Wenn man über Blizzard-Spiele eines sagen kann, dann dass sie in den meisten Fällen hochgradig suchterregend sind. Das neueste Beispiel heißt Hearthstone: Heroes of Warcraft und wildert im Free-to-Play-Bereich, von dem sich Blizzard bisher noch fernhielt. Die EU-Beta gibt erste Einblicke.

Wer kennt die lodernde Leidenschaft, wenn man einem Trading-Card-Game anheimfällt? Die Sammelwut, die spannenden Zweikämpfe und der Drang nach der nächsten großartigen Karte, die man unbedingt in einem Spiel einsetzen will, treiben mühelos von Match zu Match und lassen die Zeit wie im Flug vergehen. Bevor ihr euch in Hearthstone in packende Duelle stürzen könnt, müsst ihr zunächst das Tutorial absolvieren.

Dieses ist nicht optional und besteht aus insgesamt sechs kleinen Testspielchen mit den Grundlagen. Besonders Warcraft-Veteranen werden an dieser Stelle bereits durch die markanten Gegner und wunderbaren Sounds der Originalsprecher verzaubert. So findet ihr euch beispielsweise im Kampf mit Milhaus Manasturm oder Hemet Nessingwary wieder und die Krone des Ganzen ist das Abschlussmatch gegen niemand Geringeren als Illidan Stormrage persönlich, der euch mit dem legendären Zitat "You are not prepared!" begrüßt.

Im Spiel selbst übernehmt ihr die Kontrolle über einen von insgesamt neun verschiedenen Helden, die jeweils eine Klasse des Warcraft-Universums symbolisieren, und müsst dem gegnerischen Helden das Fell über die Ohren ziehen. Dazu stärken jedem Spieler 30 Trefferpunkte den Rücken, die man mithilfe von Monstern und Zaubern zusammenschmelzen lassen muss. Eine Kreatur verfügt dabei über einen Angriffswert, der ihren verursachten Schaden angibt, und einen Gesundheitswert. Dazu kommen diverse Nebeneffekte, beispielsweise Windfury, was es einem Diener gestattet, zweimal pro Runde anzugreifen.

Hearthstone: Heroes of WarCraft - "Nur noch ein Match"

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Sämtliche Karten sind tief im Warcraft-Universum verankert.
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Zum Ausspielen von Dienern und Zaubern wird Mana verwendet, genauer gesagt Manakristalle. Davon steht jedem Spieler zu Beginn des Abenteuers einer zur Verfügung, und mit jeder weiteren Runde erhöht sich die Menge um einen.

Diese Kristalle werden zu Beginn jedes neuen Zuges wieder aufgefüllt und sorgen dafür, dass sich ein Match anfangs noch ziemlich entspannt anfühlt, im Laufe der Zeit aber mehr und mehr Fahrt aufnimmt. Das Deck, mit dem ihr in Hearthstone zum Duell antretet, besteht im Moment aus nicht mehr und nicht weniger als 30 Karten, was verglichen mit anderen Trading-Card-Games im Grunde ziemlich wenig ist.

Apropros Karten: Wie bereits erwähnt stehen euch mit Magier, Priester, Hexenmeister, Druide, Schurke, Jäger, Schamane, Krieger oder dem Paladin neun Helden zur Auswahl, und von diesen bringt auch jeder seine ganz eigenen Karten sowie eine Spezialfähigkeit mit ins Spiel. Hearthstone unterscheidet zwischen neutralen Karten, die jeder Held spielen kann, und Klassenkarten.

Letztere stehen nur dem dazugehörigen Helden zur Verfügung und unterstützen normalerweise einen bestimmten Spielstil. Besonders unterhaltsam daran ist das Anlehnen der Karten und ihrer Effekte an das Warcraft-Universum, sodass euch viele davon auf Anhieb vertraut vorkommen werden, beispielsweise die „Arkane Explosion“ vom Magier, die jedem Feind auf dem Spielfeld etwas Schaden zufügt.

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Wer hat, der kann

Und genau hier bläst der frische Wind auch das Haar in die Suppe, leider. WoW-Spieler kennen das Problem mit dem Klassen-Balancing bereits, und auch wenn in Hearthstone zwei Klassen (Mönch und Todesritter) weniger zur Verfügung stehen, ist das Austarieren eines Trading-Card-Games allgemein schon eine ziemlich umfangreiche Geschichte. Bei den Beta-Testspielen stellten sich daher bereits jetzt einige Unstimmigkeiten heraus.

