Etwas mehr als 40 Charaktere, eine Menge Arenen ebenfalls, Auflösung irgendwo zwischen 720p und 1080p (wer weiß das schon so genau, sieht jedenfalls ziemlich gut aus), kein Day-One-Patch, online läuft auch alles ziemlich rund, DLC gibt's keinen, Season-Pass gnädigerweise schon gar nicht. Haben wir alles? Können wir dann jetzt bitte endlich wieder über Videospiele reden?

Andernorts wird über technisches Kleinklein gestritten, hier höchstens über die Wahl der nächsten Karte. Ihr könnt stundenlang auf „Bitte warten“-Meldungen in Online-Lobbys starren, könnt Geld für Flickenteppiche ausgeben, euch in etlichen vorweihnachtlichen Ramschverkäufen besinnungslos kaufen und an kleinkarierten „Auf meiner Konsole sieht's viel besser aus!!einself!“-Grabenkämpfen beteiligen, bis vom eigentlichen Sujet – Spielen, verdammt noch mal! – irgendwann nichts mehr übrig ist. New-Gen, hmm?

Genauso gut könntet ihr aber auch eine Handvoll guter Freunde in ein Zimmer mit großer Glotze und Super Smash Bros. Wii U pferchen und gemeinsam bis zum Morgengrauen einige der besten, ehrlichsten Stunden des Videospieljahres erleben.

Super Smash Bros. Wii U - Sieben Freunde und fünf Controller gesucht

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Ich sage "Kaufgrund für eine Wii U" und zahle fünf Euro ins Phrasenschwein.
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Wer Nintendo gelegentlich (und nicht mal ungerechtfertigt) chronische Rückständigkeit an allen Fronten vorwirft, findet nicht erst seit vergangenem Freitag den perfekten Denkzettel im Spielregal. Mit dem gerade mal vierten Ableger der Prügelreihe geben sich die Japaner in all den eingangs erwähnten Belangen weiterhin kleinlaut; Super Smash Bros. Wii U wirkt geradezu wie eine archaische Rückbesinnung auf alte Tugenden und das, was wir in Zeiten absurder Vorbesteller-Aktionen und Mikrotransaktionen immer häufiger vergessen: das Spiel hinter dem Marketing.

Ein paar Augen hat man inzwischen auch in Kyoto zudrücken müssen, ist ja nicht alles schlecht, was nach 2001 so passiert ist, eher dann, wenn man die Grenze so zwölf Jahre später ansetzt. Deshalb: Keine Spur von „exklusiven Kostümen für Amazon-Vorbesteller“ oder Double-XP-Wochenenden, dafür einen funktionierenden Online-Modus ohne viele Sperenzchen. Wo gibt’s so was schon noch?

Ihr macht, wofür man das Internet in diesen Fällen eben anwirft, haut euch in öffentlichen Kämpfen mit Fremden oder in privaten Runden mit Freunden aufs Fressbrett, habt – Nintendos Jugendschutzambitionen sei Dank – in der letzteren Variante allerdings deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Sprach-Chat und umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten für die jeweiligen Keilereien findet ihr nur hier, das Nötigste auch in öffentlichen Lobbys, zusätzliche Boni wie Ranglisten oder ähnliche Spielereien nirgendwo, was jetzt nicht so der Verlust ist, wenn ihr mich fragt. Eine regionale Beschränkung bei der Spielersuche wäre ein netter Bonus gewesen, obschon verzögerte Online-Kämpfe ohnehin kein großes Problem sind. Läuft alles ziemlich rund fürs Jahr 2014 (für Nintendo-Verhältnisse sowieso).

Super Smash Bros. Wii U - Sieben Freunde und fünf Controller gesucht

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Wie bereits auf dem 3DS sind die Neuzugänge sehr solide Ergänzungen des ohnehin schon vielfätligen Kämperfeldes. Nur etwas weniger Klonkrieger könnte es geben.
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Der funktionale Online-Modus ist ein Stück weit das Spiegelbild eines Spiels, das mit „pragmatisch“ ganz gut beschrieben, keinesfalls jedoch kritisiert wäre. Super Smash Bros. Wii U ist eine behutsame Weiterentwicklung des erfolgreichen wie scheinbar nicht reproduzierbaren Konzepts, dem insgesamt wenig Neues hinzugefügt wurde. Und wenn wir von Neuerungen sprechen, sprechen wir zwangsläufig vom großartigen Acht-Spieler-Modus, von dem ich wirklich gern wüsste, wie er entstanden ist.

