Vielleicht ist es nach all den Jahren nur gerecht, zumindest aber späte Ironie. Technischer Fortschritt und Systemspezifikationen waren nie Nintendos Probleme, unsere schon eher. Wer sich eine Big-N-Konsole unter den Fernseher stellt, klagt bisweilen über die vergleichsweise schwache Grafikleistung, Handheld-Käufer bekommen zudem die schwierige Abwägung des kleinsten Übels obendrauf. Ärgerlich war das schon immer, ein echter Stolperstein hingegen nicht – nur gab es bislang auch kein Super Smash Bros. für Nintendos mobile Kisten.

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Irgendwann musste es passieren und in gewisser Weise ist es nun soweit. Nicht so schlimm, wie es hätte werden können, bei weitem nicht, aber gravierend genug für eine Zäsur für Nintendos selbst auferlegte Qualitätskontrolle.

Wer den Hohn einiger armer Geister und die Kosten für eine Konsole aus Kyoto auf sich nimmt, holt sich damit kein breit gefächertes Spieleportfolio ins Haus, entscheidet sich bewusst für eine knappe Auswahl Nintendo-eigener, die es nur hier gibt. Es ist eine der wenigen Konstanten in einer schnelllebigen Branche und der einzige Grund dafür, dass die Japaner kürzlich ihren 125. Geburtstag feiern konnten.

Super Smash Bros. 3DS - Der beste Grund, sich eine Wii U zu kaufen

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Es darf wieder geklöppelt werden!
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Mit Super Smash Bros. für den 3DS haben sie sich das schönste Geschenk bereits selbst gemacht: leergefegte Ladenregale in Japan und 1.2 Millionen verkaufte Einheiten binnen weniger Tage, herzlichen Glückwunsch. Es war die beeindruckende Bestätigung der Spiele-verkaufen-Hardware-Regel, deren Fortsetzung wir ab nächstem Freitag auch in Deutschland bewundern dürfen. Alles Gute nachträglich.

Wann kommt noch mal die Wii-U-Version?

So sehr Nintendos gelegentlich in Arroganz abdriftende Anerkennung technischer Mindeststandards ursächlich für fehlende Drittherstellerunterstützung ist, so sehr zehren Eigenproduktionen vom Luxus, perfekt auf ein einziges System zugeschnitten zu sein. Das mobile Super Smash Bros. ist vielerlei Hinsicht eine Abkehr von diesem Credo, es wurde auf einer Heimkonsole geboren und hat es sich aus vielen Gründen bislang ausschließlich dort gemütlich gemacht. Mit dem ersten Handheld-Teil presst Big N seinen Goldesel nun ein Stück weit in eine Form, in die er nur leidlich hineinpasst.

Packshot zu Super Smash Bros. 3DS/Wii USuper Smash Bros. 3DS/Wii UErschienen für 3DS und Wii U kaufen: Jetzt kaufen:

Die frühere Veröffentlichung der 3DS-Version und damit fehlende Vergleichsmöglichkeiten mit dem großen Wii-U-Bruder waren ein erster Hinweis, das Streichen der Ice Climbers als spielbarer Charakter ein weiterer, das fertige Spiel ist nun die endgültige Bestätigung: Mit Super Smash Bros. 3DS opfert Nintendo spielerischen Mehrwert auf dem Altar höchstmöglicher Verkaufszahlen.

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Ein Problem, dem sich Nintendo weiterhin nicht angenommen hat: Klonkämpfer.
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Eine gute Entscheidung für Nintendos Buchhalter, weniger für die Konsumenten, wobei viele von euch voraussichtlich weitestgehend zufrieden mit ihrem Kauf sein werden. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird und auch Smash Bros. Schatten ist nicht so lang, wie es im Licht dieser Einleitung vielleicht scheinen mag. Spielen wir mit offenen Karten:

Super Smash Bros 3DS ist spielerisch eine sichere Bank.

Super Smash Bros. 3DS ist inhaltlich und technisch eine Enttäuschung.

