Wer sich für die alljährliche Hausmesse den gewitzten Namen "Prague n Play" einfallen lässt, kann schon mal nicht grundsätzlich unkreativ sein. Auch 2011 lud der russische Marktführer 1C Company in die tschechische Hauptstadt, um uns auf den neuesten Stand über seine aktuellen Spiele zu bringen.

Und auch wenn „Kreativität“ angesichts der bereits bekannten Spieleserien im Portfolio des Publishers – allein drei (!) neue „Men of War“-Spiele wurde gezeigt – nicht das naheliegendste Motto über der Veranstaltung war, entdeckten wir doch die eine oder andere Perle Schrägstrich Geheimtipp.

Royal Quest

„OMGJAFMMORPG!“, war meine erste Reaktion, und nein, nicht weil ich vor Langeweile mit dem Kopf auf die Tastatur geknallt war und dabei jenen zufälligen Buchstabensalat hinterließ. Mit „Oh mein Gott, just another f*ing MMORPG!“, quittierte ich die Ankündigung von Royal Quest, dem ersten Gehversuch des russischen Publisher in den ausgelatschten MMO-Tretern.

Royal Quest - Das erste MMO der King's-Bounty-Macher

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Royal Quest - Das erste MMO der King's-Bounty-Macher

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Doch „Oha!“ war der unmittelbar darauffolgende Ausruf, als ich hörte, dass mit den „King’s Bounty“-Machern von Katauri durchaus fähige Entwickler hinter dem Spiel stecken, die mit dem erkennbaren Willen zu eigenen Ideen ans Werk gehen und dabei sogar Spielelemente aus der Rundenstrategieserie übernehmen: So werdet ihr Schlösser erobern können, ähnlich wie die Städte des „Heroes of Might & Magic“-Konkurrenten, und diese um neue Gebäude erweitern, in denen sich zusätzliches Gold oder Boni auf Fähigkeiten erwirtschaften lassen.

Spielerisch scheint Royal Quest den Hack n Slay-Weg eines Diablo einzuschlagen – oder sagen wir vorsichtshalber lieber: eines „Mythos“. Monstertotklicken in dreidimensionaler Iso-Perspektive und Item-Sammeln bilden den bewährten Kern des Online-Spiels – natürlich auch mit PvP, bei dem sich die Spieler fieserweise nach dem Bildschirmtod auch einen Teil der Ausrüstung gegenseitig mopsen können.

Über das Bezahlsystem schweigt sich 1C derzeit noch aus, wir rechnen aber mit dem landläufigen Free2Play-Schnickschnack. Über die Story ist abseits gängiger Fantasy-Klischees inklusive einer Spielwelt mit dem üblichen Anfangsbuchstaben A noch nicht viel bekannt: In der Welt Aura liegt ihr als Magier, Techniker oder Alchemist im Clinch mit den Dunklen Alchemisten, die das wertvolle Mineral Elenium rauben wollen und dafür einen Krieg anzetteln.

Release: 2012
Ersteindruck: Gut-Befriedigend

Royal Quest - Offizieller Debut-Trailer

Ghost of Moscow: Death to Spies

Bisher schnitt der russische Hitman- bzw. Splinter-Cell-Verschnitt „Death to Spies“ in westlichen Kritiken eher verhalten ab – vielleicht auch, weil sich nur wenige mit dem russischen Helden identifizieren konnten, der als Spion die Nazis infiltrierte. Vermutlich deshalb versucht Entwickler Haggard Games mit Ghost of Moscow einen Neuanfang in der Zeit des Kalten Krieges.

Ghost of Moscow: Death to Spies 3 - Aus dem Leben eines Spions

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Ghost of Moscow: Death to Spies 3 - Aus dem Leben eines Spions

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Zwar spielt ihr immer noch einen russischen Agenten, Captain Strogow vom sowjetischen Geheimdienst, das glamouröse Setting Mitte der 50er-Jahre versprüht aber sehr viel mehr den lässigen Charme der frivolen frühen James-Bond-Filme zwischen Cocktail-Partys und Weltpolitik.

