




Ist ein Computerspiel wichtig? Spielt es eine Rolle, ob ein einzelnes Computerspiel mit Fehlern, Lücken oder einer dürftigen Geschichte seinen Weg in die Händlerregale findet? Nun, für diejenigen, die es sich kaufen, mit Sicherheit schon, sie haben ja schließlich Geld dafür ausgegeben. Für diejenigen, die es testen, natürlich auch, sie müssen schließlich eine Bewertung unter die Besprechung des Titels setzen. Ich könnte jetzt natürlich so weiter machen und die Entwickler auflisten, die Zeit in das Spiel gesteckt haben, andere beteiligte Firmen, die ihr Kapital investiert haben und Fans, die ihre Zeit in Communitywebseiten investiert haben.
Ich will jedoch auf etwas anderes hinaus. Denn in einer Zeit, in der uninformiert-diffuse Berichte über Spielesucht, Gewalt in Videospielen und ihre Folgen sowie über die Notwendigkeit eines Heranreifens des Mediums Computer-/Videospiel sich häufen, ist natürlich jedes Spiel wichtig. Und gerade ein Spiel eines Autors, dem man hierzulande am ehesten zutrauen kann, virtuelle Geschichten über sein narratives Talent einer breiten Masse begreifbar zu machen, ihr zu erklären, zu zeigen, warum es auch vor dem Monitor eine Berechtigung für dargestellte und nachempfundene Trauer, Gewalt, Freude oder Liebe gibt, gerade ein Spiel eines solchen Autors ist vor diesem Hintergrund wichtig.
Ja, ich kenne die wirtschaftlichen Zusammenhänge, die hinter der Entwicklung eines Computerspiels stecken. Die Abgabefristen, den Termindruck und die Verzweiflung, wenn in den letzten Tagen klar wird, dass ein ehemals vielversprechendes Feature doch nicht so toll wird, wie einst im Konzept angedacht. Doch wenn es wirtschaftlich irgendwie vertretbar gewesen wäre, ein Spiel wie „15 Days“ dorthin zu polieren, wo es einmal hin sollte, hätte man diesen Weg gehen sollen. Denn wenn dieser Weg nicht beschritten wird, wird das Medium der Computerspiele noch auf lange Zeit von den „Call of Duties“ und „World of Warcrafts“ bestimmt werden und so weiterhin das wohl größte, verbreiteteste und umsatzstärkste Nischenprodukt der Welt bleiben.
Nicht missverstehen: Genannte Spiele kann, darf und soll es durchaus auch geben. Doch wirklich akzeptiert wird das Computerspiel wohl erst mit Erwerb der nötigen Reife. Und auf diesem Weg ist das Scheitern von „15 Days“ ein Schritt in die falsche Richtung.
Während die Hintergründe hübsch gezeichnet sind, ist die Darstellung der Charaktere eine Katastrophe. Staksige oder gar fehlende Animationen sowie schwammige Gesichter ergeben ein Gesamtbild, das die Bildung von Figuren mit Tiefgang erst gar nicht zulässt.
Während die Sprecher einen ordentlichen, wenngleich nicht ganz fehlerfreien Job machen, ist die musikalische Untermalung deutlich zu langweilig geraten. Und auch die Soundeffekte sind vielfach lieblos und ohne Kraft.
Die Bezeichnung „interaktiver Film“ geht im Falle von „15 Days“ beinahe zu weit, da man als Spieler kaum mehr zu tun hat, als die Spielfiguren von Raum zu Raum zu klicken. Die wenigen Rätsel sind meist simpel und lassen sich zudem automatisch auflösen.
von dtp Entertainment AG, House of TalesGenre: AdventurePC: 20.11.2009Offizielle WebseiteFreigegeben ab 12 Jahren
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