Spielerisch gewohnt starkes, technisch und inhaltlich solides Vergnügen auf der falschen Plattform.Fazit lesen

Von all den notwendigen Komprimierungen hat das Herzstück, das unverwüstliche spielerische Grundgerüst der Serie, den schwierigen Sprung noch am schadlosesten überstanden. Auf dem 3DS weicht man keinen Deut vom selten kopierten, nie erreichten Spielprinzip ab, an dem sich über die Jahre hinweg kaum etwas geändert hat. Diesmal sogar noch eine Spur weniger: Wurden etwa auf dem GameCube viele Attacken mit den bis heute sehr relevanten, aufgeladenen Smash-Angriffen verstärkt und zuletzt in Brawl um die mächtigen Ultra-Smashes ergänzt, gibt sich Nintendo spielerisch diesmal mit dem zufrieden, was man schon hat.

Im Kern ist Super Smash Bros. 3DS damit vielleicht der bislang konservativste Vertreter seiner Art, wenn wir mal von einem unscheinbaren Menü absehen. „Charakterstudio“ steht darüber, ein paar sinnvolle Möglichkeiten dahinter. Das Erstellen eigener Mii-Kämpfer können wir an dieser Stelle genauso schnell abkanzeln wie im Spiel, wo ihr binnen fünf Minuten ein kleines Kerlchen erstellt habt, das aus drei grundlegenden Kampfstilen und ein paar mehr ästhetischen Extras wählen darf.

Mit den ungleich charmanteren Standard-Charakteren dürfte die Mehrheit von uns schon eher etwas anfangen können und es ist die Ausrüstbarkeit von Samus, Sonic und... na ja, vielleicht nicht der Wii-Fit-Trainerin, aber ihren Kollegen, die mit Abstand die interessanteste spielerische Änderung markiert. Mittels freizuspielender Verbesserung erhöht und senkt ihr den Angriffs-, Verteidigungs- und Tempowert, könnt darüber hinaus sogar Spezialattacken bis zu einem gewissen Grad austauschen. Mit all dem Zeug macht ihr aus Bowser kein pfeilschnelles Pikachu, aber ihr könnt diese wichtigen Nuancen gerade genug verschieben, um Lieblingskämpfer entscheidend zu verbessern.

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Online könnt ihr als Zuschauer Münzen auf den ausgegang des Kampfes wetten. Nette Sache.
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Vollgepackt mit tollen Sachen

Es ist der Hauptanreiz zum mehrmaligen Einlegen eines Spiels, das genau genommen nicht übermäßig viel dafür tut, euch auch ohne Freunde für Mehrspielerpartien bei der Stange zu halten. Smash Bros. war nie für ausschweifende Einzelspielermodi bekannt, Brawl war da noch der cleverste Vertreter, während sein 3DS-Nachfolger viele dieser Schritte in die richtige Richtung wieder zurückgeht. Ihr bekommt die knappe Mindestauswahl, den Kram, mit dem man sowieso rechnet und nur wenig extra obendrauf. Im All-Star-Modus keilt ihr euch mit Charakteren aus einer jeweiligen Epoche, im Stadion geht ihr eines von drei Minispielen an (yay, Home-Run-Wettkampf!) und der Sinn hinter dem Smash-Abenteuer, bei dem ihr planlos über eine Karte rennt, um Items zu sammeln, die verschiedene Statuswerte kurzfristig für den nächsten Kampf erhöhen, hat sich mir bis heute nur unzureichend erschlossen.

Man hat seinen Spaß mit alledem, keine Frage, und wer schon mal einen Teil der Serie gespielt hat, rechnet ohnehin noch ein paar geheime Boni mit ein. In seiner Gesamtheit animieren aber nicht die jeweiligen Modi zum mehrmaligen Spielen, sondern die dahinter winkenden Belohnungen in Form von neuem Ausrüstungskram, Kämpfern, Arenen und all dem Kram.

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Warum solltet ihr auf dem 3DS spielen, wenn ihr auch das hier haben könnt?
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Super Smash Bros. 3D wirft dabei ein ganz paar neuer Athleten in den Ring, von denen sich die überwiegende Mehrheit überraschend gut in die bereits bestehende Riege einfügt, was bei Kalibern wie Pac-Man oder den Mii-Kämpfern nicht unbedingt zu erwarten war. Zum Teil erkauft sich Nintendo diese Vielfalt allerdings nach wie vor durch eine Handvoll nerviger Klonkämpfer – und versucht gar nicht erst mir zu verklickern, Link und Toon Link wären völlig konträre Athleten.