Neben praktischen High-Tech-Spionage-Gadgets steht euch natürlich auch des lautlosen Attentäters bester Freund, die Klaviersaite, zur Verfügung. Zudem assistieren euch bis zu zwei spielbare Kameraden, zu denen ihr wechseln könnt. Die fesche Olga Godunova-Lopes beispielsweise kann mit ihrem adretten Auftreten effektiv Wachmänner ablenken oder selbigen den Kuss des Todes aufdrücken, indem sie dem solcherlei Verführten unauffällig eine Spritze ins Genick jagt.

Gewaltloses Vorgehen sei dennoch angeraten, denn jede Leiche sollte denn auch vor neugierigen Blicken versteckt werden, um keinen Alarm auszulösen. Wer hier zu rabiat vorgeht – wie wir in unserer Anspielsitzung – hat nachher viel Aufräumarbeit zu verrichten und riskiert, dass mögliche Verstecke wie Kleiderschränke und Müllcontainer knapp werden.

Das neue Setting macht es endlich auch möglich, dem tristen Grau-Braun des Zweiter-Weltkrieg-Szenario zu entfliehen und exotische Orte rund um die Welt zu reisen: die USA, Kuba und Europa stehen auf dem Flugplan.

Release: 4. Quartal 2011
Ersteindruck: Gut-Befriedigend

Red Orchestra 2: Heroes of Stalingrad

Nach wie vor sind wir etwas irritiert von dem hierzulande merkwürdig wirkenden Untertitel „Heroes of Stalingrad“, nichtsdestotrotz macht der um Realismus bemühte Counter-Strike-Verschnitt einen guten Eindruck. Die verwendete Unreal Engine 3 wäre zwar zu mehr in der Lage als hier aus ihr rausgekitzel wird, doch wer sein Augenmerk vorzugsweise auf die inneren Werte richtet, sollte den Titel auf seiner Liste vermerken.

Red Orchestra 2: Heroes of Stalingrad - Neue Screenshots

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Red Orchestra 2: Heroes of Stalingrad - Neue Screenshots

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Wer allerdings Counter-Strike-verwöhnt einfach drauflosballert, wird in Red Orchestra 2 kein Land sehen… bzw. nur aus allernächster Nähe, mit Kopfschuss am Boden liegend. Denn taktisches und umsichtiges Vorgehen haben hier oberste Priorität, wovon wir uns schmerzhaft überzeugen konnten. Bereits ein einziger Treffer kann euren Charakter umhauen oder zumindest ernsthaft verletzen. Ein Schuss ins Bein beispielsweise macht euch schier unbeweglich – nur eine per Tastendruck verabreichte Bandage kann hier Abhilfe schaffen. Vorausgesetzt man ist schnell genug…

Release: August 2011
Ersteindruck: Gut-Befriedigend

Off-Road Drive

Na gut, denke ich mir, nach der geballten Demütigung in Red Orchestra 2 probier ich mich in einer Partie Off-Road Drive – Gas, Bremse, Lenken… Das müsste gerade noch hinzukriegen sein. Doch denkste… Ohne aktivierte Fahrhilfen spielt sich der Offroad-Racer überraschend anspruchsvoll. Und wo, verdammt, ist an diesem Lenkrad eigentlich der Kopf für den Allradantrieb?!?!

Off Road Drive - Gib Gas! Screenshots

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Langsam gerate ich ins Zweifeln, ob ich nicht einfach nur zu blöd für die ganzen Spiele hier bin. Doch, so beruhigt mich ein Entwickler, das sei so gewollt. Authentische Physik, originalgetreu nachgebildete Strecken, auf denen Fahrbahn, Sumpf und Wald nur bei genauem Hinsehen voneinander zu unterscheiden sind, und detailverliebte Feinheiten bis hin zum Reifendruck, der sich aufs Fahrverhalten auswirkt, oder Radmuttern, die alle eigene Bezeichnungen tragen, von denen ich noch nie im Leben gehört habe.

Das Presseheft sagt dazu schlicht und ergreifend: „Nie zuvor gab es eine derart innovative Simulation der interaktiven Terrain-Response.“ Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen…

Release: 4. Quartal 2011
Ersteindruck: Befriedigend

Off Road Drive - Launch Trailer