Je nachdem, ob ihr 120 Karten und einen (für den E-Sports-Bereich unerlässlichen) Zuschauermodus als vollwertige Erweiterung durchgehen lasst, schlägt mit Goblins gegen Gnome nun die erste für Blizzards Kartenspiel Hearthstone auf. Leider gab es gerade in Europa jede Menge Schwierigkeiten bei der Aufspielung, sodass Spieler fast 24 Stunden länger auf die neuen Inhalte warten mussten als ursprünglich geplant. Am späten Dienstagabend vergangener Woche war es dann aber doch endlich soweit – doch hat sich das Warten auch gelohnt?

Hearthstone: Goblins vs. Gnomes - BlizzCon 2014 Intro Trailer

Ob gewollt oder nicht, inzwischen hat so ziemlich jeder zumindest von Hearthstone gehört, Blizzards Online-Sammelkartenspiel im Warcraft-Universum. Nicht alle waren von Anfang an Feuer und Flamme für das Projekt, denn von vielen Seiten wurde „Spektakuläreres“ von den Machern von Blizzard erwartet. Doch auch viele positive Stimmen waren zu hören. Diese freuten sich über ein anspruchsvolles Sammelkartenspiel, das man einfach mal kurz zwischendurch spielen kann.

Zur Veröffentlichung hatte Hearthstone 378 Karten für uns in petto, die sich in 133 Basiskarten und 245 Profikarten aufteilten. Dies war natürlich eine recht überschaubare Anzahl an Karten, gerade wenn man Hearthstone mit anderen Platzhirschen wie Magic: The Gathering oder auch Might and Magic: Duel of Champions vergleicht. Doch konnten sich diese bislang über viele Jahre hinweg entwickeln – und mit Goblins gegen Gnome ist es nun auch für Hearthstone an der Zeit, sich weiterzuentwickeln.

Hearthstone: Goblins gegen Gnome - Mau-Mau war gestern

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Die Gnome sind da!
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Fluch von Naxxramas

Bereits einen Monat nach der ursprünglichen Hearthstone-Veröffentlichung kündigte Blizzard die erste „Erweiterung“ an, wobei es sich um das Solo-Abenteuer namens Fluch von Naxxramas handelte. Einem Szenario also, das viele „World of Warcraft“-Spieler bestens aus Classic- bzw. „Wrath of the Lich King“-Zeiten kannten. Zur Veröffentlichung von Naxxramas standen uns die fünf neuen Flügel jedoch nicht zeitgleich zur Verfügung. Stattdessen erfolgte die Freischaltung in einem wöchentlichen Zyklus.

Insgesamt 15 Bosse standen den Spielern dann in drei verschiedenen Spielmodi (normal, schwer und heroisch) zur Verfügung, wobei man allerdings nur den ersten Flügel im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten kostenlos spendiert bekommen hatte – alle weiteren Flügel und Bosse mussten gegen Bares oder gegen Ingame-Gold erkauft werden. Neue Karten hatte der Fluch von Naxxramas dann selbstverständlich auch zu bieten, wobei die Anzahl relativ überschaubar war: 30 Karten fanden den Weg ins Spiel. Insgesamt fielen die Reaktionen der Spielerschaft sehr positiv aus, lediglich bei der Umsetzung und der Anzahl an neuen Karten hatte man sich teilweise etwas mehr erwartet.

Packshot zu Hearthstone: Goblins vs. GnomesHearthstone: Goblins vs. GnomesErschienen für PC

Goblins gegen Gnome – Die erste „wirkliche“ Hearthstone-Erweiterung

Wenn man seitens der Spieler Kritik zu Hearthstone zu hören bekommt, läuft diese meistens auf mehr Karten und somit ein breiteres Meta-Spiel hinaus. Zwar wurde die Anzahl der Karten mit Fluch von Naxxramas auf über 400 erhöht, dennoch gibt es nur eine recht überschaubare Anzahl an Decks und der entsprechenden Varianten, denen man im gewerteten Spielmodus begegnet – vor allem, wenn man auf den oberen Stufen der Rangliste angekommen ist.

Goblins gegen Gnome ist eine würdige erste Erweiterung zu Hearthstone und bringt genau das, auf was viele Spieler gewartet haben: viele neue Karten und ein breiteres Meta-Game.Fazit lesen

So kann es durchaus passieren, dass man in mehreren aufeinanderfolgenden Spielen immer wieder auf die gleichen Klassen trifft, die zudem sehr oft identische oder zumindest ähnliche Decks spielen. Genau hieran hatte Hearthstone bislang so seine Probleme, doch mit der Veröffentlichung von Goblins gegen Gnome soll sich dies ändern.

