Maurice “Amazing” Stückeschneider ist einer der erfolgreichsten eSportler Deutschlands: Mit TSM gewann der Jungler die NA LCS, mit Origen schaffte er es bis ins Worlds Halbfinale. Nach einer schwachen 2016 Saison mit Origen, entschloss sich Amazing jedoch ein Teil des Veteranenteams Fnatic zu werden. Wir haben uns nach dem EU-LCS Spiel gegen Roccat mit Amazing hingesetzt, um ein wenig über deutsche Teams, andere deutsche Spieler sowie die Möglichkeit einer League of Legends-EM zu reden.

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Hi Amazing, nach einer schwierigen letzten Saison bei Origen bist du jetzt bei Fnatic gelandet. Wie hast du dich bislang bei Fnatic eingelebt? Rekkles hatte dich ja jüngst sehr gelobt: Er meinte, dass du immer sehr hart arbeitest und große Anforderungen an dich selbst setzt?

Das ist natürlich auch sehr wichtig. Ich denke, dass Spieler, die etwas älter sind und schon seit drei, vier Jahren spielen, in den meisten Fällen ihre Ambitionen verlieren und nicht wirklich gewinnen wollen. Aber ich habe mir das Ziel gesetzt, die EU LCS mindestens einmal zu gewinnen, auch, weil damit ich der einzige Spieler wäre, der sowohl die NA als auch die EU LCS mindestens einmal gewonnen hat. Und selbst danach würde ich meinen Titel verteidigen wollen; diese Ambitionen haben nicht viele ältere Spieler, zu diesem Feld gehöre ich mit meinen 22 Jahren eben auch schon dazu.

Was hältst du davon, dass jetzt viele 17-jährige in die LCS einsteigen, wie Caps oder Hans Sama beispielsweise?

Es hat Vor- und Nachteile: Man muss natürlich vorher sicherstellen, dass die Neuankömmlige auch außerhalb des Elternhauses selbstständig zu versorgen wissen. Im Gaming-Haus zu leben ist nicht so leicht wie viele vermuten. Man hat Konflikte, man fühlt sich möglicherweise bedrängt, man hat einfach die Geborgenheit nicht mehr, die man von Zuhause aus kennt. Das kommt natürlich aber auch immer auf die Persönlichkeit an, Caps beispielsweise hat sich sehr gut eingelebt. NicoThePico hat da auch enorm weitergeholfen.

Hat sich Jesiz ähnlich gut eingelebt?

Auf jeden Fall. Er hatte natürlich schon Erfahrungen, sowohl als Spieler als auch als Coach bei Immortals. Grundsätzlich könnte er sich aber wahrscheinlich in jedes Team gut einfügen: Er gibt Mitspielern viel Freiraum und beansprucht nicht viel für sich selbst. Ich bin sehr positiv überrascht. Ich hatte diesbezüglich eigentlich nie negative Erfahrungen im eSport, aber er ist wirklich was besonderes.

Was hältst du, rückblickend, von deiner Zeit bei Origen?

Wenn man ehrlich ist, ist die Saison sehr schlecht geendet. Dementsprechend war es auch nicht schwer zu einem anderen Team zu wechseln. Ich fühle mich trotzdem etwas dafür verantwortlich, dass Origen so einen qualitativen Abstieg erlebt hat. Allerdings konnte ich in vielen Spielen auch nicht so viel ausrichten, weil unsere gesamte Teamsituation nicht ideal war. Ich fühle mich ein wenig schuldig, aber aufgrund der Dinge, die innerhalb der Organisation geschahen und der Spieler, die das Team zum Anfang der Sommersaison verließen, konnte ich auch nicht viel an der Gesamtsituation ändern.

Wie verlief der Übergang zu Fnatic?

Sehr gut! Fnatic war schon recht früh an meiner Person interessiert. Fnatic hat daraufhin auch alles in die Wege geleitet, damit ich mich vernünftig einleben kann, hat die Bekanntmachung des Teams sehr professionell in die Wege geleitet.

Wie darf man sich Fnatic als Organisation vorstellen, gerade im Vergleich zu anderen EU-Teams?

Fnatic ist die wohl prestigereichste und professionellste Organisation in Europa derzeit. Wir haben einen Coach, einen Assistant Coach, einen Mental Coach als auch einen Analyst/Scout und ein Gaming-Haus, wo jeder Platz für sich hat. In dem Sinne ist Fnatic eine der wenigen Organisationen, die sowas überhaupt in Europa bieten können. Natürlich hat Fnatic auch als eines der wenigen Teams, vielleicht noch neben PSG oder Schalke, das Budget um sowas zu deichseln.

Könntest du dir vorstellen eines Tages für ein deutsches Team wie Schalke 04 zu spielen?

Also erstmal habe ich natürlich noch einen Vertrag bei Fnatic, der über die nächsten zwei Jahre läuft. Was danach kommt, kann man jetzt schwer abschätzen, aber grundsätzlich stehe ich deutschen Teams sehr offen gegenüber. Ich finde nicht, dass deutsche Teams anderen hinterherhinken was das Investment angeht, im Gegenteil: Roccat beispielsweise legt sehr viel Wert darauf, dass sich die Spieler wohlfühlen und gut versorgt sind, bei Schalke ist es ähnlich. Es ist ein gutes Zeichen, wenn primär in Spieler investiert wird und die Spieler an erster Stelle stehen.

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