„Unsere finalen Eindrücke - kurz vor der Beta“, titelte unsere letzte Vorschau zum Multiplayer-Part von „Starcraft 2“. Da war es um die 28 Grad heiß, irgendwann im vergangenen Hochsommer. Blizzard ließ sich trotzdem Zeit, nahm auf unsere Überschrift keine Rücksicht. „Kurz“ ist sicherlich anders. Jetzt, ein dreiviertel Jahr später, dürfen wir endlich. Endlose Multiplayer-Schlachten schlagen. Einheitenwerte vergleichen. Das neue Battle.Net testen. Unsere gesammelten Eindrücke lest ihr hier.

StarCraft 2: Wings of Liberty - Midnight Opening - Die Tore öffnen sich38 weitere Videos

Neues, altes Spielgefühl

Zum allgemeinen Spielablauf brauchen wir wohl keine Worte mehr verlieren. Dass sich „Starcraft 2“ im Grunde wie sein altehrwürdiger Vorgänger anfühlt, haben wir bereits mehrmals berichtet, haben darauf hingewiesen, dass die Geschwindigkeit sich leicht erhöht, Upgrades nun schneller erforscht werden, Bauvorgänge beschleunigt wurden. Terraner, Protoss und Zerg konnten wir ebenfalls schon mehrmals anspielen, auch hier bleiben Rollenverteilung und Eigenarten gleich.

StarCraft 2: Wings of Liberty - So spielt sich die Beta

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Seit unserer letzten Preview hat sich nochmal Einiges getan.
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Trotzdem überraschen die ersten Minuten mit der Beta. Viele Einheiten wurden seit unserem letzten Testspiel (Juni 2009) noch einmal überarbeitet. Der mächtige Thor der Terraner diente 2009 noch als Flugabwehr-Bollwerk, jetzt befeuert er ausschließlich Bodenziele. Und das Mutterschiff der Protoss darf nun doch wieder ordentlich austeilen, nachdem man vergangenes Jahr vorübergehend eine reine Supporteinheit aus der schicken Alien-Untertasse gemacht hatte.

Etwas Umgewöhnung ist bei Zerg-Partien gefragt: Den sogenannten „Kriecher“, also jene schleimige Schicht, auf der die Zerggebäude errichten werden, erweitert man nun nicht mehr durch den Bau einer Tiefenkolonie, sondern durch die Overlords. Auf Befehl besprühen diese nun den Boden unter sich mit Kriecher-Sekret. Das gestaltet zwar den Zerg-Basenbau etwas flexibler, ist aber auch gefährlicher. Werden die Overlords abgeschossen, ist’s Essig mit der Immobilienplanung.

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Die Entwickler werden sich auch weiterhin der Wünsche der Spieler annehmen.
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Und in der Beta dürfte sich das Rad der Einheitenevolution stetig weiter drehen: Schon nach den ersten Tagen füllt sich das offizielle Starcraft-Forum mit Wünschen der Spieler. Aktuell werden die Tier-1-Einheiten als zu stark empfunden, ein kleiner Stoßtrupp der terranischen „Rächer“ kann z.B. im frühen Spiel mühelos eine ganze Basis einäschern. Manche der großen (und sündhaft teuren) Einheiten wie der Thor kippen hingegen nach wenigen Schüssen um – hier stimmt das Verhältnis von Schaden und Lebensenergie noch nicht.

Viele Matches sind dadurch relativ schnell vorbei – wir haben Partien erlebt, die keine 15 Minuten andauerten. Da macht es natürlich wenig Sinn zu „techen“, sprich Gebäude und Einheiten auf eine höhere Ausbaustufe upzugraden. Die berüchtigten Rush-Taktiken (also billige Massenproduktion in Kombination mit frühem Angriff) sind daher momentan sehr beliebt in vielen Spielen.

StarCraft 2: Wings of Liberty - Exklusive Screenshots aus der Beta

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Dennoch können wir die Balance bisher nur loben: Selbst auf die hinterhältigste Taktik können pfiffige Spieler eine Konter-Strategie ausmachen. Für blutige Anfänger – dass muss man an dieser Stelle der Fairness halber erwähnen – ist „Starcraft 2“ aber vor allem online nicht wirklich zu empfehlen. Der Micromanagement-Anteil hat sich aufgrund zahlreicher neuer Fähigkeiten sogar noch mal erhöht.

Ösi-Mechs und Ossi-Drohnen

„Wat willste – ick hab zu tun“, flappst es mit läppischer Stimme aus den Boxen. Wir stutzen kurz, klicken noch einmal auf den terranischen WBF, der uns abermals in feinstem Berlinerdeutsch ein läppisches „Jeht kla“ vor den Latz knallt. Daneben marschiert der bullige Supermech „Thor“, dessen Steuermann jeden „Arnold Schwarzenegger“-Stimmencontest gewinnen würde. „I’ll be back“, grunzt er nach dem dritten Klick – is klar…

Ja, es stimmt – viele Einheiten sprechen nun mit Dialekt. Ob man das mag oder nicht – lustig ist es allemal. Was ist aus den Klassikern geworden? Gibt’s natürlich auch noch: Die Protoss grüßen mit „My Life for Aiur“, „Battlecruiser operational“ bellt die Terranerflotte aus dem Cockpit und auf Seiten der Zerg müssen wir uns weiterhin mit “Rawwagggrrrmlllrr!” begnügen – die haben es ja nicht so mit der Aussprache.

