Gestern Abend, in Berlin: Während sich bereits hunderte Fans in der Schlange vor dem hiesigen Media Markt einreihen, um live beim "Starcraft 2"-Mitternachtsverkauf dabei zu sein, sprechen wir hoch über der Stadt in einem Hotelzimmer mit Rob McNaughton. Der Lead Technical Artist ist angereist, um "sein Baby" unter's Volk zu bringen - und unsere brennendsten Fragen zu beantworten.

gamona: Hey Rob. Es ist geschafft. Starcraft 2 ist drei Jahre nach der Ankündigung endlich fertig gestellt. Wie fühlst du dich jetzt?

Rob McNaughton: Ich muss sagen, dass ich total aufgeregt bin. Heute Abend wird sicherlich besonders aufregend, weil man bei so einem Mitternachtsverkauf diejenigen Leute aus nächster Nähe kennen lernt, die sich seit Ewigkeiten auf dieses Spiel freuen und am liebsten sofort loszocken würden. Was ihr nicht wisst: Mir geht es da ganz genauso – wenn ich zu Hause bin, werde ich mich als Erstes ins Battle.Net einloggen und schauen, wie viele Leute online sind.

gamona: Du arbeitest ja seit beinahe zehn Jahren als Lead Technical Artist bei Blizzard. Mal ehrlich: Was macht ein „Lead Technical Artist“ eigentlich den lieben. langen Tag?

StarCraft 2: Wings of Liberty - "Unsere Story ist eines Hollywood-Blockbusters würdig"

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Rob McNaughton (links) bei der Autogrammstunde während des Midnight Openings in Berlin.
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Rob McNaughton: Ich bin sozusagen die Brücke zwischen den Designern und den Programmierern. Die Programmierer schreiben die Grafikengine und den Spielcode, die Designer zeichnen tolle Bilder und Storyboards. Aber man muss diese Bilder in die Spielsprache übersetzen, Polygonmodelle erstellen. Ich sorge also dafür, dass die Dinge, die sich die Künstler ausdenken, im Spiel erscheinen und funktionieren. Dadurch bin ich stark in die Entscheidungsprozesse eingebunden.

gamona: Bist du auch in die ganz grundlegenden Entscheidungen involviert? Wenn also z.B. entschieden wird, dass sich Starcraft 2 spielmechanisch so nah am Vorgänger bewegt, bist du da involviert?

StarCraft 2: Wings of Liberty - "Unsere Story ist eines Hollywood-Blockbusters würdig"

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Enttäuschung bei der Ankündigung: Starcraft 2 würde "nur" ein Starcraft 1 mit besserer Grafik.
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Rob McNaughton: Im Grunde ja. Dazu muss man wissen, dass wir bei Blizzard eine gewisse Philosophie haben: Bei uns ist das ganze Team der Designer des Spiels. Die „Leads“, zu denen ich auch gehöre, tragen die Ideen ihrer Teams nach oben und wir selbst kommen ebenfalls immer wieder mit Ideen auf. So entsteht ein steter kreativer Fluss. Man kann also sagen, dass in solche Entscheidungen beinahe jeder involviert ist. Niemand entscheidet solche Dinge über die Köpfe der anderen hinweg.

gamona: Als „Starcraft 2“ damals angekündigt wurde, war ich ein wenig enttäuscht, weil ihr so wenig wagen wolltet. Mir haben z.B. die Heldeneinheiten aus „Warcraft 3“ gefehlt. Warum habt ihr euch bewusst dagegen entschieden, das Spiel einen Schritt weiterzuführen?

Rob McNaughton: Als wir damals „Warcraft 3“ entwickelten, wollten wir etwas völlig Neues erschaffen, ein Echtzeitstrategiespiel, das sich nicht nur von „Starcraft“ unterscheidet, sondern auch von den restlichen RTS-Titeln auf dem Markt. Wir wollen, dass diese beiden Franchises für sich allein stehen und sich voneinander unterscheiden – sprich: Helden in „Warcraft“, klassische Echtzeitstrategie in „Starcraft“.

