Zwei Jahre sind vergangen, seit auf der WWI in Korea ein mittlerweile zur Legende gereifter Trailer mit den Worten “Hell, it’s about time” eingeleitet wurde. Damals war klar: Starcraft 2 kommt. Nur wann – das ließ sich schwer abschätzen. Heute wissen wir: 2009 könnte DAS Jahr für Echtzeitstrategen werden. Kurz vor der Beta haben wir uns den aktuellen Entwicklungstand angesehen.

StarCraft 2: Wings of Liberty - Midnight Opening - Die Tore öffnen sich38 weitere Videos

Klassisch, aber nicht alt

Wer zu der verschwindend kleinen Gruppe von Menschen gehört, die mit „Starcraft“, dem meistverkauften Strategiespiel aller Zeiten, noch nie in Kontakt gekommen sind, dürfte beim Anblick des zweiten Teils eher argwöhnisch urteilen: „Das soll zeitgemäß sein?“ Ganz bösartige Naturen wollen hinter dem heiß ersehnten zweiten Teil der Space-Oper sogar „ein maues Grafikupdate“ entdeckt haben.

StarCraft 2: Wings of Liberty - Kurz vor der Beta: Multiplayer-Modus angezockt

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Nur ein Grafikupdate? Starcraft 2 wird die RTS-Gemeinde spalten.
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Und ja, irgendwie haben diese – wenn auch wenigen – Kritiker gar nicht so unrecht. Im Vergleich zu aktuellen Genre-Schwergewichten wie „Company of Heroes“, „World in Conflict“ oder „Dawn of War 2“ wirkt „Starcraft 2“ fast schon ein bisschen veraltet. Oder um es weniger drastisch auszudrücken: Ein derart klassisches Spielprinzip hat die Strategiegemeinde seit… nun ja, seit Starcraft 1 nicht mehr gesehen.

Hier wird ohne Schnörkel taktiert, Basen werden ausgehoben, Gegner ausgespäht, Armeen zusammengestellt und Rohstoffe abgebaut. Wer zwingend strategische Kommandopunkte, verschiedene Helden mit individuellen Fähigkeiten oder Deckungssysteme braucht, ist und war bei „Starcraft“ fehl am Platz. So ist denn die Grafikengine auch schon das Modernste am neuen Blizzard-Titel – und selbst die bringt aktuelle PC-Hardware kaum mehr ins Schwitzen.

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Gegen diese Zergmassen sehen die neuen Helion-Flammenbuggys der Terraner alt aus.
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Ist „Starcraft 2“ also ein schlechtes Spiel? Ganz im Gegenteil: Für eSportler und Taktiker dürfte auch Teil zwei einer Offenbarung gleich kommen. Denn denen sind ungewöhnliche Experimente und unnötiger Ballast ziemlich schnuppe, solange die Kernelemente funktionieren. Oder um es mit den Worten eines Starcraft-Profis zu sagen: „Was bringt mir das tollste Spielprinzip, wenn es im Multiplayer-Modus nicht ausreichen funktioniert? Company of Heroes wird selbst heute noch nachgepatcht.“

Space-Oper in drei Akten

Harte Worte - von einem, der es wissen muss. Im Rahmen der Warcraft Regional Finals in Köln haben wir uns die Zeit genommen, die anwesende Elite der Strategieprofis zu befragen – nach der Faszination eines elf Jahre alten Spiels. Und dem Grund für die allgemeine Vorfreude auf „Starcraft 2“. Martin, langjähriger Starcraft-Ligaspieler, kennt da nur eine Antwort: „Das Balancing ist perfekt. Da gibt es einfach keine Alternative.“

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Wie im Vorgänger dürfen viele der Terraner-Gebäude bei Gefahr abheben.
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Es ist DAS Feature, welches Starcraft einst berühmt machte: Drei in ihrer Spielweise völlig unterschiedliche Fraktionen, die trotzdem in Punkto Schwächen und Stärken punktgenau aufeinander abgestimmt sind. Eben jenes Feature, was auch „Starcraft 2“ zum alten und neuen König des Strategiegenres machen soll. Blizzard tut entsprechend gut daran, beim Gameplay auf all zu gewagte Experimente zu verzichten. „Never change a winning team“, dürfte hier die Maxime lauten.

Für Kenner des Vorgängers ergibt sich beim ersten Spielstart denn auch praktisch keinerlei Eingewöhnungszeit. Beinahe möchte man ein lautes „Deja Vu“ ausrufen, wenn kurz nach dem Start sechs kleine Arbeiterdrohnen neben dem Hauptgebäude auf ihre Befehle warten. Das ist so sehr „Starcraft“ wie es nur sein kann – nur eben in hübsch. Die Steuerung ist quasi identisch, beim Interface sitzt alles am rechten Fleck

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Mit dem Dark Pylon können die Protoss ihre Wirtschaft ankurbeln.
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Auch die drei Völker bleiben den alten Rollenverteilungen treu: Die Protoss werfen wie gehabt die schlagkräftigsten Einheiten ins Feld, die allerdings auch mit den höchsten Kosten und längsten Produktionszeiten aufwarten. Die Zerg bleiben die schnellen „Rusher“ – billig, uneffektiv, dafür aber in Massenaufläufen und mit allerlei hinterhältigen Taktiken ausgestattet.