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Insgesamt 123 neue Karten bringt Goblins gegen Gnome auf die Waage, was ziemlich okay ist.
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Thematisch gesehen versetzt uns GvG in die hitzige Rivalität der beiden namensgebenden Warcraft-Völker, wobei die gewieften Goblin-Ingenieure auf ihr gnomisches Pendant treffen. Trotz aller Feindschaft zwischen den beiden Völkern haben sie eines gemeinsam: ihre Liebe für verrückte Basteleien, aus denen oft unglaubliche mechanische Konstrukte und skurrile Erfindungen entstehen, die dann auch gerne mal zum Explodieren neigen oder anderen Unsinn anstellen, der so eigentlich nicht eingeplant war.

Die neuen Karten

Schauen wir nun mal genauer auf die Karten, die Goblins gegen Gnome ins Spiel brachte. Davon gibt es genau 123 und ausgegeben werden sie in speziellen GvG Booster Packs. Die Preisstruktur hat man dabei beibehalten, die neuen Packs kosten also auch weiterhin 100 Gold oder eben Bares, wobei es hier die gewohnten Staffelungen gibt. Ebenso können wir die neuen Karten wie gewohnt mit Arkanem Staub herstellen und auch hier hat sich an den Kosten für die verschiedenen „Güteklassen“ nichts geändert. Eine sicherlich gute Entscheidung von Blizzard war es, die neuen Kartenpacks als Belohnung nach der Absolvierung einer Arena-Runde auszugeben, denn die meisten Spieler dürften inzwischen ja fast alle Classic-Karten besitzen und somit hat man natürlich auch den Anreiz des Arena-Modus etwas erhöht.

Jede der neun Hearthstone-Klassen erhält acht neue Klassenkarten, somit hätten wir also schon 72 der neuen Karten eingeordnet. Dazu kommen 51 neue neutrale Karten, die jeder Klasse zur Verfügung stehen. Von diesen neutralen Diener-Karten sind zehn der Güteklasse „Selten“ zugehörig, acht der Karten sind von „epischer“ Qualität und sicherlich das Interessanteste für die Spieler: Elf neue legendäre Diener dürfen nun fleißig gesammelt werden.

Neue Legendaries braucht das Land – Verrückte Ideen und Spielereien

Gerade bei der Gestaltung dieser „Legendaries“ haben sich die Entwickler kaum Grenzen gesetzt – eine weitere „Reminiszenz“ an die beiden namensgebenden Warcraft-Völker. Da gibt es etwa Sneeds alten Schredder, der beim Ableben einen zufälligen legendären Diener für uns herbeiruft, oder auch Blingtron 3000, der beim Ausspielen beiden Spielern eine zufällige Waffe anlegt. Nichts für schwache Nerven ist Dr. Bumm, der beim Ausspielen zwei Bummbots mit auf das Board bringt, die beim Ableben je 1 – 4 Schaden an einem zufälligen feindlichen Charakter verursachen.

Einer meiner persönlichen Höhepunkte ist in dieser Hinsicht Mimirons Kopf. Wenn wir (mit diesem Diener auf dem Board) zu Beginn unseres Zuges über mindestens drei Mech-Diener auf dem Spielbrett verfügen, werden diese zerstört und dazu verwendet, einen V-07-TR-0N zu bilden, einen (nicht sammelbaren) legendären Diener mit vier Angriffs- und acht Lebenspunkten. Dieser kann dann auch gleich so richtig loslegen – und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn er hat nicht nur Ansturm und darf somit gleich angreifen, sondern er verfügt auch über Super-Windzorn, was es uns erlaubt, viermal pro Runde mit diesem Diener anzugreifen.

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Mimirons Kopf ist eine der kreativsten neuen Karten.
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Alles in allem ist es wirklich schön zu sehen, wie viel Liebe und Ideenreichtum die Entwickler gerade bei der Gestaltung der neuen legendären Karten haben einfließen lassen. Somit fühlen sich diese Karten auch wirklich legendär an und bieten einen großen Anreiz, gesammelt werden zu wollen.

