Fünf Jahre nach der Veröffentlichung von Starcraft 2 gibt es jetzt das große Finale. Den Abschluss der Trilogie hat Blizzard als Standalone-Abenteuer konzipiert, sprich: Ihr müsst keinen der Vorgänger besitzen, um das Ende miterleben zu können. Damit ihr von der verworrenen, weltenumspannenden Geschichte aber überhaupt etwas rafft, bietet man euch ein mehrminütiges „Was bisher geschah“-Video an, das die Handlung der ersten beiden Teile zusammenfasst.

Gleich zu Beginn sage ich einfach mal etwas, das viele als Frevel ansehen könnten: Was Call of Duty für Actionspieler ist, ist wohl Starcraft 2 für Echtzeitstrategen. Die Story erfüllt nicht höchste Ansprüche, aber die Blockbuster-Inszenierung stimmt. Gerade in Sachen bombastischer Zwischensequenzen kann kaum jemand Blizzard etwas vormachen und die Entwickler bleiben sich diesbezüglich treu.

Kein Amen für Amon

Diesmal schlüpfe ich (meist) in die Rolle des Protoss-Hierarchen und Kriegshelden Artanis. Ich erhalte die Aufgabe, mein Volk zu vereinen, um die von den Zerg überrannte Heimatwelt Aiur zurückzuerobern - gar keine so einfache Aufgabe, wie sich im Laufe der Kampagne herausstellt. Oberfiesling Amon ist zurück und die dunkle Gottheit will mit seiner Hybriden-Armee nicht weniger, als alles Leben in der Galaxis auszulöschen. Dafür hat er sich einiges ausgedacht, mit dem er mir die Schweißperlen auf die Taktik-Stirn treibt. Nicht nur, weil die Handlung bereits relativ früh einen unerwarteten Twist bereithält und einige der formidablen Zwischensequenzen sogar Star-Wars-Feeling verbreiten. In der düsteren Stimmung des Spiels mit ihren verzweifelten Verteidigungsschlachten hat der Feind immer wieder gemeine Überraschungen parat. Auch bekannte Charaktere wie Jim Raynor und Sarah Kerrigan sind wieder an Bord.

StarCraft 2: Legacy of the Void - Schere, Stein, Protoss

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Die 19 Missionen bieten genügend Abwechslung, um über Stunden sehr gut zu unterhalten.
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Der spielerische Unterbau des Spiels hat sich natürlich im Vergleich zu früheren Starcraft-Games nicht verändert. Die Grundlage ist - es sei für diejenigen gesagt, die den Namen zum ersten Mal hören (weil sie in den letzten 17 Jahren unter einem Stein gelebt haben) - noch immer ein Echtzeitstrategiespiel, in dem man Ressourcen beschafft, um seine Basis aufzubauen und eine Armee zu rekrutieren, um den bösesten Buben des Universums in den Hintern zu treten.

Die vielleicht größte Neuerung ist unser Mutterschiff, der Speer des Adun. Es dient nach der dritten Hauptmission als Operations-Basis, auf der man seine Einsätze vorbereitet. Da ist zum Beispiel der Kriegsrat, in dem ich die Einheiten für den nächsten Level aussuche. Jeden Einheitstyp gibt es in drei Ausführungen, zwischen denen man wählen kann (wobei die Dritte erst etwas später freigeschaltet wird). Dazu gehören Nahkämpfer wie der Berserker oder Prätorianer bzw. Fernkampf-Einheiten wie Hetzer oder Dragoner. Jede Einheit hat ihre spezifischen Stärken und Schwächen und dementsprechend muss man auf ein gutes Gleichgewicht achten. Hetzer können sich etwa teleportieren, während Dragoner Bonusschaden gegen gepanzerte Einheiten verursachen. Es gibt jedoch noch acht weitere Einheitentypen, die ich hier aber nicht spoilern möchte.

Packshot zu StarCraft 2: Legacy of the VoidStarCraft 2: Legacy of the VoidErschienen für PC kaufen: ab 30,69€

Nach jeder Mission lassen sich diese Einstellungen nach Belieben verändern, was experimentierfreudige Naturen begrüßen werden. Die Brücke dient als Missionshub, wo ihr eure Aufträge aussucht, teilweise wählt ihr dort zwischen unterschiedlichen Planeten - eine Auswirkung auf die Handlung hat diese Entscheidung nicht. Die dritte wichtige Funktion des Schiffs ist der Solarkern, hier lassen sich die Kampfsysteme des Speer von Adun anpassen. Das bedeutet: Ich kann einige Spezialfunktionen auswählen, auf die ich in den Missionen zugreife - das Schiff dient dann quasi als orbitale Kampfstation, die uns mit Beschuss aus dem All unterstützt, Energiepods liefert, die Feinde für ein paar Sekunden einfriert oder mir Verstärkungen sendet. Welche Funktionen ich aktivieren kann, hängt von der Menge Solarit ab, die ich in den Missionen sammele (meist als optionaler Bonusauftrag).

Tadelloses Echtzeitstrategiespiel mit guten Neuerungen. So langsam wirkt die Engine nur nicht mehr zeitgemäß.Fazit lesen

Dabei unterscheidet das Spiel zwischen passiven und aktiven Fertigkeiten - während wir etwa verschiedene Orbitalwaffen manuell auslösen, kann ich auch (zusätzliche) Ressourcen sammeln lassen, ohne selbst einen Finger krumm machen zu müssen. Wer zu viel Solarit übrig hat, kann außerdem die Startbedingungen für jede Mission noch ein wenig vorteilhafter gestalten. Das Gute: Auch hier hat Blizzard ein spielerfreundliches System implementiert: einmal gewonnenes Solarit geht nicht verloren - ich kann es also munter zwischen den verschiedenen Punkten hin und her verschieben. Nach jeder Runde kann ich auf diese Weise meine Taktik ändern, wenn ich möchte. Und wenn ich noch mehr Rohstoff brauche, kann ich im Schiffsarchiv ältere Missionen abrufen und neu zocken, um nach Solarit zu suchen. Für den Abschluss des Spiels ist das jedoch nicht notwendig.

