„Bleibt bei soviel Trübsal aufgrund verpatzter Möglichkeiten wenigstens eine gute Geschichte?“, mag der geneigte Adventurefreund nun fragen. Die Antwort: teilweise. So weiß die Erzählstruktur, die dem Spieler oftmals nur indirekt und durch Andeutungen über die Vergangenheit der Figuren sowie ihre Beziehungen miteinander Informationen zukommen lässt, durchaus zu gefallen – ob dies nun durch Absicht oder Termindruck geschehen ist, lässt sich kaum beurteilen. Die Tatsache, dass zahlreiche Fragen auch nach Ende des Spiels offen bleiben, lässt jedoch auf letztere Annahme schließen.
House of Tales ist für gute Geschichten bekannt. 15 Days fällt hierbei aus dem Rahmen.Auch der Perspektivwechsel, bei dem man abwechselnd die drei Diebe spielt, die sich übrigens als moderne Robin Hoods verstehen, und den amerikanischen Ermittler Jack Stern, der sich aufgrund einiger Todesfälle in Reihen der britischen Regierung nach London begibt, ist nett geraten. So ist es durchaus spannend zu verfolgen, wie sich das halbkriminelle Trio auf der einen und der Cop Stern auf der anderen Seite immer näher kommen, bis es schließlich zum unvermeidbaren Aufeinandertreffen der vier Hauptfiguren des Spiels kommt.
Tempo, Rasanz oder Hektik kommen jedoch niemals auf, da es House of Tales versäumt hat, mehr aus dem Setting und der Handlung zu machen. Einige wenige Splitscreenmomente in Gesprächssequenzen gleich zu Beginn des Spiels deuten an, dass der Titel zu einem früheren Zeitpunkt der Entwicklung einmal anders ausgesehen haben könnte.
Überhaupt werden immer wieder erzählerische Türen geöffnet, nur um dann nicht hindurch zu gehen oder sie wieder zu schließen. Da ist zum einen die Geschichte um das Kunst raubende Trio, die an Hollywood-Blockbuster wie „Italian Job“ oder „Ocean’s Eleven“ erinnert, ohne dass diesem Pfad auch nur im Ansatz gefolgt wird. Zwischen den Zeilen und Kapiteln klingt dann so etwas wie eine Reminiszenz an „The Moment of Silence“ durch, wenn es um das Thema Überwachung und die allgegenwärtigen objektivförmigen Augen des britischen Staates in London geht.
Und zu guter Letzt gelangt dann noch eine Portion Kolonialpolitik mitsamt dem scheinbar zwingend zugehörigen brutalen Diktator in den Storymixer, sodass „15 Days“ am Ende ein nur wenig reiferes Bild des afrikanischen Kontinents liefert als der Macho-Shooter „Far Cry 2“. Dass die Spielzeit lediglich bei knapp über sechs Stunden liegt, macht das Ganze daraufhin kaum schlechter.
von dtp Entertainment AG, House of TalesGenre: AdventurePC: 20.11.2009Offizielle WebseiteFreigegeben ab 12 Jahren
Max Payne 3PS3, XBox 360: 18.5.2012
Risen 2: Dark WatersPC: 27.4.2012
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