Dreihundert Spartaner im Kampf gegen eine persische Übermacht: Ein Fest der Muskeln und Spezialeffekte erschüttert aktuell die Kinosäle, bis zum Anschlag gefüllt mit Blut und Pathos. Kein anderer Streifen wird derzeit so heiß erwartet und spaltet zugleich die Meinungen der Kritik.

Bei allem Hype um den Kinofilm war Eines von Anfang an klar: Das Spiel zum Film wird nicht lange auf sich warten lassen. Stellt sich nur die Frage, ob ein Spiel, welches auf einem Film ohne jeglichen inhaltlichen Anspruch basiert, trotzdem überzeugen kann. Wir geben die Antwort.

Nach einer wahren Geschichte
»300« basiert auf dem gleichnamigen Comic von Zeichner-Guru Frank Miller. Erzählt wird die testosterongetränkte Geschichte von Spartanerkönig Leonidas, der eine Streitmacht von dreihundert getreuen Kriegern gegen die einfallenden Horden der Perser anführt. Deren selbsternannter Gottkaiser Xerxes hat eine alles vernichtende Armee von mehr als 150.000 Mann zu den Ufern Griechenlands entsandt. Bei den Thermopylen, einem strategisch wichtigen Engpass vor den Toren Spartas, erwarten die mutigen Männer die gewaltige Übermacht.

300: March to Glory - Der Film ist ein Spektakel, das Spiel eher ein Debakel. Wir verraten, wieso...

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Die Story wird in comic-artiger Grafik erzählt.
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Soweit zum, nunja…äußerst überschaubaren Handlungsrahmen der Comic- bzw. Filmvorlage. »300 - March to Glory«, die exklusiv für die PSP entwickelte Spielumsetzung, verzichtet auf eine Einführung und springt ohne große Erklärungen direkt in die Schlacht an den "Heißen Toren". Fortan treiben großartig inszenierte Zwischensequenzen, die glatt als eins zu eins Kopien des Comics durchgehen würden, die Geschichte voran. Unterlegt mit der Stimme des Filmerzählers und den markigen Dialogen der Charaktere fangen die heiteren Storysequenzen die coole Atmosphäre der Vorlage gekonnt ein.

Moorhuhn in 3D
Also alles Eitel Sonnenschein im PSP-Lande? Weit gefehlt. Denn dort, wo die eigentlichen Missionen beginnen, hört der Spielspaß auf. Nervfaktor Nummer 1: das Gameplay. Vor eintönigen Hintergründen hackt und schnetzelt man sich wie im Wahn durch schier unendliche Gegnerhorden, prügelt wie von Sinnen auf die Knöpfe der PSP ein und hofft, dass die Gelenke bis zum Levelende halten. Moorhuhn in 3D wäre ähnlich anspruchsvoll.

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Schnetzeln bis der Daumen schmilzt...
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Keine zwei Sekunden nach Missionsstart stürmen gefühlte zweitausend Gegner auf den heroischen Spartanerkönig ein, gesegnet mit einer KI, die eigentlich eher zum Weglaufen animieren müsste. Am Ende eines jeden Abschnitts wartet dann zwar ein besonders knackiger Endgegner auf den Spieler, der zumindest ein wenig strategisches Vorgehen erfordert. Dennoch kommt es auch hier letztlich nur auf einen besonders schmerzresistenten Daumen an.

Mit allerlei Kombos und Spezialmanövern soll dann doch so etwas wie taktische Tiefe vorgegaukelt werden. Da es aber eigentlich reicht, die beiden möglichen Schlagtasten im Dauerstakkato zu drücken, und die Spezialattacken weder besonders durchschlagskräftig sind noch spektakulär anzusehen wären, lässt man die bunten Knopfkombinationen ziemlich schnell links liegen.

Steuerung out of Hell
Nun mag es ja Leute geben, die selbst der stupidesten Klickorgie noch etwas abgewinnen und somit durchaus ihren Spaß mit "March to Glory" haben könnten. Das weiß jedoch die katastrophale Steuerung gekonnt zu verhindern: Zu schwammig und ungenau reagiert die träge Eingabe und macht so oft jeglichen Spielfluss in den Kampfsequenzen zunichte. Die dynamische Kamera nimmt dem Geschehen obendrein gerne die Übersicht.

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Alle Mann in Deckung!
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Darüber hinaus stören einige Designschnitzer: Schlägt uns einer der Gegner z.B. das Schild aus der Hand, kann man dieses (laut ingame-Anweisung) per Druck auf die Kreistaste wieder aufheben. Soweit die Theorie. In den Gefechten jedoch stand die Chance, dass Leonidas sich des runden Schutzbleches wieder annahm, fünfzig zu fünfzig. Mal entsprach der sture Feldherr unseren Anweisungen, gut die Hälfte aller Versuche zogen wir jedoch den Kürzeren. Das ist besonders witzig, wenn gerade ein Pfeilhagel auf den Helden herabregnet, den man nur - man kann es sich vielleicht schon denken - per Schild abwehren kann.

Das absolute Highlight, quasi die perfekte Symbiose aus verkorkstem Missionsdesign und Gruselsteuerung, sind die Phalanxsequenzen. Aufgestellt in Reih und Glied bewegt man seinen Trupp mit Schild und Speer voran gegen die Perser. Die stürmen nicht nur mit Vorliebe direkt in die Spitzen unserer Krieger (so war das wohl damals), sondern dürfen dann auch tot geklickt werden. Ein Zeitlimit will euch den Spaß jedoch vermiesen. Ist dieses abgelaufen, fallen sämtliche Spartiaten tot um - einfach so.

Blut für die Welt
Auch grafische Glanzleistungen vollbringt "March to Glory" nicht. Die Texturen sind oft eintönig und verwaschen, die monotone Farbgestaltung, die im Film perfekt funktioniert, steht dem PSP-Titel nicht gut. Die klobigen Charaktermodelle und die schwachen Animationen sind ebenfalls kaum der Rede wert.

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Durch diese hohle Gasse müssen sie kommen...
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Wenn es jedoch um die Darstellung von übertriebener Gewalt geht, scheinen die Entwickler voll bei der Sache gewesen zu sein: Normale Schwertschläge münden in riesige Blutfontänen, selbst kleine Fleischfetzen fliegen ab und an in Richtung Bildschirm. Natürlich kann man sein Gegenüber auch in aller Deutlichkeit fachmännisch enthaupten oder der Gliedmaßen entledigen. Das ist weder besonders originell, noch spielerisch sinnvoll, sondern einfach nur peinlich.

Pluspunkte sammelt lediglich der coole Soundtrack. Der ist direkt dem filmischen Vorbild entliehen und sorgt mit treibenden Stücken und orientalischem Flair für die perfekte Musikuntermalung der Actionorgie.