"Die Geschichte ist das Beste, das wir bei Blizzard bisher gemacht haben"

gamona: Die Story ist ja eines der wichtigsten Features in „Starcraft 2“. Wie hoch würdest du persönlich denn die „Epicness“ der Geschichte einschätzen?

Rob McNaughton: (lacht) Episch ist genau das richtige Wort. Die Zwischensequenzen und die Art, wie wir die Geschichte erzählen, ist so mit das Beste, was wir bei Blizzard bisher gemacht haben. Es gibt eine ganze Stunde an Ingame-Cinematics, die Sprecher machen einen tollen Job – ich würde sagen, man kann den Story-Aspekt der Singleplayer-Kampagne durchaus mit einem Hollywood-Blockbuster vergleichen.

gamona: Müssen wir denn mit einem Cliffhanger am Ende von „Wings of Liberty“ rechnen? Es sollen ja noch zwei Episoden kommen.

StarCraft 2: Wings of Liberty - "Unsere Story ist eines Hollywood-Blockbusters würdig"

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Episch: Die Story spannt einen großen Bogen über die Trilogie, ist aber dennoch in jeder Episode abgeschlossen.
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Rob McNaughton: Wir haben versucht, einen Weg zu finden, die Story von „Wings of Liberty“ möglichst gut abzuschließen und trotzdem die Spannung für die kommenden Episoden hoch zu halten. Das ist uns gut gelungen, denke ich. Nichts wäre schlimmer, als die Spieler mit einem offenen Ende hängen zu lassen.

gamona: Der nächste Teil soll ja die Zergkampagne umfassen und „Heart of the Swarm“ heißen. Gibt es irgendwelche Neuigkeiten zum Fortschritt der Entwicklung?

Rob McNaughton: Also derzeit befinden wir uns gerade erst in der „Concept Art“-Phase für die Singleplayer-Kampagne, die eigentliche Storyline stand aber schon lange fest.

StarCraft 2: Wings of Liberty - Genial: Der Ghost of the Past-Trailer38 weitere Videos

gamona: Das heißt, es gibt eine große Storyline, die sich über die drei Kampagnen erstreckt und sowohl „Heart of the Swarm“ als auch „Legacy of the Void“ einspannt.

Rob McNaughton: Genau. Alle drei sind miteinander verzahnt, die am Ende eine große Trilogie ergeben. Das wird groß!

gamona: Eine große Stärke von „Starcraft“ war immer das perfekte Balancing im Multiplayerpart. Hat der lange Betatest euch noch viele Informationen geliefert?

Rob McNaughton: Den Betatest haben wir ja aus verschiedenen Gründen laufen lassen. Ein Teil davon war sicherlich, das Balancing zu testen. Ich glaube, durch unsere langjährigen Erfahrungen im E-Sport-Segment, sind wir da aber mittlerweile sehr sicher geworden. Als der Betatest startete, war das Balancing schon sehr viel fortgeschrittener als zum Launch von „Starcraft“ oder „Warcraft 3“. Daher haben wir in der Beta eher einen anderen Aspekt überprüft: Die Stabilität der Server und die Funktionalität des Battle.Net.

Vom Battle.net zu Arnold Schwarzenegger

gamona: Das neue Battle.Net ist ja tatsächlich eines der wichtigsten Features in „Starcraft 2“. Seid ihr mit dessen Entwicklung völlig zufrieden oder fehlen da noch ein paar Elemente?

