonen

Einen wesentlich erfolgreicheren Ableger stellte das Cross-Over-Spiel Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney dar, das rein chronologisch nach der Trilogie spielt. Es handelte sich um ein gemeinsames Projekt von Capcom und Level-5, dem Studio hinter der beliebten Professor-Layton-Reihe. Für die Ace-Attorney-Serie war es das erste Mal, dass 3D-gerenderte Animationen zum Einsatz kamen.

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In Labyrinthia ist Phoenix kein Anwalt und verdient seine Brötchen stattdessen mit... Brötchen.
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Durch eine Reihe von mysteriösen Ereignissen gelangten Phoenix und Maya an ein magisches Buch, durch das sie nach Labyrinthia gebracht wurden, eine mittelalterliche und rätselhafte Stadt. Zufällig machten sie dort auch Bekanntschaft mit Professor Layton und seinem Lehrling Luke, die beide ebenfalls durch das Buch an den wundersamen Ort gelangt waren.

Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney vereinte die kennzeichnenden Spielelemente beider Reihen, die sich phasenweise abwechselten. Auf der Suche nach Hinweisen über Labyrinthia stießen die vier Protagonisten auf zahlreiche mehr oder weniger storyrelevante Rätsel. Wie in den Professor-Layton-Spielen konnten dabei eingesammelte Hinweismünzen genutzt werden, um Tipps zur Rätsellösung zu erhalten.

Während die Rätsel die große Stärke des Professors waren, durfte Phoenix hingegen wie immer vor Gericht glänzen. Diesmal bekam er es jedoch nicht mit Staatsanwälten, sondern mit dem Inquisitor Flamberg in Hexenprozessen zu tun. In Labyrinthia wurden Hexen wegen ihrer Magie gefürchtet und im Falle eines Schuldspruchs zum Tode verurteilt. Abermals musste Phoenix die Unschuld der Angeklagten beweisen, die für Hexen gehalten wurden, und sie vor dem Feuertod bewahren.

Anders als bei den normalen Kreuzverhören konnte Phoenix in diesem Spiel sogar mehrere Zeugen gleichzeitig befragen und auch die Meinung eines Zeugen zu einer anderen Aussage einholen. Kam man bei der Lösung nicht voran, konnten auch hier wie bei den Layton-typischen Rätseln Hinweismünzen eingesetzt werden. Besonders kreativ war hierbei auch die Einbindung von Magie-Elementen wie Zauberstäben oder magischen Sprüchen, die ebenso als Beweisstücke fungierten.

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Zwei Zeigefinger sind besser als einer.
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In Japan erschien der Ableger bereits 2012, hierzulande wurde er erst im April letzten Jahres herausgebracht. Ein kleines Highlight, besonders für die deutschen Fans, war die Vertonung, denn schließlich war es der erste Titel, der komplett synchronisierte Anime-Zwischensequenzen mit den deutschen Stimmen der Ace-Attorney-Charaktere zu bieten hatte.

Ace Attorney - The Movie

Neben besagten Spielablegern wurden der beliebten Reihe inzwischen auch mehrere Musicalaufführungen sowie eine Manga-Umsetzung spendiert. Die bekannteste Adaption ist der Live-Action-Film, der es auch auf den westlichen DVD-Markt geschafft hat. Fans waren jedoch geteilter Meinung. Während die einen trotz der lose adaptierten Handlung des ersten Spiels den Film als eine gelungene Umsetzung empfanden, hätten die anderen sich eher eine Anime-Verfilmung gewünscht.

Vielleicht lag es an den abgedrehten Kostümen und Anime-artigen Frisuren, die bei realen Personen nicht glaubhaft wirken? Oder daran, dass gewisse Szenarien nur aufgrund der Spielmechanik im Original funktionierten? Tatsache ist, dass der Film zumindest in Sachen Verrücktheit den Ton des Spiels ganz gut trifft und sich genauso wenig ernst nimmt.

Die neue Ära – Das Dunkle Zeitalter des Gesetzes

Ace Attorney 5: Dual Destinies, der fünfte und aktuelle Teil, entstand diesmal nicht unter der aktiven Mitwirkung von Shu Takumi. Stattdessen übernahm er nur eine untergeordnete Aufsichtsfunktion und war zum Zeitpunkt der Entwicklung an dem parallel laufenden Projekt zu Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney beteiligt.

Zur Freude der Fans entstieg Phoenix aus der Asche und konnte den Anwaltsberuf erneut aufnehmen. Dabei bekam der Gute nicht nur einen minimal neuen Look verpasst, sondern hatte neben Apollo Justice einen weiteren Helfer an seiner Seite: Die junge, energiegeladene Athena Cykes war das neue Gesicht der Wright-Kanzlei und hatte, wie ihre Vorgänger, einige Tricks für Befragungen auf Lager.

