Nintendo lässt tief blicken. Nicht nur die Kundschaft, sondern auch Dritthersteller, denen man für den 3DS-Start offenbar die Bühne überlässt. Fünf weitere Spiele haben sich in unseren Modulschacht verirrt, doch die Begeisterung hält sich in Grenzen.

3DS - 'So viele Spiele!'-AktionEin weiteres Video

Einer der meistzitierten Kritikpunkte an Nintendos Konsolenpolitik ist die Software-Dominanz ihrer internen Studios. Mario, Link, Pokémon und alle anderen üblichen Verdächtigen aus den Kreativitätskatakomben Kyotos erweisen sich regelmäßig als Gelddruckmaschinen, während Lizenznehmer in den Köpfen und Geldbeuteln der Kundschaft die zweite Geige spielen.

Beim Start des Nintendo 3DS hält sich Big N jedoch vornehm zurück. Von fünfzehn Modulen aus dem Einstiegssortiment stammen lediglich zwei aus internen Software-Schmieden, somit haben alle Dritthersteller freie Bahn und können ihre schnuckeligsten Hochkaräter entsprechend platzieren. Sechs davon hatten wir euch vor kurzem vorgestellt. Große Überraschungen gab es keine, dafür viel altes Zeug, das man auch heute noch spielen kann. In 3-D. Der Hammer.

Nintendo 3DS - Tiefenblick und tiefe Enttäuschung: von Samurai-Gegammel, Ruckelrasern und Pop-up-Pisten

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Toll aussehen tut er ja. Aber wo bleiben die richtig guten 3DS-Spiele?
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Nein, mal ehrlich: Ein Blick auf das Ladenregal hinterlässt ein mulmiges Gefühl. Haben Ubisoft, EA und Sega sich vielleicht schon mit ihrer üblichen Rolle als Wasserträger abgefunden und liefern aus reiner Gewohnheit aufgewärmten Trödel ab? Oder blieb ihnen noch nicht genug Zeit, bessere Software für das brandneue Handheld-System zu schreiben? Keine Ahnung, aber das Resultat bleibt größtenteils unbefriedigend.

Bis auf Ridge Racer 3D, das zwar fetzig ist, aber nur wenige neue Inhalte bereithält, konnte keines der fünf beäugten Module den Herzschlag beschleunigen. Vorhang auf für die 3-D-Resterampe. Erwartet nicht zu viel.

Kurvenkratzer

Namco pflegt eine alte Tradition und liefert zum Systemstart eine weitere Ridge-Racer-Variante ab. Wie üblich zeigt das driftlastige Arcade-Rennspiel eindrucksvoll, was die Hardware leisten kann, ohne ihre Grenzen auszuloten.

Auf den ersten Blick sieht Ridge Racer 3D der PSP-Variante zum Verwechseln ähnlich. Nach einigen haarsträubenden High-Speed-Runden mit halsbrecherischen Slides und dem Nachbrenner im Hintern kommen jedoch sichtbare Unterschiede zutage. Die Farbpalette orientiert sich wieder stärker an den Wurzeln der Serie, Spiegelungen und Texturen sind deutlich feiner als auf Sonys altersschwachem Handheld, und der 3-D-Effekt intensiviert den Geschwindigkeitsrausch eindrucksvoll.

Aus der Motorhaubenansicht erkennt man sogar den Einschlag der Kurven deutlich besser als auf einem üblichen Bildschirm, was nicht nur das Bestzeitenfeuer schürt, sondern den Tunnelblick noch stärker ausprägt als gewohnt. Man spürt geradezu den Fahrtwind um die Ohren flattern.

Nintendo 3DS - Tiefenblick und tiefe Enttäuschung: von Samurai-Gegammel, Ruckelrasern und Pop-up-Pisten

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Hossa! Dank des 3-D-Effekts intensiviert sich der Geschwindigkeitsrausch in Ridge Racer 3D erheblich.
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Nur eines fehlt: eine Online-Anbindung. Duelle gegen menschliche Spieler darf man lediglich in Ellenbogenreichweite austragen. Zudem erlaubt die Street-Pass-Funktion den Austausch von Geistdaten. Ein Trostpflaster, das nur unzureichend befriedigt und der klaffenden Online-Wunde wenig Besserung verschafft.

Inhaltlich fährt Namco die gewohnte Schiene. Kenner der Serie bekommen leider fast nur Kost aus der Recycling-Küche. Das Nitrosystem entspricht dem aus dem jüngsten Konsolenableger und die meisten Strecken wurden bereits heftig ausgenudelt. Enthalten ist ein Potpourri aus allen Ridge-Racer-Spielen bis hin zu den Teil 6 und 7. Glücklicherweise befinden sich auch noch ein paar brandneue Kurse auf dem Modul, aber es hätten gerne ein paar mehr sein dürfen.

Sollte euch das Benzin in den Adern kochen und das Ridge-Racer-Repertoire noch nicht zu den Ohren herauskommen, dann greift zu. Abgesehen von Pilotwings Resort vermittelt kein anderes 3DS-Spiel den Sprung auf die Z-Achse so eindrucksvoll wie Namcos Driftorgie, und Spaß macht das Geheize definitiv.