Schon klar, allein technisch wäre das vorher so nie umzusetzen gewesen, nur liegt es kaum auf der Hand, einem von Haus aus wenig übersichtlichen Spiel wie diesem einen Modus zu spendieren, der es mehr oder weniger auf die doppelte Größe aufpumpt – und trotzdem die beste Ergänzung der Serie seit Einführung der Smash-Attacken in Super Smash Bros. Melee ist.

Meine ersten Assoziationen nach der offiziellen Ankündigung waren keineswegs positive und auch erklärende Videos haben daran kaum etwas geändert – der erste Probelauf hingegen schon. Nennt es kontrolliertes Chaos oder meinetwegen ein kleines Wunder, aber entgegen aller Erwartungen artet der Acht-Spieler-Modus nie in blinder Anarchie aus (zumindest nicht mehr, als es bei Smash ohnehin der Fall ist).

Trotz kleinerer Wehwehchen ist Super Smash Bros. Wii U auf Disc gepresster Mehrspielerspaß und ein Garant für eine großartige Zeit mit Freunden.Fazit lesen

Statt einer riesigen Prügelblase bilden sich viele kleine Kampfherde; ihr bewegt euch völlig selbstverständlich an verschiedenen Fronten, rächt euch erst an Freund #3 und knüpft dann den Feigling in der Ecke auf, der sich fein aus allem rauszuhalten versucht. Jeder Kampf entwickelt seine eigene Dynamik und fordert neben dem üblichen Knöpfchengedrücke weit mehr Übersicht und taktisches Verständnis als es ein Spiel vermuten lassen würde, das offiziell mit Bildern wie diesem hier wirbt.

Die Genialität hinter dem Acht-Spieler-Modus ist – wie so oft bei Nintendo – das Ergebnis vieler kleiner ineinandergreifender Rädchen, alles andere als bloßer Zufall. Es hat schon seinen Grund, dass ihr nur auf einigen bestimmten der über 40 verschiedenen Karten mit sieben Freunden loslegen könnt und online gleich gar nicht. Nintendo will es euch so einfach wie möglich machen, lässt euch von der Wiimote über GameCube-Controller bis hin zu 3DS-Geräten als Controller-Ersatz alles als Eingabegerät nutzen, was in den letzten zehn Jahren in einem Karton mit dem Nintendo Seal of Quality ausgeliefert wurde.

Super Smash Bros. 3DS/Wii U - Die Spielweise26 weitere Videos

Das Spiel ist super, aber die Figuren könnt ihr behalten

Super Smash Bros. Wii U ist kompromisslos auf Zugänglichkeit bei maximalem spielerischen Anspruch gebürstet, lässt euch jede Taste einzeln belegen und auch sonst alle erdenklichen Details anpassen. Nicht in jeder Hinsicht so, wie es vielleicht wünschenswert gewesen wäre; bei öffentlichen Online-Kämpfen müsst ihr euch wie gesagt mit deutlich weniger Optionen zufrieden geben und auch der Karteneditor ist allemal eine nette Dreingabe, lässt euch aber weder sonderlich komplexe Arenen erschaffen noch diese über das Internet mit anderen Spielern teilen.

Abgesehen davon gibt es nicht viele Punkte, die es am Ende des Tests noch in die Contra-Box schaffen könnten. Die überflüssige Smash-Tour würde mit ihrem völlig chaotischen, unübersichtlichen Brettspielkonzept allein mehr Kritikpunkte verdienen als das gesamte restliche Spiel und auch die etwas lieblose Integration der Nintendo-Skylander-amiibo-Sammelfigürchen ist alles andere als ein Kaufgrund.

