A Vampyre Story – Test

PC

Vorsicht bissig! Das Vampir-Abenteuer der Monkey Island-Macher

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von Matthias Grimm, 15. November 2008 10:30 Uhr

Viele Ghule, alte Schule

Monas Jubelschrei nach der neu erlangten Freiheit ist noch nicht aus den Gängen des Schlosses verklungen, da klemmt die Freude bereits als Kloß in der Kehle: Nicht nur dass ein Fluch ihren untoten Körper weiterhin an ihr Gefängnis bindet, auch der als Geist zurückgekehrte Shrowdy lässt nicht locker mit seinen ungebetenen Annäherungsversuchen. Da ist guter Rat teuer – und manches Hindernis vor den Ausgang gemauert.

Screenshot zu: Vorsicht bissig! Das Vampir-Abenteuer der Monkey Island-MacherDie Stimmung des Spiels ist einzigartig im Genre.

Dass es sich bei Vampyre-Erfinder Bill Tiller um einen Adventure-Spezi der ganz alten Schule handelt, steht überdeutlich zwischen jede einzelne Programmzeile des Spiels geschrieben. Der Mann, der noch als Grafiker den für heutige Adventure stilbildenden Comic-Look von Monkey Island 3 entwarf, schuf ebenfalls die düsteren und schrägen Formen von Monas Draxsylvanien.

Das in ewige Nacht getauchte Gruselschloss wirkt direkt einem Artbook von Fantast Tim Burton entsprungen: Krumme Häuserfassaden wirken in ihrer Schieflage mehr natürlich gewachsen als gebaut, unheimliche Baumgerippe am Wegesrand gieren scheinbar danach, Passanten mit ihren knochigen Ästen in die Fänge zu nehmen, und selbst das fahle Mondlicht erweckt den Anschein, als wage es sich nur widerspenstig in die dunklen Gassen dieser unwirklichen Welt. A Vampyre Story ist die spielgewordene Essenz des Puppen-Grusicals Nightmare before Christmas.

Screenshot zu: Vorsicht bissig! Das Vampir-Abenteuer der Monkey Island-MacherDer Soundtrack ist einer Operndiva würdig.

Trotz mehrmaliger Komplett-Renovierung während der Entwicklungszeit, 3D-Charakteren und schickem Lichteinfall ist die Produktionsdauer aber auch nicht spurlos an der Grafikqualität vorüber gegangen: Gerade zu Beginn wirken viele Locations unscharf verpixelt. Die voreingestellte Auflösung lässt sich nicht in den Optionen verändern.

Der Soundtrack fürderhin dürfte selbst vom Genre verwöhnte Ohren wahre Jubelarien entlocken – seiner Titelheldin entsprechend einer Operndiva in der Tat würdig! Jede einzelne Location ist mit einem eigenen Musikstück unterlegt, bei denen Schöpfer Pedro Macedo Camacho keinen Hehl daraus macht, dass er Burtons Stammkomponisten Danny Elfman (Batman, Nightmare before Christmas) zum erklärten Vorbild ernannt hat. Die Sprecher mit Stars wie den Comedians Tetje Mierendorf und Hennes Bender übertreffen gar bisweilen ihre englischen Originale.