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Lustig, aber gewöhnungsbedürftig: Die Einheiten sprechen Dialekt.
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Daneben gibt es jede Menge witziger Sprüche, die erst nach dem x-ten Klick auf die Einheiten im Spiel auffallen. Wie dieses Zitat der Rächer: „Ich bringe den Tod... und Pizza in weniger als 30 Minuten.“ Oder die Vikings, die irgendwann eine bekannte Zeichentrickmelodie zu summen beginnen: "Hey, Hey Viking hey, hey Viking hey". Sehr humorig gibt sich auch der Gost der Terraner: „Knapp vorbei ist auch daneben - außer bei Nuklearraketen.“

Gelungen ist schon jetzt die Atmosphäre von „Starcraft 2“. Neben den eingangs erwähnten Sprachsamples der Einheiten hat uns auch der Soundtrack gut gefallen. Der erscheint als zwar recht überraschungsfreie aber stimmige Neuinterpretation vieler klassischer Motive. Die alten Tracks erkennt man unter der frisch polierten Haube aber sofort. Für unseren Geschmack hätte es aber ruhig etwas epischer, sprich orchestraler werden können. Und noch ein Wunsch für die Verkaufsversion: ein dynamischer Score, der sich den Spielsituationen anpasst.

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Technisch kein Meisterwerk ist der Stil nichtsdestotrotz stimmig.
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Dass grafisch keine Wunder zu erwarten sind, wissen wir ja bereits seit der Ankündigung. Klar, „Starcraft 2“ ist ein deutlicher Schritt nach vorn im Vergleich zum Vorgänger – aber das ist ja auch nicht wirklich schwer. Klarer Fakt: Jeder aktuelle Konkurrent sieht schöner aus, die schicke Gestaltung macht aber vieles wett. Vor allem die Animationen (man beachte die pulsierenden Gebäude der Zerg) sind großartig.

Die Gestaltung der Maps orientiert sich stark an den Vorgängern: Hier ein Krater, dort eine neon-beleuchtete Space-Bar mit riesiger Werbetafel (auf denen natürlich wieder viele witzige Details zu erspähen sind), an anderer Stelle sorgen schicke Wettereffekte für sumpfige Matschstimmung auf legendären Karten wie „Lost Temple“. Im Multiplayer darf man diese Karten übrigens auch in einer Einsteiger-Variante auswählen – hier versperren große Felsblöcke die Eingänge zur Basis und schützen Anfänger so vor frühen Rushes.

Vernetzte Spielwelt

Die wichtigste Frage für viele Spieler lautet natürlich: „Was kann das runderneuerte Battle.Net?“ Ganz eindeutig lässt sich diese Frage noch nicht beantworten, manche Features sind bisher nur teilweise freigeschaltet (Liga), andere (etwa Achievements) noch gar nicht. Der „Social-Network“-Aspekt beschränkt sich derzeit auf Freundeslisten und die Möglichkeiten von Instant-Messages und Chats – sogar während des laufenden Spiels.

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Mit Starcraft 2 geht das neue Battle.Net an den Start.
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Ein großer Motivationsfaktor sollen online später die Ligen werden. In der Beta absolvieren wir zunächst ein paar Übungsmatches, in denen das System unsere Leistung einschätzt. Danach werden wir in eine von drei Ligen eingeteilt – gold, silber und bronze stehen ähnlich wie beim Fußball für das Fähigkeitenniveau. Durch Siege und Niederlagen kann man sich hier nun nach oben kämpfen – oder absteigen, wenn es schlecht läuft.

Das Ligasystem ist allerdings derzeit etwas undurchsichtig: Weder ist klar, welche Faktoren für einen Auf- oder Abstieg berücksichtigt werden (sprich: Wie viele Siege brauchen wir? Wie viele Niederlagen können wir uns leisten?), noch kann man die Ligatabellen einsehen. Hier wird Blizzard aber spätestens zum Verkaufstart nachrüsten (müssen) – wir hoffen inständig, dass man sich nicht zu sehr am gescheiterten PVP-Rangsystem von World of Warcraft orientiert.

Ansonsten erwähnenswert: Replays werden nun automatisch gespeichert. Nach einem Match kann man sich in den umfangreichen Tabellen die Auswertung der Partie ansehen und neben üblichen Werten (Einheitenzahl, meiste Kills) nun auch die Baureihenfolge jedes Spielers analysieren. So können auch Anfänger ihr Spiel stetig optimieren.

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Mehr Infos zu Starcraft 2 auf unserer Starcraft-Seite