Im Sommer 2014 rollte World of Tanks erstmals außerhalb der gewohnten PC-Gefilde auf die Konsolen-Schlachtfelder der Xbox 360. Ein Jahr später rasseln die Panzer des Free-To-Play-Actionspiels nun endlich auf der Xbox One. Ein guter Grund, mal wieder als Panzer-Kommandant aktiv zu werden. Auch für euch!

Als World of Tanks für die Xbox 360 veröffentlicht wurde, ging es vor allem darum, das auf dem PC erprobte Gameplay und das dort etablierte Businessmodell auf die Konsolen-Platform zu hieven - und das funktionierte ziemlich gut. Die Xbox One hat bekanntlich deutlich mehr Power und so lässt sich das stählerne Treiben auf ihr in optisch aufgehübschter Form erleben.

Zwar gibt es hier und da noch einige hässliche Texturen, doch unterm Strich können sich Fahrzeugmodelle, Wettereffekte, Beleuchtung und Umgebung (gerade Gras und Blumenfelder stechen dabei hervor) sehen lassen. Besonders cool sind etwa die Nachtkarten oder auch Gefechte im prasselnden Regen. Dass aber bei umgefahrenen Gebäuden und Bäumen keine Trümmerteile zurückbleiben und diese sich wie von Geisterhand in Luft auflösen, empfinde ich als vermeidbaren Lapsus. Und wer an einer Allergie gegen Clippingfehler leidet, sollte lieber nicht zu genau hinschauen - da offenbart WoT Schwächen, die ich gerne durch Updates getilgt sähe.

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Doch die entscheidenden Unterschiede sind nicht grafischer Natur, sondern inhaltlich begründet. Vor Jahresfrist wurde man auf der 360 beispielsweise ziemlich ins kalte Wasser geschmissen, jetzt gibt es ein richtiges Trainingslager für neue Rekruten, wo man die Funktionsweisen der Panzer und die Maps erlernen kann. Außerdem werden euch zumindest die wichtigsten Grundfunktionen von einer ganzen Reihe von Erklär-Videos näher gebracht.

Für meinen Geschmack fehlt es lediglich manchmal an der detaillierten Vermittlung von Fachwissen, das kann man sich jedoch in den Schlachten immer noch selbst vermitteln - denn trotz durchaus vorhandener taktischer Tiefe: Sooo komplex sind die Panzergefechte jetzt auch wieder nicht. Verschachtelt ist schon eher der Aufbau des Menüs mit seinen vielen Untergliederungen für diverse Tanks, deren Mannschaften (inklusive Ausbildungsformen), verschiedene Evolutionsstufen, Versorgungsgüter undsoweiter. Neulinge könnte das ein bisschen überfordern, die verfügbaren Hinweistafeln sind zwar hilfreich, aber nicht vollkommen befriedigend.

Eine deutliche Aufwertung gegenüber der 360-Version und trotz immer noch vorhandener kleiner Mängel ein ordentliches Paket.Fazit lesen

Im Kern ist World of Tanks auf der Xbox One eine recht kurzweilige Angelegenheit - wenn auf beiden Seiten jeweils bis zu 15 historische Panzer aller denkbaren Kategorien auffahren, ist das schon ein beeindruckendes Schauspiel. Noch imposanter ist es jedoch, wie schnell die auf maximal 15 Minuten ausgelegten Runden vorbei sein können. Vor allem dann, wenn man den Lone Wolf spielt. Denn die Gegenspieler kommen selten allein. Wenn sie clever sind, schicken sie ihre Späher vor und kundschaften die feindlichen Stellungen aus, erst danach folgte die Welle der mittleren und schweren Tanks, die entweder den Gegner komplett zu Altmetall verarbeiten wollen oder einen Sieg dadurch zu erringen versuchen, indem sie die Basis des Feindes einnehmen.

World of Tanks (Xbox One) - Was machst du denn den ganzen Tag? PANZER FAHRN!

