Exklusivität ist ein zweischneidiges Schwert, auch bei Capcoms Traditionsprügler Street Fighter. Capcom tauscht Reichweite gegen kurzzeitigen Hype, in der Hoffnung, durch erhöhte Aufmerksamkeit mehr Verkäufe zu generieren. Aber mal ehrlich: Die Ankündigung, Street Fighter V sei konsolenexklusiv für PS4 (und für den PC) zu haben, ist selbst für die Leidenschaftlichsten unter den Prügelspiel-Fans eine typische Sack-Reis-Meldung. Für dieses Spiel sattelt niemand um.

Schon gar nicht, wenn mal wieder so gut wie nichts Neues auf den Plan kommt. Keine größeren Änderungen in den Spielregeln, keine revolutionären Umstellungen bei der Charakterauswahl. Nun ja, wenn es so wäre, hätten wir sicher eine Sensationsmeldung.

Die Street-Fighter-Formel wurde seit den Alpha- und Zero-Prequels aus dem Jahr 1995 nur marginal weiterentwickelt und hätte nicht einmal eine drei im Titel verdient, geschweige denn die Zahl fünf. Umschwung auf 3D-Grafik hin oder her (siehe der gefeierte vierte Teil), es ist und bleibt alter Street-Fighter-2-Wein in neuen Schläuchen, den Capcom seit 23 Jahren ausschenkt. Minimale Nuancen in Richtung des aktuell vorherrschenden Prügelspiel-Zeitgeistes ausgenommen. Auch Street Fighter V erhält solche Minimal-Zugeständnisse und zwar in Form von erweiterbaren Kampfarenen, ähnlich wie wir sie aus Dead or Alive kennen. Boxt ihr euren Kontrahenten durch eine Tür, so geht die Schlagabtausch im Innenraum weiter. Allerdings sind die erweiterten Teile der Arenen sehr überschaubar, um nicht zu sagen klein.

Street Fighter 5 - Hadouken!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 142/1441/144
Der fünfte Teil führt nur die absolut notwendigsten Änderungen durch. Viel zu verbessern gibt es allerdings ohnehin nicht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der in Street Fighter 4 etablierte Grafikstil bleibt erhalten, allerdings bringt er dank der Verwendung der Unreal Engine 4 eine ganze Schippe mehr Detail in Geometrie und Farbgebung mit. Vor allem Farbübergänge wirken nahtloser. Schön, aber technisch nicht weltbewegend. Versprochene 1080p-Auflösung und 60 Bilder die Sekunde klingen lobenswert, sollten angesichts de spielerischen wie technischen Anforderungen aber eine Selbstverständlichkeit sein. Kurzum: Am Ende ist es noch nur Altbekanntes mit viel neuem Bling-Bling.

Das Argument, andere Softwarestudios seien nicht minder kreativ, wenn es um Wiederverwertung geht, ist bei Capcom wirklich weit hergeholt, denn egal ob Tekken, Metal Gear oder Was-auch-immer, keine andere Serie kann sich damit brüsten, Minimal-Updates mit derart bedeutungsschwangeren Subtiteln zu versehen und in regelmäßigem Turnus zu veröffentlichen. Allein von Street Fighter 2 gab es einst sieben Fassungen (allein in der Spielhalle); von den teilweise verquirlten Konsolen-Interpretationen brauchen wir gar nicht erst anfangen. Man könnte sie kaum voneinander unterscheiden, wenn sie nicht andere Titel trügen. Teil 4 schafft es immerhin noch auf drei Auskopplungen.

Street Fighter 5 - Deutsches Ankündigungs-Video - PS4 & PC11 weitere Videos

Lange Rede kurzer Sinn: Street Fighter V erfindet traditionell das Rad nicht neu. Man hätte auch wieder Teil 4 mit einem lustigen Untertitel ausliefern können. So von wegen Super Ultra Mega Championship Turbo mit rosa Streifen. Harsche Kritik? Ja, durchaus. Aber in gewisser Weise auch ein Kompliment, denn wenn Capcom so etwas zustande bringt, dann muss die Spielidee dahinter mehr als solide und noch immer verdammt spaßig sein: Einigen wir uns auf ein Unentschieden: Im Westen nichts Neues, aber wozu auch, wenn es die Kundschaft doch so haben will?

Packshot zu Street Fighter 5Street Fighter 5Erschienen für PC und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Das einzig nennenswerte neue Feature in Teil 5 manifestiert sich in der V-Gauge. Das ist ein Energiebalken, der sich mit jedem eingesteckten Treffer weiter füllt und bei Bedarf in spezielle Angriffsmethoden umgewandelt werden darf. Nein, darunter fällt kein Super-Dragon-Punch oder ähnlicher Firlefanz im direkten Angriff. Es geht eher darum, dem Underdog einer Partie eine Möglichkeit zur Befreiung zu verschaffen. Etwa das direkte Abwehren von Fernkampf-Attacken wie dem berühmten Ryu-Feuerball, der normalerweise einen beherzten Satz oder die Flucht in eine deckende Haltung verlangt. Beides zwingt zu einer passiven Haltung. Wer springt, muss mit einem Air-Juggle rechnen, wer blockt, verschafft dem Gegner Zeit zur Annäherung.

Street Fighter 5 - Hadouken!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Street Fighter 5 ist eine Art aufgepimptes Déjà-vu der hübscheren Sorte.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die V-Gauge, deren individuelles Charaktertalent durch die gleichzeitige Aktivierung von mittelstarkem Faustschlag und mittlerem Tritt vollzogen wird, soll verhindern, dass Anfänger und Fortgeschrittene unter dem Dauerfeuer der Profis leiden. Bestes Beispiel wäre die sehr beliebte, wenn auch durchschaubare Guile-/Nash-Standardtaktik, bei der man einen Sonic Boom vorausschickt und gleich darauf seinen berühmten Flash-Kick auflädt. Anfänger fallen nur allzu gern darauf herein und springen mangels Alternativen mitten in ihr Verderben, auch wenn diese Vorgehensweise schon einen meterlangen Bart hat. Abhängig vom Talent des ausgesuchten Kämpfers ergibt sich nun eine dritte Ausweichmöglichkeit. So kann Chun-Li die Projektile direkt abwehren, während Nash schnelle Teleportationen in die unmittelbare Umgebung ausführt, um sich der Reichweite kritischer Angriffe zu entziehen.

Profis raufen sich womöglich die Haare. Wie, jetzt noch ein Energiebalken mehr? Nein, der alte Ultra-Balken verschwindet und wird mit der altbekannten EX-Gauge verschmolzen. Auch verschwinden alle aus Ultra Street Fighter 4 bekannten Fokus-Attacken. Ultra-Moves verlangen nun einen voll aufgeladenen EX-Balken, können aber bedingt mit der V-Gauge-Reaktion kombiniert werden, sodass auch Profis etwas von den neuen Spielregeln haben. Ein wenig Umgewöhnung vorausgesetzt.