Street Fighter 5 - Die Geschichte der Beat-em-ups
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01) Die Vorläufer:

Im Vergleich mit vielen anderen Genres gehören reinrassige Prügelspiele zu den Spätzündern unter den Videospielen. Mit ihrem Debüt Mitte der Achtziger hatten sie das erste Jahrzehnt der Branche verschlafen. Mitunter aus technischen Gründen, denn Prügelspiele, die fair ablaufen sollen, vertrauen auf drei Faktoren: nachvollziehbare Steuerung, schnelle wie genaue Kollisionsabfrage und eine halbwegs brauchbare grafische Darstellung, die einen flüssigen Spielablauf ermöglicht. All das kam erst im aufblühenden 8-Bit-Zeitalter zusammen.

Nun, was heißt denn „reinrassig“ bei Prügelspielen? Ganz klar: Es darf in dieser Kategorie ausschließlich um den Schlagabtausch mit anderen Spielfiguren gehen. Mann gegen Mann, möglichst komplett ohne Schusswaffen und ohne abweichende Spielziele, die anderen Genres angehören. In Prügelspielen geht es darum, irgendwem virtuell die Birne einzuschlagen. Punktende. Damit wird Taitos „Renegade“ zum Urvater der reinrassigen Prügelspiele. Durch die Entwicklung des Genres post 1991 muss man zudem zwischen zwei Subgenres unterscheiden: den Brawlern und den Kampfspielen. Bei ersteren geht es meist um eine Art Kampagne, bei der man durch Hinterhöfe läuft und eine Menge schwacher Schergen umnietet, bevor ein starker Boss antritt. Kampfspiele zelebrieren hingegen das direkte Duell Kämpfer gegen Kämpfer, wie in Street Fighter oder Mortal Kombat.

Die Geschichte der Prügelspiele

Um den Unterschied zu ähnlichen, aber nicht eindeutig den Prügelspielen zugehörigen Genres zu verdeutlichen, hier mal ein Gegenbeispiel: Das Monster-Spektakel „Rampage“ aus dem Jahr 1986 kam ebenfalls mit einer komplexen Steuerung daher und ermöglichte das verprügeln der Kontrahenten. Allerdings ging es hier im Spielkern um das Zerstören einer Stadt. Darum ist Rampage kein reinrassiges Prügelspiel, wenn man es genau nimmt. Andererseits, wer nimmt es schon so genau?

Antwort: Der deutsche Jugendschutz der Achtziger. Prügelspiele waren grenzwertige Kandidaten bei der damaligen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (heute „für jugendgefährdende Medien“, BPjM), weil sie Gewalt durch Punktevergabe und ähnliches glorifizierten. Dies rechtfertigte nicht unbedingt eine Indizierung, da die Handlung vieler Prügelspiele von einer Rettungsmission erzählte, aber der gewaltbetonte Grundtenor war nicht gerne gesehen, daher waren solche Feinheiten manchmal das Zünglein an der Waage. Schon die Darstellung von Blut qualifizierte so ein Spiel für eine genaue Prüfung.

Ebenfalls grenzwertig: Der Bezug zum Sport. Jordan Mechners „Karateka“ oder Klassiker wie Archer Mcleans „International Karate“ gelten als Vorläufer des Prügelspiel-Genres und erzählen im Grunde nicht mehr als das landläufige Street Fighter. Die Betonung der Ästhetik und der klinisch fairen Wettbewerbs reihen sie jedoch genauso fest in die Sparte der Sport- und Geschicklichkeitsspiele ein wie ihre überaus empfindliche Steuerung.

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