Im Vorfeld des “What’s Next?”-Events war ich mir relativ sicher, auf welche Spiele ich mich zukünftig freuen würde. Aber dann fiel mir ein unscheinbarer Titel ins Auge: A Plague Tale: Innocence ist wunderbar kreativ und gleichzeitig charmant. Und möglicherweise der nächste große Hit in der Welt der digitalen Unterhaltungskunst.

In A Plague Tale geht es um zwei Geschwister namens Amicia und Hugo, die im mittelalterlichen England versuchen der Pest zu entfliehen. Doch nicht nur die Pest ist eine Gefahr, sondern auch Horden von Ratten, welche euch binnen Sekunden die Haut von den Knochen nagen, wenn ihr nicht vorsichtig seid. Zum Glück bewegen sich diese Unmengen der kleinen Nagetiere nicht gerne in gut beleuchteten Gebieten, das Feuer ist also euer bester Freund, um euch die tierische Plage vom Hals zu halten. Und als könnte die Lage nicht hoffnungsloser wirken, macht auch noch die Inquisition Jagd auf euch und hält eure Mutter, welche der Hexerei beschuldigt wurde, gefangen. Da ist es nur verständlich, dass die erst 15-jährige Amicia, die ihr den Großteil des Spiels über steuern werdet, mit der Gesamtsituation unzufrieden ist. Zusammen mit ihrem fünfjährigen Bruder Hugo, macht ihr euch auf, den Hintergrund der Rattenplage zu erkunden, oder ihr zumindest zu entfliehen. Eines steht fest: A Plague Tale wird kein fröhlicher Spaziergang im Park.

A Plague's Tale: Innocence - Das nächste The Last of Us?

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Nichts für Menschen mit Rattenphobie: Die kleinen Nager verfolgen euch überall!
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Genau das wollen die Entwickler auch erreichen: Der Creative Director von Asobo Studio, David Dedeine, verriet uns im Interview, dass sich A Plague Tale stark an mittelalterlichen Märchen orientiert, welche oft eher düsterer Natur sind. Auch Hänsel und Gretel, das bekannte Märchen der Gebrüder Grimm, soll eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Spiels eingenommen haben. A Plague Tale will die Märchen von damals in das Medium von heute verfrachten. Das gelingt, zumindest in der Demo, fabelhaft. Dennoch soll A Plague Tale eine realistische Fabel bleiben: “Mit Elfen, Zaubertränken und Feen wollen wir nichts zu tun haben”, so Kevin Choteau, seines Zeichens der Lead Game Designer von A Plague Tale.

Weniger Muskelschmalz, mehr Hirnmasse

So spielt sich A Plague Tale nicht sonderlich actionreich, sondern legt viel Wert auf Puzzles und vorsichtige Stealth-Sequenzen. Die Inquisition besteht schließlich aus kräftigen Erwachsenen, die unzähligen Ratten sind eine schier unüberwindbare Übermacht. Neben Fackeln nutzt ihr außerdem eine Steinschleuder, um wenigstens eine kleine Chance gegenüber den Fieslingen zu haben. Der gewitzte Spieler weiß außerdem, wie er diese beiden Gegner gegeneinander aufhetzen kann: So stürzen sich die Ratten natürlich auch auf ungeschützte Mitglieder der Inquisition. Schlagt ihr selbigen also mithilfe der Steinschleuder die schutzgebende Lampe aus der Hand, werft ihr die Gottesdiener den Ratten zum Fraß vor.

Das klingt alles ziemlich fantastisch, aber sobald mir klar wurde, dass ich mich um einen fünfjährigen Pimpf kümmern müsste, wurde mir Angst und Bange: So scheiterten bereits Hits wie Resident Evil 4 an Eskort-Missionen, generell ist es ein Gameplay-Element, welches auf viele Spieler eher abschreckend wirkt - und ausgerechnet das soll das Kaufargument für A Plague Tale werden? Gewagt. Wenigstens scheinen die Entwickler ihre Hausaufgaben gemacht zu haben: Auf Nachfrage bestätigte uns David Dedaine, dass es natürlich eine schwierige Aufgabe sei, ein so umstrittenes Element als den Kern des Spiels zu nutzen. Gleichzeitig haben sich Asobo Studio genau diese umstrittenen Eskort-Missionen angeschaut, um etwaigen Frust bei Spielern zu verhindern und aus den Fehlern anderer Entwickler zu lernen. Das lässt darauf hoffen, dass A Plague Tale kein zweites “Amy” sondern eher ein zweites “The Last of Us” wird.