A Vampyre Story – Test

PC

Vorsicht bissig! Das Vampir-Abenteuer der Monkey Island-Macher

5
von Matthias Grimm, 15. November 2008 10:30 Uhr

Humor, der saugt!

Neben aller berechtigten Kritik ist A Vampyre Story, wenn auch nicht der erhoffte Überflieger, so doch ein sehr gelungenes Adventure geworden. Allein der buchstäblich bissige Humor und der ständige verbale Schlagabtausch zwischen der naiv-romantischen Mona und ihrem zynischen Gegenstück Froderick tragen den Unterhaltungswert das gesamte Spiel über wie die Operndiva ihre Fledermaus auf der Schulter.

Screenshot zu: Vorsicht bissig! Das Vampir-Abenteuer der Monkey Island-Macher"Kieslaster!" Die Szene im Stadion hat Kultcharakter.

„Nur über meine Leiche“, quittiert Mona beispielsweise unsere Aufforderung, in die ekelhaft stinkende Kanalisation hinabzusteigen. „Ähm, rein technisch gesehen, bist du schon eine“, kontert Froderick mit seiner schnodderigen Art. Momente wie dieser sind es, die in A Vampyre Story Charme und Liebenswürdigkeit ausmachen, wie man sie in anderen Adventures leider viel zu selten verspürt. Humor wird hier nicht mit dem Holzpflock betrieben, sondern auf der Silberkugel serviert.

Die Szene, in der sich ein „liederliches Frauenzimmer“ und ein Kapellmeister geschätzte zehn Minuten am Stück Beleidigungen an den Kopf werfen („Koma-Krücke!“, „Rollstuhl-Rambo!“, „NATO-Matratze!“, „Kiesbettkehrer!“, „Werkzeugkasten!“, „Kratzendes Klopapier!“, „Wandelnde Sprechblase!“, „Öko-Nazi!“ usw.) steht gar dringend im Verdacht, Spielegeschichte zu schreiben.

Screenshot zu: Vorsicht bissig! Das Vampir-Abenteuer der Monkey Island-Macher"Die Wetteraussichten für Draxsylvanien: Es wird Nacht."

Vor allem in dieser zweiten Spielhälfte, wenn Mona ihr Schlossgefängnis hinter sich gelassen hat und das verschlafene Dorf Vlad’s Landing heimsucht, nimmt A Vampyre Story ordentlich Fahrt auf und entlastet durch fairere Rätsel spürbar den Schlauch, der vorher noch bis zum Platzen gespannt war, weil wir allzu oft darauf standen. Auch entfaltet hier der Grafikstil zur Gänze sein schaurig schönes Potenzial.

Doch gerade als die Motivationskurve sich zum Ende hin endlich am Anschlag befindet, ist plötzlich und völlig unerwartet mittendrin Schluss. Unser erster Verdacht, Entwickler Autumn Moon betreibe hier ähnliches Kundenprellen wie Blizzard mit seiner Dreiteilung von StarCraft 2 oder habe das Spiel unter Veröffentlichungszwang einfach halbfertig in die Läden gestellt, wurde auf Rückfrage beim Publisher entkräftet: A Vampyre Story war von Anfang an als Trilogie geplant, deren erste beiden Kapitel mit dieser Episode nun vorliegen. Bleibt zu hoffen, dass sich genug Käufer finden, damit die Geschichte für Mona schließlich zu einem Happy-End findet.