StarCraft 2: Legacy of the Void - Schere, Stein, Protoss

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Die Zwischensequenzen sind - typisch Blizzard - mal wieder spitze.
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In den Missionen (jeweils ca. 15 bis 45 Minuten lang) wird das Wort Abwechslung ziemlich groß geschrieben. Natürlich geht es in der Regel darum, meine Basis mithilfe von Ressourcen aufzubauen, eine schlagkräftige Armee aufzurüsten und dann den Gegner platt zu machen. Aber die Mischung der 19 Missionen macht‘s, weil die Reihenfolge nicht immer klassischen Regeln folgt. Manchmal starte ich schon mit einer kleinen Start-Truppe, boxe mich durch feindliches Gebiet und finde dann erst verlassene Anlagen, die ich wieder aufpeppe. Anfangs renne ich gar mit einer riesigen Streitmacht los und mähe alles um, was nicht bei drei weggewarpt ist.

Dann wieder muss ich im Rennen gegen die Zeit dafür sorgen, dass eine fliegende Waffenplattform nicht auf eine Stadt stürzt. Dabei lässt uns aber der Feind nur selten in Ruhe, weshalb ich darauf achten muss, nicht nur meine Armee zu pushen, sondern auch Verteidigungsanlagen zu errichten - das ist teilweise ziemlich tough. Immer wieder piesacken mich Zerg oder Moebius-Attacken und halten mich so auf Trab. Unter‘m Strich bietet Legacy of the Void das, was sich Fans davon versprechen: eine gute Mischung aus Strategie und Action - mal verteidige ich meine Basis, dann wieder bin ich mit Helden unterwegs oder erobere Zielobjekte.

StarCraft 2: Legacy of the Void - BlizzCon 2014 Cinematic Trailer2 weitere Videos

Das Interface funktioniert hervorragend, selbst in stressigen Momenten habe ich immer das Gefühl, das Mikromanagement der Einheiten und Gebäude unter Kontrolle zu haben. Das einzige Problem, dass ich mit „The Void“ habe, ist die isometrische Kameraperspektive: Für meinen Geschmack ist sie zu nah am Geschehen dran, ich würde aber gerne ein bisschen mehr Überblick über alles haben. Grafisch zeigen sich langsam die Limitierungen der fünf Jahre alten Engine (wenn man den Beginn der Entwicklung nimmt, sind es wohl eher sieben), gerade an den Details hapert es doch zusehends, auch wenn die Kampf-Effekte noch immer hübsch anzuschauen sind. Und wenn ich schon in der „technischen Abteilung“ gelandet bin, ein paar Worte zur Akustik: Gewohnt orchestral knallt der Soundtrack aus den Boxen (ihr könnt übrigens auch aus älteren Starcraft-Musiken auswählen) und unterstützt das dramatische Bildschirmgeschehen tadellos. Ähnliches gilt für die Soundeffekte - auch wenn ich schon nach relativ kurzer Zeit die sich ständig wiederholenden Sätze der Einheiten nicht mehr hören kann.

Mit oder gegen andere?

Was den Mehrspieler-Teil betrifft, bin ich ehrlich gesagt für die meisten Gegner nur ein leichtes Opfer, da ist mir SC viel zu hektisch. Blizzards Neuerungen werden aber sicherlich für Gesprächsstoff sorgen, denn der Entwickler führt mehrere neue Einheiten ein: den Adepten und den Disruptor der Protoss, was Spielern mehr Firepower gegen Feindeshorden in die Hand gibt. Terraner verfügen nun dagegen über den Zyklon und den Falken während die Zerg auf Verheerer und Schleicher zugreifen können. Kleinere Änderungen gab es am Matchbeginn, wo man mit weniger Ressourcen startet, aber dafür mehr Arbeiter zur Verfügung hat. Das führt dazu, dass die Action ein bisschen schneller startet, aber das kann auch meine subjektive Erfahrung sein. Zusätzlich gibt es jetzt tägliche Turniere, ich habe eins gespielt (und hochkant verloren), wo es im 1vs1 ohne Level-Zugangsbeschränkungen zur Sache ging.

StarCraft 2: Legacy of the Void - Schere, Stein, Protoss

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Im Koop-Modus zockt man zu zweit gegen Amons Horden.
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Wenn ihr euch den Stress (oder Spaß) der Mehrspieler-Partien ersparen wollt, sind vielleicht die neuen Koop-Missionen einen Blick wert. Dort kann man verschiedene Missionen zu zweit zocken. In „Verbündete Kommandanten“ führt man etwa Helden wie Raynor oder Artanis in die Schlacht. Die Missionsziele sind in etwa so vielseitig wie die der Hauptkampagne, sind aber derart an zwei Spieler angepasst, dass sie allein kaum zu packen wären. Die Kommandanten steigen im Level auf, wodurch neue Einheiten und Upgrades freigeschaltet werden. Noch enger rückt man im Archon-Modus zusammen, wo beide Spieler dieselbe Basis kontrollieren und gegen zwei Feinde antreten. Ein guter Weg für Anfänger mit erfahrenen Spielern zu zocken und sich ein paar Tricks abzugucken.

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