Typisch Blizzard: Kurz vor der Beta hinterlässt Starcraft 2 einen Eindruck, den andere Titel selbst nach zig Patches nicht erreichen.Ausblick lesen

Die Terraner sind das gesunde Mittelmaß dieser Fraktionen und damit der perfekte Einstieg für Neulinge. Im Vergleich zum Vorgänger spielen sich diese nun noch etwas defensiver: Viele der strategischen Möglichkeiten zielen hier darauf ab, die Basis zu verstärken oder sich darin zu verbarrikadieren. Darüber hinaus werfen die Terraner die besten und vielseitigsten Luftstreitkräfte ins Feld.

Bis ins Detail

Obwohl Blizzard durch ein gutes Dutzend neuer Einheiten noch mehr Variantenreichtum ins Spiel bringt, ist es schön zu sehen, wie der Entwickler sich die Manierismen der Community ansieht und dann umsetzt. Viele Taktiken, die in der Vergangenheit von den Starcraft-Spielern ausgeklügelt wurden, haben die Irviner nämlich direkt in die Spielmechanik übertragen und weiten die Spanne an strategischen Optionen so nochmals aus.

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Bündeln mehrere Void Rays ihre Strahlen ist die resultierende Zerstörungskraft enorm.
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Ein Beispiel: Eine beliebte Taktik der Terraner war es, die Basis mit Einheitendepots einzumauern und die eigenen Einheiten dahinter zu positionieren. So musste der Gegner erst die schwer gepanzerten Gebäude einreißen, um in das Terraner-Heiligtum vorzustoßen – und wurde bei dem Versuch meist langsam aber stetig dezimiert. Musste man früher diese Depots noch selber zerstören, um die eigenen Einheiten aus der Basis zu lenken, lassen sich die Depots nun komfortabel in den Boden absenken – prima.

Auf den zweiten Blick zeigt sich übrigens, dass Blizzard seit der Ankündigung vor zwei Jahren nicht untätig war. Kurz darauf spielten wir „Starcraft 2“ auf der Blizzcon 2007 – eine Version, die mit dem jetzigen Stadium des Spiels kaum noch etwas gemein hat. Beinahe jede Einheit wurde zwischenzeitlich überarbeitet, angepasst oder gar komplett ausgetauscht. Denn auch unpopuläre Entscheidungen werden zu Gunsten des Balancings getroffen.

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Die Protoss-Trägerschiffe sehen optisch nun deutlich anders aus als im Vorgänger.
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Die Zergkönigin hat mit der königlichen Hoheit des Originals quasi gar nichts mehr gemein: Statt gegnerische Einheiten zu infizieren und anschließend zu übernehmen, legt die Dame nun ein eher defensives Verhalten an den Tag. Andere Einheiten wie etwa der terranische Nomad wurden erst neu ins Spiel integriert und später wieder gestrichen. Und während des anstehenden Betatests dürfte sich das derzeitige Fraktionsbild nochmals deutlich ändern.

Die drei Säulen der Genialität

Aus den oben genannten Punkten und mehrstündiger Spielerfahrung ergibt sich die Erkenntnis, dass „Starcraft 2“ besonders drei Kernelemente des Gameplays ausbaut bzw. erweitert.

Starcraft spielt sich schneller: Viele Animationen und Bewegungsabläufe wurden überarbeitet. Die Gebäude der Terraner heben nun deutlich schneller vom Boden ab, Siege Tanks wechseln schneller in den stationären Modus und selbst die Zeit, die eine Drohne zum Abbau der Mineralien benötigt, wirkte im Testspiel kürzer als im Original. Zudem besitzt jede Rasse mindestens eine Fähigkeit, um die Einheitenproduktion zu beschleunigen. In Folge dessen kommen nun deutlich mehr Pepp und Tempo in die Starcraft-Partien.

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Leider blieben neue Infos zum Einzelspieler erneut aus.
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Starcraft erfordert noch mehr Micromanagement: Wie schon im Vorgänger besitzt jede Einheit mindestens zwei bis drei Spezialfähigkeiten, die innerhalb eines Gefechtes zum Teil fast gleichzeitig aktiviert werden wollen. Zwar ist die Bedienung im Vergleich zum Vorgänger etwas komfortabler (etwa durch übersichtlicheres Gruppenmanagement), trotzdem erfordern viele Fähigkeiten immensen Klickaufwand.

Starcraft wird noch taktischer: Blizzard nimmt sich Zeit für die Entwicklung. Viel Zeit sogar – die allerdings nicht ungenutzt verstreicht. Beinahe jede Einheit des Originals wurde entweder gestrichen, ersetzt oder überarbeitet, zudem wurden beliebte Taktiken des Vorgängers in die Spielmechanik integriert. Durch frische Gebäudeupgrades wird die strategische Tiefe zusätzlich erhöht.