Ridge Racer 3D / Namco

Profitiert spielerisch vom 3-D-Effekt: Ja, durchgehend
Wertung: 83%

Affentanz im Murmellabyrinth

Hölzerne Murmellabyrinthe gehören nicht mehr zum angesagten Spielzeug. Heute balanciert man kleine Pixelaffen, die in Bällen gefangen sind, durch virtuelle Irrgärten – Neigungssensorik sei Dank. In Super Monkey Ball 3D meint man sogar, den neigbaren Parcours in der Hand zu halten, so intuitiv rollt man den kleinen Kugelprimaten durch die Kurse.

Nintendo 3DS - Tiefenblick und tiefe Enttäuschung: von Samurai-Gegammel, Ruckelrasern und Pop-up-Pisten

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Der unspektakuläre Funracer ist nur eine Dreingabe. Er spielt sich ganz nett, erreicht aber nicht die Qualität eines Mario Kart.
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Dabei kommt der 3-D-Effekt natürlich zu kurz. Beim Schwenken des Handhelds ist kein stabiler Tiefenblick auf den Bildschirm möglich, daher sollte man den 3-D-Tiefenregler auf 2-D-Ansicht herunterdrehen. Den Lautstärkeregler übrigens auch – der Soundtrack nervt stellenweise gewaltig. Was für ein plärrendes Zuckersüßgedudel.

Will man unbedingt Stereoskopie genießen, bleibt nur der Griff zum analogen Slider-Pad, was angesichts des Spielinhalts aber mehr als witzlos erscheint. Zumal der sowieso schon recht niedrige Schwierigkeitsgrad dadurch weiter purzelt. Geübte Daddelkönige umschiffen selbst die gemeinsten Fallen nach wenigen Versuchen und sehen schon nach einem Tag den Abspann. Danach bleibt nur noch Spielraum im Unterbieten der eigenen Bestzeiten.

Meine Frau widerspricht mir da übrigens heftig. Als Gelegenheitszockerin hat sie durchaus Probleme, das Modul zu knacken, und mag es aufgrund seiner leicht verständlichen Spielidee kaum noch aus den Händen geben. So unterschiedlich können Spielerfahrungen sein.

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Für den Casual-Spaß mit Äffchen AiAi muss man die 3-D-Sicht deaktivieren.
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Übrigens: Sega hat noch zwei weitere Spielmodi auf das Modul gepackt. Erstens: einen ganz netten, aber inhaltlich unspektakulären Mario-Kart-Klon samt witziger Drift-/Turbo-Regelung, dem es aber an interessanten Strecken fehlt. Für ein zwischenzeitliches Rennintermezzo reicht es. Zumindest, bis Nintendo das echte Mario Kart herausrückt.

Zweitens: einen Super-Smash-Brothers-Klon, für den man die Augen aber ganz schön zusammenkneifen muss. Die winzigen Prügelhelden taugen vielleicht als Sehtest beim Augenarzt, aber nicht als Hauptfiguren eines wilden Chaosprüglers. Daumen nach unten für diese halbgare Dreingabe.

Super Monkey Ball 3D / Sega

Profitiert spielerisch von 3-D: Nur ohne Kippsensorik, und selbst dann nur wenig. Ausnahme: der Mario-Kart-Klon
Wertung: 69%

Digitale Puppenstube

War eine weitere Portierung der berühmten Sims wirklich nötig? Die Sims 3 von Electronic Arts sucht doch händeringend nach Verkaufsargumenten. Das gleiche Spiel gibt es bereits für den normalen Nintendo DS - zwar ohne 3-D-Optik und in etwas niedrigerer Auflösung, dafür aber günstiger und mit ein wenig mehr Umfang. Bereits der erste Blick verrät, dass an Kleinigkeiten wie dem Charakter-Editor ohne triftigen Grund herumgeschnippelt wurde, warum auch immer.

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Die Grafik von Sims 3 mag auf dem 3DS schöner und vor allem plastisch sein, aber die günstigere 2-D-Variante tut's auch.
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Die Tiefenoptik alleine stellt jedenfalls kein Argument für den Neukauf dar, auch wenn die putzigen Menschlein, deren Leben man per Stylus dirigiert, sehr plastisch rüberkommen. Schwätzchen mit den Nachbarn halten, Jobs suchen und ihnen nachgehen, Lebenspartner finden und so weiter klappt auch mit flacher Grafik prima, was der erneuten Umsetzung die Existenzberechtigung raubt.

Die meiste Zeit hängt man sowieso über dem Touchscreen, deren schematische Grundrissansicht nicht nur übersichtlicher ist, sondern auch die einzige Schnittstelle zwischen Mensch und Sim darstellt. Da geht der gut gemeinte 3-D-Effekt schnell unter.

Wer die dritte Folge der Sims noch nicht kennt und etwas für den Mix aus Pixelstalking, Haushaltsplanung und Gottspielen übrig hat, wird sich natürlich immer noch prächtig amüsieren, daher bleibt die Wertung im brauchbaren Rahmen. Die Komplexität der PC-Variante sollte man trotzdem nicht erwarten. Ich rate zu einem Blick auf den Gebrauchtmarkt, dort findet man die voll kompatible DS-Umsetzung schon für unter 20 Euro und verpasst damit nichts.