Warcraft meets Trading-Card-Spiel. Ein suchterregendes Vergnügen, bei dem nicht nur Warcraft-Fans auf ihre Kosten kommen werden.Ausblick lesen

Der Magier ist beispielsweise sehr stark und besitzt mächtige Klassenkarten, Krieger hingegen wirkte bisher etwas schwächlich. Dies mag ein persönlicher Eindruck sein. Das Spiel ist erst in der geschlossenen Betaphase und es werden sich mit Sicherheit noch einige Dinge ändern. Allerdings bleibt die Frage, ob Blizzard es wirklich schaffen wird, alle Helden ungefähr gleichwertig zu gestalten.

Wenn wir schon bei Unausgeglichenheiten sind, gehen wir kurz in den Ingame-Shop, der nach seinem Einmarsch in die World of Warcraft natürlich auch bei einem Free-to-Play-Spiel aus dem Hause Blizzard nicht fehlen darf. Für 2,69 Euro könnt ihr euch beispielsweise zwei Boosterpacks mit insgesamt zehn Karten kaufen oder für die Hartgesottenen gleich 40 Booster für rund 45 Euro.

Das allein ist natürlich keine hundertprozentige Garantie für die genau richtigen und starken Karten, die man haben möchte, allerdings hat sich Blizzard noch etwas anderes einfallen lassen, woraus man Vorteile ziehen kann: Crafting.

Aus Müll mach Gold

Dahinter verbirgt sich im Grunde nichts anderes als das Zerlegen von Karten und das erneute Zusammensetzen. Habt ihr zum Beispiel eine Karte dreimal, dann könnt ihr eine davon entzaubern, da ihr von jeder Karte nur maximal zwei Stück im Deck haben dürft. Ihr erhaltet dadurch etwas arkanen Staub und könnt mit der richtigen Menge wieder neue Karten herstellen. Dies geschieht aber nicht zufällig, sondern ihr könnt gezielt entscheiden, welche Karte ihr herstellen möchtet.

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Besonders mächtige oder legendäre Exemplare kosten natürlich auch sehr viel, aber man merkt bereits, dass durch dieses System vor allem den Leuten geholfen wird, die regelmäßig Pech haben bei Boosterpacks. Im Gegenzug muss man sagen, dass Hearthstone zwar nicht als Pay-to-win-Spiel ausgelegt ist, aber jemand, der 100 Euro in das Spiel investiert, wird auf jeden Fall einen Vorteil haben, da er die unnützen Karten einfach entzaubern und passende Karten herstellen kann.

Glücklicherweise sorgt das aktuelle Match-Making-System, das in der Beta für die Wahl eures Gegners verantwortlich ist, dafür, dass ihr nur mit Leuten konfrontiert werdet oder werden solltet, die sich ungefähr auf eurem Niveau befinden. Im schlimmsten Fall müsste man also nur eine Runde gegen ein solches Überdeck spielen, im Anschluss würde euch das System neu einstufen und ihr bekämt es in kommenden Spielen wieder mit passenden Gegenspielern auf Augenhöhe zu tun.

Es gibt übrigens noch eine weitere Möglichkeit, um in Hearthstone etwas Geld loszuwerden: den Arena-Modus. Dort dürft ihr nicht mit euren eigenen Karten antreten, sondern müsst zu Beginn ein neues Deck erstellen. Dabei erscheinen nacheinander drei Karten, von denen ihr euch eine aussuchen müsst. Die anderen beiden verfallen und es kommt die nächste Welle mit wieder drei Karten.

Hearthstone: Heroes of WarCraft - Videoeinblick in den Practice Mode16 weitere Videos

Ihr wiederholt diesen Vorgang, bis ihr eure 30 Karten zusammen habt, und beginnt dann das Spiel. Je öfter ihr gewinnt, desto hochwertiger sind die Belohnungen am Ende. Sobald ihr drei Spiele verloren habt, scheidet ihr aus der Arena aus, euer dort erstelltes Deck wird zerstört und ihr erhaltet gemäß eurer Siege eine Belohnung.

Während der erste Durchgang noch kostenlos ist, erfordert jeder weitere Besuch stattliche 150 Goldstücke oder eben ein paar Euro. Allerdings macht dieser Modus deshalb auch mit am meisten Spaß, da ihr etwas dafür tun, euch anstrengen müsst, um Zutritt zu erlangen.