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Grafisch sieht die Xbox-One-Version teils ziemlich gut aus, neben den Panzermodellen hinterlassen etwa auch Blumenfelder einen schicken Eindruck.
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Bei World of Tanks ging es noch nie um simple Ballerei - der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Regel auf dem oben beschriebenen Zusammenwirken der Spieler, aber auch im eigenen strategischen Vorgehen. Wer wild ins Gelände braust, macht sich zur einfachen Zielscheibe für Projektile. Es gilt, Deckungsmöglichkeiten zu nutzen, sich gegen Feuer abzuschirmen, seine Stahlwanne so zum Feind zu drehen, dass Geschosse eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, abzuprallen oder zumindest weniger Schaden zu verursachen. Die Steuerung hat Wargaming dabei tadellos zusammengeschweißt; sie erlaubt präzisen Beschuss des Rivalen - und insbesondere das Anvisieren seiner Schwachstellen. Das Fadenkreuz dient mit farblichen Hiwneisen als Indikator dafür, wann ich eine gute Chance auf Treffer habe und wann ich die Granate lieber sparen sollte.

Mein größtes Problem mit World of Tanks liegt aber nicht im spielerischen Bereich, nach ein paar Runden hat man sich schnell wieder eingefuchst. Genervt bin ich eher von den langen Wartezeiten zwischen den Partien. Da lande ich ständig in Warteschlangen und starre gefühlte Ewigkeiten auf Ladescreens. Und auch das Matchmaking scheint auf der Xbox One nicht ganz ausgereift zu sein. Ausgeglichene, spannende Matches gibt es zwar regelmäßig. Häufig hat mein Team jedoch mächtig auf den Sack bekommen oder den Gegner tierisch in den Boden gestampft.

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Gut getarnt ist halb gewonnen - wer das Gelände clever nutzt, wird in World of Tanks definitiv Vorteile haben.
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Das liegt meiner Einschätzung nach aber nicht daran, dass man Vorteile mit Echtgeld erkaufen könnte - Premium-Mitglieder sammeln nur schneller Erfahrungspunkte und leveln ihre Panzer damit auf. Doch wer später zur Party kommt musste schon immer mit gewissen Nachteilen kämpfen, das ist in den allermeisten Onlinespielen genau so. World of Tanks baut auf der Konsole eine gelungene Gefechtsatmosphäre auf - denn abgesehen von der guten Grafik überzeugt mich das Sounddesign: Das Rasseln der Ketten klingt realistisch, das Nachladen und Abfeuern der Geschosse und die Einschläge werden akustisch gekonnt inszeniert. Gut ist auch, dass man einzelne verbale Störenfriede (im Kartenmenü) muten kann - der eine oder andere nervt mit zu lauter Musik oder Dauer-Gemotze.

Interessant ist außerdem, dass ihr mit euren Kumpels auf der Xbox 360 zocken könnt, wenn diese den Umstieg auf die aktuelle Konsolen-Generation (noch) nicht mitgemacht haben. World of Tanks unterstützt Cross-Plattform-Gaming und Sprachchat über beide Konsolen, und selbstverständlich werden eure früheren Errungenschaften synchronisiert, wenn ihr das Game vorher gezockt habt. Wargaming hat es so gedeichselt, dass ihr alle freigeschalteten Panzer und anderen Inhalte problemlos auf der Xbox One nutzen könnt. Und wer noch ein bisschen von Zahlenspielereien überzeugt werden will: World of Tanks bietet 285 unterschiedliche Panzermodelle und 19 Maps (statt auf der 360 nur derer sieben) - da wird einem so schnell nicht langweilig...

Übrigens: Sollte euch der Sinn mehr nach gewaltigen Kriegsschiffen statt Panzern stehen, solltet ihr euch unsere aktuelle World of Warships Vorschau dringend reinziehen. Los. Macht. Wir warten auf euch.