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Jaja, man lebt schließlich nur einmal...
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Das dabei neu zum Einsatz kommende Spielelement nannte sich die Mood-Matrix, welche wie eine Art technologisch gestützte Psychotheraphie genutzt wurde. Dank dieses hochtechnischen Hilfsmittels war es der jungen Strafverteidigerin möglich, die Gefühlswelt der angeschlagenen Zeugen zu ergründen und bei bestimmten Aussagen nach dem genauen Hintergrund ihrer Emotionen zu fragen. Außerdem konnte man sich neuerdings auch Ratschläge vom Sidekick einholen, wenn man während des Prozesses nicht weiter kam, ähnlich wie es schon bei Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney der Fall war.

Dass sich die Spiele auch mit jedem weiteren Teil verbesserten, merkte man nicht nur an der Grafik oder den Anime-Sequenzen, sondern auch an diversen komfortablen Spieloptionen: Erstmals war es möglich einzelne Abschnitte eines Kapitels anzuspielen, ohne vorher sich durch den vorigen umfangreichen Text durchklicken zu müssen. Ebenfalls nett und dynamisch inszeniert war auch der Revisualization-Modus gegen Ende eines Gerichtsprozesses, in der nochmal abgeprüft wird, ob der Spieler die essentiellen Fakten zum Tathergang verinnerlicht hat. Wählt man die richtigen Antwortmöglichkeiten aus, folgt am Ende die Schlussfolgerung, wodurch die entscheidende Erkenntnis zur Lösung des Falls präsentiert wird.

Der fünfte Teil war von der Geschichte her etwas düsterer als die vorigen Teile und griff dabei zuvor angeschnittene Themen wie die Korruption der Anwaltschaft und die Manipulation der Gerichtsprozesse auf. Die Thematik rund um das sogenannte Dunkle Zeitalter des Gesetzes zog sich wie ein roter Faden durch das Spiel und gipfelte in einem Konflikt zwischen Phoenix, Apollo und Athena. Natürlich kam der Humor trotz allem nicht zu kurz.

Selbstverständlich war auch ein neuer Staatsanwalt mit dabei, der in Sachen Ungewöhnlichkeit den bisherigen Widersachern in nichts nachstand. Er trug den Namen Simon Blackquill und wirkte wegen seiner altmodisch gehobenen Redeweise und seiner Aufmachung wie ein Samurai. Am interessantesten war aber, dass er zum Zeitpunkt des Spiels bereits seit Jahren in Haft saß und einzig für die Gerichtsprozesse Freigang erhielt, um die Anklage zu übernehmen. Auch zu Athena schien der finstere Geselle eine Verbindung zu haben. Neben neuen Gesichtern gab es auch ein Wiedersehen mit vertrauten Charakteren wie Pearl, Klavier Gavin, Miles Edgeworth und Trucy.

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Und das fällt dem Guten erst nach dem wievielten Teil auf?
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Wie schon beim Cross-Over-Ableger bot der fünfte Hauptteil animierte, komplett vertonte Anime-Zwischensequenzen und 3D-gerenderte Figuren. Letztere hatten glücklicherweise nichts von dem Charme der alten handgezeichneten Charakter-Animationen verloren.

Aussicht: Neuer Ace Attorney in alt?

Kaum waren der Ableger Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney und Ace Attorney 5: Dual Destinies im Westen erschienen, hieß es, dass Shu Takumi bereits mit dem Team von Ace Attorney an einem neuen Teil arbeite. Dai Gyakuten Saiban (The Great Ace Attorney) lautet der neue Titel und soll eine Vorgeschichte erzählen, die in der Meiji-Ära spielt. Dabei werden wir wohl nicht nur Phoenix' Vorfahren kennenlernen, sondern auch seinen Rivalen, bei dem es sich um keinen anderen als den berühmten Detektiv Sherlock Holmes handelt.

Natürlich gibt es auch in Sachen Spielelemente einige Neuerungen. So sitzen im Gericht mehrere Juroren, die für das Urteil zuständig sind. Zudem erlaubt uns das sogenannte Deduction-System des Rivalen Holmes, Personen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und auf Details zu analysieren, um so Widersprüche bei den Folgerungen des Detektivs aufzudecken. Außerdem können zwei Zeugen gleichzeitig befragt werden, ungefähr so, wie es beim Ableger Professor Layton vs. Phoenix Wright: Ace Attorney war. Man darf gespannt sein, was das neue Ace Attorney noch bereithalten wird.

Lokalisierung ist nicht gleich Lokalisierung

Über die Jahre erntete Ace Attorney in Sachen Lokalisierung viel Kritik von Fans und der Fachpresse, was gewisse Änderungen gegenüber der Originalversion betraf. Manche Änderungen standen direkt mit den Details der Mordfälle in Verbindung, wie die veränderte Fahrerposition eines Autos (da in Japan der Fahrer rechts sitzt), und waren für ein leichteres Verständnis der westlichen Leser/Spieler nötig.