Rob McNaughton: Wir sind schon sehr zufrieden, aber noch nicht ganz. Es gibt immer noch einige Dinge, die wir unbedingt ins Battle.Net integrieren wollten – das hätte jedoch das Spiel weiter und weiter verzögert. Wir werden diese Dinge also später nachpatchen. Da gibt es noch viele, viele Dinge, glaubt mir. Mein Lieblingsfeature sind übrigens die Achievements.

gamona: Die finden wir auch toll. Wir haben gehört, dass da so wahnsinnige Sachen dabei sind wie „Besiege zwei KI-Gegner auf höchster Schwierigkeitsstufe“. Wir schaffen nicht mal eine…

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Ultrahart: Rob McNaughton ist der Einzige, der drei KI-Gegner auf höchster Schwierigkeit besiegt hat.
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Rob McNaughton: Ich hab sogar schon drei KI-Gegner auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad besiegt – aber danach habe ich den Programmierern gesagt, dass sie das ändern sollen. Jetzt bin ich der Einzige, der das je geschafft hat. (lacht)

gamona: Was ist dein liebstes Feature im Spiel selbst? Gibt es da eine bestimmte Einheit oder eine besonders coole Zwischensequenz?

Rob McNaughton: Ihr werdet mich jetzt sicher auslachen, aber ich finde den „Tarneffekt“ der Einheiten sehr schön. Das klingt alles sehr einfach, aber in Spielgrafik ist dieser Unsichtbarkeitseffekt ziemlich schwer umzusetzen. Wir haben da lange dran gearbeitet – jetzt schimmern die Einheiten leicht und strahlen ganz sanftes Licht ab, wenn sie sich tarnen. Ihr könnt sagen, was ihr wollt, aber ich finde das richtig toll.

gamona: Was du scheinbar auch richtig toll findest, sind Filme: Wir haben in einer Biografie gelesen, dass dein Lieblinsgfilm „True Lies“ sei. Das ist ja nicht unbedingt die Art Film, die man normalerweise als seinen Lieblingsfilm nennt, oder? Liegt’s an James Cameron oder Arnold Schwarzenegger?

Rob McNaughton: (lacht) Woher weißt du das denn? Natürlich mag ich True Lies wegen Arnie. Aber eigentlich liebe ich diesen Film so sehr, weil er für mich nahezu perfekt ist. Es fängt alles mit einer Familiengeschichte an, plötzlich geschehen alle diese verrückten Dinge, die man sonst nur aus James-Bond-Filmen kennt und dann endet es wieder im Kreise der Familie. Es ist also nicht nur ein Actionfilm, sondern auch eine herzergreifende Geschichte.

StarCraft 2: Wings of Liberty - Thor redet wie Arnold Schwarzenegger!38 weitere Videos

gamona: Herzergreifende Geschichte… von der Seite haben wir „True Lies“ noch gar nicht betrachtet…

Rob McNaughton: Das ist wahrscheinlich eine ziemlich komische Art, „True Lies“ zu beschreiben, aber ich mochte genau dies an dem Film. Außerdem war es die damalige Zeit – als ich „True Lies“ zum ersten Mal sah, kamen gerade die DTS-Audiosysteme heraus. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was das für eine coole Erfahrung war.

gamona: Wenn du Arnie magst, empfehlen wir dir „The Expendables“.

Rob McNaughton: Nee, da habe ich ziemlich miese Kritiken gehört. Mein Hit des Jahres ist bisher „Kick-Ass“. Toller Film. Und noch viel besser: Schaut euch „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ an – der wird großartig.

gamona: Danke für das Interview, Rob.

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  • 37%Genial! Blizzard hat es mal wieder geschafft
  • 21%Bleibt mir bloß mit dem Hype-Mist vom Leib!
  • 14%Wahnsinns-Singleplayer-Erfahrung! MP interessiert mich nicht
  • 12%Klasse gemacht - mehr Innovation wär aber gut gewesen
  • 6%Dasselbe wie immer. Gähn!
  • 4%Bin etwas enttäuscht - da wäre mehr drin gewesen
  • 3%Ich bin echter E-Sportler! Multiplayer FTW
  • 2%Gutes Spiel. Aber CoH & Co. sind mittlerweile einfach besser
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