Arenen und Items erhalten ebenso ihren obligatorischen Zuwachs, während sie an anderer Stelle einen gewissen Schwund erleiden. Auch hier wenig Weltbewegendes, eher viel Kleinkram, über den sich im Detail wie immer streiten lässt, der in der Breite aber kaum mehr oder weniger ausgewogenen ist als in den Jahren zuvor. Mit Lichtschwert und Pokébällen prügelt ihr die Prozentanzeige eurer Gegner in dreistellige Bereiche, bis sie von der Karte ins Jenseits fliegen und damit bekommt ihr, was ihr erwartet – nur nicht ganz so geschliffen, wie man es gewohnt ist. Und vor allem: weniger präzise.

Der 3DS ist ein gut verarbeitetes Gerät, egal für welche der aktuell drei, bald fünf Versionen ihr euch entscheidet. Das Schiebepad als vorrangige Steuerkreuzalternative trägt daran seinen verdienten Anteil, hat speziell bei schnelleren Spielen aber bislang immer ein wenig gezickt – und gerät bei Smash Bros. erwartungsgemäß an die Grenzen des Machbaren. Es ist nicht so, als würdet ihr permanent ins Leere buttern, aber fortgeschrittene Spieler werden hiermit nur bedingt etwas anfangen können. Übung macht's besser, nicht wett.

Versteht das nicht falsch: Nintendos Prügler ist meilenweit vom leisesten Anflug jeglicher Unspielbarkeit entfernt, zieht einen nicht geringen Teil seines Reizes aber aus der präzisen, rasend schnellen Steuerung – und die ist auf dem 3DS nur bedingt gegeben. Es hat schon seinen Grund, dass für die Wii-U-Version eigens ein separater GameCube-Controller-Adapter angefertigt wird. Es hat schon seinen Grund, dass es die Reihe bislang lediglich auf Heimkonsolen gab.

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Nintendo erfüllt die Frauenquote.
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Selten hat Ernüchterung so viel Spaß gemacht

Erst mit der überschaubaren Leistungsfähigkeit des 3DS ist eine mobile Version überhaupt in den Rahmen des Machbaren gerückt und vielleicht hätte man sich in Kyoto noch eine weitere Generation lang gedulden oder zumindest in dieser weniger knausrig sein sollen. In der Konsequenz löffelt Super Smash Bros. 3DS nun aus, was Nintendos Geiz schon lange provoziert hat.

Läuft alles rund, buchstäblich, macht euch dahingehend keine Sorgen. Einen Blumentopf schickt dafür niemand nach Kyoto, über technische Probleme zu klagen wäre aber auch zu viel des Guten. Der Keilerei fehlt es quasi nur an einem: Pixeln (eine einheitliche Plattform wäre ebenfalls nicht ganz schlecht gewesen). So vereint Smash Bros. ein wenig das Schlechteste aus beiden Welten, wirkt auf den kleinen 3DS-Modellen noch unübersichtlicher, als es ohnehin schon Tradition ist, und schreit auf dem XL (der sträflicherweise dieselbe Auflösung wie sein kleiner Bruder besitzt) nach mehr Bildpunkten. Die gröbere Auflösung hat jeder von uns mit der „90 Prozent größere Bildschirme!“-Werbung dazugekauft, jetzt zahlen wir noch einmal dafür. Sobald die Kamera großzügig nach hinten fährt, um möglichst die ganze Arena auf den Schirm zu quetschen, könnt ihr die Pixel einiger Charaktere fast an einer Hand abzählen. Geht auf Augen und Nerven gleichermaßen.

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Küsst euch, küsst euch!
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All das spielt eine untergeordnete Rolle, sobald ihr euch auf dem Regenbogenkurs aus Mario Kart mit Shulk aus Xenoblade Chronicles und Prinzessin Peach mittels Space-Invader-Items und verschiedenen Pokémon die Rübe einhaut – völlig verpuffen diese Ärgernisse jedoch nie.

Wie selten zuvor bei einem Nintendo-Programm ist Super Smash Bros. 3DS – trotz kompetenten Kaschierens an allen Ecken und Enden – anzumerken, dass es eigentlich nicht auf diese Plattform gehört. Ein paar Kompromisse müsst ihr schon eingehen, einige Schönheitsfehler in Kauf nehmen und letzten Endes ist es das sogar wert. Nur eben nicht in der überwältigenden Deutlichkeit, wie man das normalerweise gewohnt ist.