An der technischen Funktionsweise gibt es wenig auszusetzen: Haltet ihr die mit 15 Euro nicht gerade preiswerten Figurinen an den NFC-Chip des Wii U GamePads, tauchen sie prompt im Spiel auf – viel mehr allerdings auch nicht. Autonom prügeln sich die virtuellen Abbilder der Plastikkerlchen durch simple Kämpfe (in distinktiven Spielmodi können sie nicht eingesetzt werden) und auch wenn ich mit einer gewissen Befriedigung beobachtet habe, wie mein Prügelknabe zur Killermaschine wurde, entsprechen automatische Levelaufstiege sowie das marginale Anpassen dreier Statuswerte und einiger Attacken nicht meiner Definition von zum Leben erwachten Spielzeug.

Der Rest funktioniert im Jahre 2014 noch genauso gut wie vor sechs Jahren auf der Wii oder 2001 auf dem GameCube, nur eben mit viel mehr Pixeln und technischem Pipapo, den ich hier im Wesentlichen nur der Vollständigkeit halber und mit dem Hinweis aufliste, dass Super Smash Bros. Wii U ein verdammt ansehnliches Spiel geworden ist. Selbst mit acht Kämpfern und zehnmal so vielen Effekten auf dem Bildschirm lässt die Wii U keinen Anflug von Überforderung erkennen, schaufelt die Bilder stattdessen unbeeindruckt auf eure HD-Glotze, während Pikachu gerade wie ein Berserker mit einem Hammer auf Bowser eindrischt.

Warum sollte man auf dem 3DS spielen, wenn man das hier haben kann?

Sieht ziemlich großartig aus, egal unter welchen Voraussetzungen ihr erst die Prozentanzeige eures Gegners, dann selbigen in die Höhe und schließlich ganz von der Karte befördert. Gelegenheiten gibt euch das Spiel genug dazu und von der bereits erwähnten Smash-Tour einmal abgesehen, macht ihr mit keiner wirklich viel falsch. Die tolle Kampagne des Wii-Vorgängers Brawl wurde aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen gestrichen, dafür könnt ihr euch allerdings wieder in zahlreichen Missionen austoben.

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Die amiibo-Figürchen sind prinzipiell ganz hübsch, spielerisch aber zu vernachlässigen. Und wieso steht Link eigentlich auf einem Urinstrahl?
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Der Rest entspricht weitestgehend der beinahe inhaltsgleichen 3DS-Version, auf deren Test ich ihn diesem Fall auch noch einmal explizit verweise, um euch und mich nicht mit überflüssigen Dopplungen zu nerven. Dennoch: Obwohl beide Versionen von einer Handvoll Karten sowie ein, zwei Modi im Grunde nichts unterscheidet, zieht der 3DS dennoch in jeder Hinsicht den Kürzeren.

Super Smash Bros. ist kein Spiel für eine mobile Konsole und das nicht einmal zwingend wegen wegfallender lokaler Sofaturniere oder der zwangsweise biederen Technik, sondern – wie ich bereits im Test der 3DS-Version schrieb – der unzureichenden Steuerung. Auch auf dem Handheld ist Nintendos Goldesel kein schlechtes Spiel, bei weitem nicht, nur zeigt die Wii-U-Version eben umso deutlicher, was mit dem mobilen Ableger alles nicht stimmt und das ist trotz aller Qualitäten mehr, als ich zu akzeptieren bereit wäre.

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Die Ice Climbers sind wie Solid Snake nicht mehr mit von der Partie.
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Wenn ihr wollt und beide Versionen im Haus habt (wofür es meiner Meinung nach keinen Grund gibt), könnt ihr sie problemlos miteinander verbinden, was euch bis auf übertragbare individualisierte Charaktere und den 3DS als alternativen Controller (der, ich sagte es bereits deutlich zu oft, alles andere als ein optimales Eingabegerät für diese Art Spiel ist) keinen großen Nutzen bringt,

Dann beißt eben in den sauren Apfel und kauft euch extra hierfür eine Wii U. Verdammte Axt, allein Smash Bros. Wii U ist das Geld wert und auch wenn die restliche Auswahl nach zwei Jahren noch immer überschaubar ist, kann inzwischen niemand länger behaupten, es würde keine Spiele für Nintendos HD-Kiste geben – jetzt erst recht nicht mehr.