Beinahe hätte man denken können es gibt sie gar nicht: Seit Blizzard vor zwei Jahren in Korea die RTS-Katze aus dem Sack ließ, rätselt die Fanwelt nun schon, wie sie denn aussehen könnte, die Solokampagne. In Irvine konterte man lediglich mit der gewohnten Selbstsicherheit: „Unsere Kampagne wird so großartig, dass wir sie in drei Teilen veröffentlichen müssen.“

Klingt ja schon ganz toll, nur ließen sich derartige Behauptungen bisher schwerlich nachprüfen. Es bleibt zum Glück beim „bisher“, denn die Gamescom verschafft Abhilfe: Zwei Missionen sind voll spielbar, zudem funktioniert der Adventure-Part samt Upgrade-System. Und tolle Zwischensequenzen, die gibt es obendrein. Zeit für ein finales Resumee: Wie gut wird „Starcraft 2“ nun wirklich?

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Alle drei zusammen

Noch einmal ganz langsam, zum Mitschreiben, für diejenigen, die in der letzten Bank wieder am Pennen waren: „Starcraft 2“ erscheint insgesamt dreimal, da die Kampagne so groß ist, dass sie gedrittelt wird. Zuerst dürfen die Terraner ran, „Wings of Liberty“ heißt deren Einsatz, danach folgen die Zerg mit „Heart of the Swarm“. Zum Grande Finale blasen schließlich die Protoss in „Legacy of the Void“.

StarCraft 2: Wings of Liberty - Singleplayer angespielt! Raynor rockt!

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Wie im Renderadventure: Nutzbare Jukebox in der Bar
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“Wings of Liberty”, also “Flügel der Freiheit, klingt dabei eher missverständlich, konzentriert sich die Terraner-Kampagne doch auf Jim Raynor. Den legendären Veteran kennen Fans schon aus dem Vorgänger – nur sein Zustand, der ist neu. Die Jahre des Leids und des Krieges haben Herrn Raynor nämlich sichtlich ausgebrannt, vor allem der Verlust von Sarah Kerrigan und der Verrat von Arkturus Mensk haben ihm schwer zugesetzt.

Trotzdem erfüllt es uns mit Gram unseren ehemaligen Helden nun saufend, unrasiert und trostlos auf dem Vergnügungsdeck der Hyperion herumlungern zu sehen. Bis Tychus Finlay den Raum betritt: Der Space Marine und alte Freund Raynors bittet den ausgebrannten Soldaten um Hilfe. Einige wertvolle Artefakte sollen geborgen werden – der perfekte Job für Raynor und seine Mannen.

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Söldner und Säufer: Jim Raynor in der Gosse
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Anders als im ersten „Starcraft“ laufen derartige Gespräche und Briefings nicht als schnöde Textmeldungen ab, die von starren Charakterportraits vorgetragen werden, sondern erstrahlen im Glanz der schmucken Cinematic-Engine. Neben den üblichen CGI-CutScenes greift Blizzard immer wieder mal auf die kurzen Filmchen in Spielgrafik zurück, bei denen die Charaktere per 3D-Modell dargestellt werden.

Captain auf der Brücke

Bevor es nun direkt auf’s Schlachtfeld geht, katapultiert euch „Starcraft 2“ zunächst in die Außenperspektive. Wie in einem Adventure könnt ihr nun die Korridore der Hyperion (Jim Raynors Schlachtkreuzer) erkunden, ein Schwätzchen mit der Crew halten oder ein paar Münzen in die Jukebox der Bar werfen. Die Hyperion dient dementsprechend als Ankerpunkt vor und nach jeder Mission - „Wing Commander“ ick hör’ dir trapsen…

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Auf der Hyperion: Missionswahl à la Wing Commander
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Der wichtigste Ort ist – manch einer wird jetzt überrascht sein – aber nicht die Bar, sondern ein anderer: Auf der Brücke planen wir per Bordcomputer unseren nächsten Einsatz. Obwohl es hier oftmals mehrere Missionen zur Auswahl gibt, wählen wir immer nur einen Auftrag – der andere geht schließlich nicht verloren (wie etwa in Dawn of War 2), sondern steht uns später trotzdem noch offen.

Eine dynamische Kampagne, mit verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten plant Blizzard dabei nicht - die Story läuft also immer gleich ab. Trotzdem lohnt es, mehrere Aufträge zu erledigen, denn für jeden Einsatz gibt es Boni: Das können neue Einheiten sein oder Upgrades für die Truppenverbände. In jedem Fall hagelt es aber Geld – bis zu 100.000 Credits pro Mission können für Raynor und Co. rausspringen.

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Lieber stärkere Bunker oder schlagkräftigere Waffen?
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Die erwirtschafteten Dollar investieren wir auf dem Maschinendeck der Hyperion in Upgrades: Sollen eure Space Marines per Stimpack heftiger austeilen? Die Panzerung der Valkyre-Jäger ist euch zu schwach? Kein Problem: Mit genügend harter Währung in der Hinterhand wandelt ihr hier jede Reservistentruppe zur Elitearmee. Ein cleverer Kniff von Blizzard: Jede Mission zahlt sich aus, die Jagd nach den Upgrades motiviert zusätzlich.

Klassik im Weltall

Wer es übrigens noch nicht mitbekommen hat: „Starcraft 2“ ist für die Echtzeitstrategietitel so etwas wie das „Grindhouse“-Feature von Tarantino und Rodriguez für das Kino im letzten Jahr. Sprich: Eine gewollte Abkehr von neuzeitlichem Innovations-Schnickschnack zurück zu klassischen Tugenden. Für den Multiplayer-Modus erwarten wir keine grundlegenden Neuerungen.

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Eine Straßensperre im Singleplayermodus.
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Auch der Einzelspielermodus springt auf den klassischen Zug auf. Die ersten spielbaren Missionen erinnern an typische „Build & Destroy“-Einsätze mit kleinen Auflockerungen. So müssen wir etwa im ersten Einsatz einen Konvoi der ortsansässigen Zivilisten beschützen, eine andere Mission verlangt von uns, unter Zeitdruck die Basis des Gegners einzuäschern und ein mächtiges Artefakt zu erobern.

Auf alten Fregatten ist gut segeln: Auch solo setzt „Starcraft 2“ voll auf Tradition – und macht trotzdem einen Heidenspaß.Ausblick lesen

Hier zeigen sich dann auch tatsächlich die ersten grauen Haare beim einstigen Platzhirsch. Denn was man im Multiplayer-Modus noch als Geschenk an die Fans und eSport-Profis bezeichnen kann, wirkt im Einzelspieler-Part deutlich überholt. Die Dynamik der Missionen leidet etwa deutlich an der langsamen Produktionsgeschwindigkeit der Einheiten und Upgrades. Auch manche Komfortstandards – etwa freie Tastenbelegung kennt „Starcraft 2“ (noch?) nicht.

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Es kann wahrlich heiß hergehen in der Kampagne.
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Was Blizzard jedoch beherrscht sind die mitreißend inszenierten Skript-Sequenzen: Ergattern wir etwa oben erwähntes Artefakt, brechen plötzlich gewaltige Steinsäulen aus dem Boden und schließen uns in der Mitte ein. Zu allem Unglück erwachen vier Protoss-Titanen zum Leben, die uns mit ihren Waffen gehörig zusetzen. Nur unter großen Anstrengungen schlagen wir die Kraftprotze, die Steinsäulen senken sich, das Artefakt ist unser. Da steigt der Adrenalinpegel.