Ein anderes Beispiel ist die Umsiedlung des Hauptschauplatzes vom japanischen Tokio ins kalifornische Los Angeles, die in den ersten Teilen nicht so stark auffiel. Maya und viele weitere Figuren in japanischer Tracht wurden als japanische Immigranten gehandhabt. Allerdings wurde es mit jedem weiteren Teil schwerer, die verwestlichte Fassade aufrecht zu halten, je mehr traditionell japanisch anmutende Örtlichkeiten und Elemente eingeführt wurden. Inzwischen ist die Amerikanisierung von Ace Attorney auch ein beliebter Insider Gag in der Fangemeinde. So wurde beispielsweise der Ankündigungstrailer des neuen Prequel-Titels, der in der Meiji-Zeit in Japan spielt, bereits in einem editierten Fanvideo durch den Lokalisierungskakao gezogen.

Trotz all der Kritik an der Lokalisierung darf man aber nicht vergessen, dass sie eine Daseinsberechtigung hat und im Großen und Ganzen auch zur Bekanntheit der Serie maßgeblich beitrug. Ein gutes und einfaches Beispiel sind die Charakternamen, bei denen man sich an den japanischen Pendants orientiert hat, welche die Persönlichkeiten der Figur wiedergeben. Überhaupt dürfte der ikonische Held der Spielreihe unter dem Namen Phoenix Wright bei der Mehrheit eher bekannt sein als unter seinem japanischen Namen Naruhodo Ryuichi.

Das Blog-Journal der Capcom-Mitarbeiterin Janet Hsu – die übrigens der Anwältin Franziska von Karma ihre Stimme in der englischen Version leiht – führt interessante Fakten auf und gewährt einen ausführlichen Einblick zu den Lokalisationsarbeiten an den Ace-Attorney-Titeln. Einzelne Artikel zeigen unter anderem auf, wie eng das Lokalisationsteam von Capcom mit den Game Designern zusammenarbeitet. Allein schon während der Erschaffung einzelner Figuren wird im Hinterkopf behalten, dass Ace Attorney auch international zugänglich sein soll und daher markante Spracheigenheiten der Charaktere auch bei der Übersetzung sinnig erscheinen müssen.

Zudem hätten wir Spieler beim Lesen und Lösen der Fälle wohl nur halb so viel Spaß, wenn statt der zahlreichen Eastereggs und Popkulturreferenzen die Originalfassung mit all ihren japanischen Wortspielen und Anspielungen beibehalten worden wäre. Wichtiger noch als eine "originalgetreue" Übersetzung sollte eine möglichst entsprechende Bewahrung des Charmes und der (Wort-)Witze innerhalb der Dialoge sein, denn ohne sie wäre die Reihe nicht das, wofür man sie heute liebt.

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"Culture Shock" von Katie Dietrich
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Objection! - mit dem Zeigefinger auf andere Leute zeigen war nie cooler

Spitzenanwalt Phoenix Wright hat mittlerweile nicht nur in der Videospielgemeinde sondern auch außerhalb an weltweiter Popularität gewonnen. Im Prügelspiel Ultimate Marvel vs. Capcom 3 durfte der Strafverteidiger in Blau sogar den Kampfring betreten, wo er in altbewährter Kreuzverhörmanier gemeinsam mit seiner Assistentin Maya die Gegner mit schlagfertigen Argumenten in die Mangel nimmt.

Auch das auftreibende Musik-Leitmotiv von Phoenix, "Cornered", hat im Internet mittlerweile Kultstatus erreicht und wurde bereits vielfältig arrangiert. Unter den vielen Interpreten befand sich auch der bekannte A-capella-Youtuber Smooth McGroove, der seine Gesangskünste zu diesem Soundtrack zum Besten gab.

Die Spielreihe, die zahlreiche Referenzen aus der Popkultur beinhaltete, wurde selbst vielseits im Internet oder sonstigen Popkulturwerken parodiert. Besonders markant ist dabei der "Einspruch"-Ausruf, der stark mit Phoenix Wright oder der Ace-Attorney-Serie assoziiert wird.

Neben vielen Fan-Videos wurde dieser auch in einigen Animeserien aufgegriffen. Die Melancholie der Haruhi Suzumiya, Panty and Stocking, sowie No Game No Life sind einige von ihnen.

Zum Abschluss und Anschluss des Specials wollen wir euch an der Stelle auch nicht das fetzige Musikvideo des kreativen Gamer-Sängers Brental Floss vorenthalten, der mit seinem Liedtext ganz gut zusammenfasst, was den Kult und die Faszination um die Ace-Attorney-Reihe ausmacht.