Die Sims 3 / Electronic Arts

Profitiert spielerisch von 3-D: Nein
Wertung: 73%

Katanaschwung im alten Japan

Zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert war Japan ein ungemütliches Fleckchen. Die sogenannte Sengoku-Periode war eine Epoche voller kriegerischer Auseinandersetzungen mit gewaltigen Schwertschwinger-Armeen. Ein Stoff, dem sich die Dynasty-Warriors-Serie von Koei angenommen hat, wobei das Präfix Dynasty für das chinesische Pendant steht. Geht es um japanisches Gemetzel, so verwendet die sehr lose auf geschichtlichen Ereignissen basierende Hack-and-Slay-Serie den Titel Samurai.

So wie in Samurai Warriors Chronicles für Nintendo 3DS, das euch in die Rolle eines einzelnen Schwertschwingers versetzt. Einfaches Klimpern auf den Angriffstasten entlockt eurem Helden bereits eindrucksvolle Kampfkombos auf großflächigen Schlachtfeldern, auf denen es vor Metzelfutter nur so wimmelt. Allerdings sind für die erfolgreiche Wendung eines Scharmützels gewisse Aufgaben zu erledigen, die den Ablauf der Schlacht beeinflussen. Meist geht es um das Ausschalten eines hochrangigen Generals unter Zeitlimit, wobei einige Laufwege in Kauf genommen werden müssen.

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Optisch schick, spielerisch etwas eintönig: In Samurai Warriors Chronicles metzelt ihr euch durch ganze Samurai-Armeen.
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Es sei denn, man schaltet geschickt zwischen den Generälen der eigenen Armee hin und her. Ein Druck auf den Touchscreen genügt und die Kamera huscht auf die andere Seite der Szenerie. Da man aber immer nur eine Figur steuern kann, kommt man um eine sorgfältig angelegte Strategie nicht herum.

Obwohl die Metzelei in 3-D nett anzusehen ist, profitiert man so gut wie gar nicht von der neuen Technik. Man erkennt zwar deutlicher, aus welcher Richtung feindliche Soldaten angerannt kommen, aber eure Schwertstreiche werden dadurch nicht genauer oder effizienter. Zumal das Geschnetzel schnell eintönig erscheint, weil das gesichtslose Klingenfutter in Massen umherrennt. Elendig lange Zwischensequenzen mit einem Schwall an fuzzeligem Text gehören unterwegs auch nicht zu den Merkmalen eines Handheld-Hits.

Samurai Warrior Chronicles / Koei

Profitiert spielerisch von 3-D: selten
Wertung: 63%

Grässlicher Ruckelraser

Dreist, dreister, Gameloft. Es gehört schon eine ordentliche Portion Unverfrorenheit dazu, 3DS-Kunden ein sechs Jahre altes Handy-Spiel für 45 Euro andrehen zu wollen. Asphalt 3D basiert auf dem Download-Klassiker Asphalt Urban GT 2, der nicht nur auf Mobiltelefonen erhältlich war, sondern auch schon die Ehrenrunde auf den gängigen Handhelds hinter sich hat.

Rein inhaltlich macht das unverfängliche Bleifußrennspiel gar keine so schlechte Figur. Die Auswahl an Alltagskarossen wie auch die abwechslungsreichen Stadtkurse wirken zuerst einladend, Nitro- und Geldsymbole erhöhen zudem die Risikobereitschaft auf der Strecke.

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Auf Standbildern sieht Asphalt 3D noch ganz nett aus, in Bewegung kommen einem hingegen die Tränen.
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Aber nach sechs Jahren hätte man zumindest eine grafische Generalüberholung erwarten können, die Nintendos neuem Freizeitvernichter gerecht wird. Stattdessen „glänzt“ Asphalt 3D nicht nur durch einen Grafikstandard, der unter PlayStation-1-Niveau parkt, sondern ruckelt und zuckelt noch immer munter vor sich hin, als ob es auf dem N-Gage liefe. Kantige Kurven, perverse Pop-ups, ernüchternde Effekte – Asphalt 3D ist ein ruckeliger Witz von einem Rennspiel.

Selbst der 3-D-Effekt wirkt nicht halb so beeindruckend wie bei Ridge Racer, wodurch sogar das letzte Kaufargument dieser Umsetzung wegfällt. Klar, man kann Asphalt 3D durchspielen, wenn man sich an die niedrige Bildrate gewöhnt, und als geschenkter Gaul im Amazon-Bundle mag das Spiel sogar einen gewissen Belustigungswert aufweisen. Geht es aber um eure eigenen 45 Kröten, investiert sie lieber in was anderes. Für drei Euro gibt's die Handy-Variante für euer Telefon, und so’n paar Kästen Bier machen auch nen Mords-Optikeffekt.

Asphalt 3D / Gameloft

Profitiert spielerisch von 3-D: Könnte es, wenn's nicht so erbärmlich ruckeln würde
Wertung: 48%