Mechs, Oger, Ersatzteile und Piraten

Mit dem Veröffentlichung von Goblins gegen Gnome hat Blizzard das Spiel um eine neue Kreaturenklasse erweitert: die Mechs. Diese Mechs stellen im Spiel die verrückten Erfindungen der beiden namensgebenden Völker dar, die dann auch oft eine große Prise Zufall mit sich bringen. Stellvertretend hierfür sei der Aufwert-o-Bot genannt, der beim Ausspielen allen unseren Dienern auf dem Spielbrett ein zusätzliches Attribut (Windzorn, Spott oder Gottesschild) verleiht, wobei diese natürlich passenderweise zufällig vergeben werden.

Solche mechanischen Konstrukte machen selbstverständlich einen Heidenlärm und dieser ruft die grobschlächtigen Oger auf den Plan, die gerne und auch kräftig austeilen können – leider aber nicht immer sehr zielgenau. In Goblins gegen Gnome stellen diese neuen Oger-Diener sozusagen den Gegenpart zu den Mechs dar, denn große Dinge wollen natürlich kleingeschlagen werden. Da hätten wir z.B. den Dünenbrecherschamanen, einen neuen Oger-Diener für Schamanen mit Windzorn, der aber in 50 Prozent der Fälle nicht den geplanten Feind angreift. Dies kann nun Fluch oder aber auch Segen sein, wobei hierüber jedoch nicht der Zufall alleine entscheidet, sondern auch unser Können, diese Karte zum richtigen Zeitpunkt auf das Spielbrett zu bringen.

Dies bringt uns zu einer weiteren neuen Kategorie, den Ersatzteilen, die gerne mal nach dem Ableben eines Mechs übrig bleiben. Hierbei handelt es sich um sieben nicht sammelbare Zauber für ein Mana, mit denen wir auf dem Spielbrett befindliche Diener manipulieren können. So verleiht das Rostige Horn einem Diener Spott, mit dem Umkehrschalter können wir Angriff und Leben eines Minions austauschen, wohingegen wir mit dem Rückspuler einen befreundeten Diener wieder auf unsere Hand zurückkehren lassen können.

Auch für Freunde von Piraten-Decks hat Goblins gegen Gnome etwas zu bieten, sodass es nun durchaus möglich ist, sinnvolle und erfolgreiche Decks dieser Kategorie erstellen zu können, gerade für die Schurken.

Der Zufallsfaktor wird erhöht – Entscheidet nun das Glück über den Spielausgang?

Bei den neuen Karten spielt ein Faktor in vielen Fällen eine sehr große Rolle: der Zufall. Es fanden, wie bereits geschildert, viele Karten den Weg ins Spiel, die eine gewisse Portion Zufall und vor allem auch Spaß mit sich bringen. Dies bedeutet aber nicht, dass nun das Glück über den Ausgang der Spiele entscheidet – gilt es doch, den Zufallsfaktor bestmöglich für sich auszunutzen und das Chaos zu beherrschen, das viele der neuen Karten auslösen.

Dies werden auch weiterhin die Spieler mit dem meisten Geschick tun, die sich sehr intensiv mit Hearthstone beschäftigen und viel Zeit in Blizzards Sammelkartenspiel investieren. Diese Spieler werden es schaffen, kostengünstige Karten so einzusetzen, dass sie einen maximalen Ertrag auf das Spielbrett bringen, auch wenn dann zunächst nicht ganz klar ist, um welche Karten bzw. welchen Effekt es sich dann tatsächlich handeln wird.

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Die Erweiterung bringt neben 123 neuen Karten und dem Zuschauermodus auch dieses frische Spielbrett mit. Gute Sache.
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Es ist also mehr Spaß und auch mehr Zufall mit Goblins gegen Gnome angesagt, das Spiel ist aber weiterhin weit davon entfernt, seinen Sieger per Losentscheid zu ermitteln. Die Entwickler haben es schlichtweg geschafft, den Zufallsfaktor zu einem wichtigeren Element im Spiel zu machen und somit schlussendlich die Spieltiefe erweitert.

Das neue Spielbrett

Auch ein neues Spielbrett bringt Goblins gegen Gnome ins Spiel, das thematisch passend explosive Elemente beider Völker enthält. So gibt es eine waghalsige Raketenkonstruktion zu sehen, Feuerwerksutensilien und diverse Schalter und Zahnräder dürfen natürlich auch nicht fehlen, an denen man drehen und drücken kann. Auch hier zeigen die Entwickler wieder viele Liebe bis hin ins kleinste Detail und bleiben ihrem anspruchsvollen Stil treu. Somit gibt es nun also sechs Spielbretter in Hearthstone (Orgrimmar, Sturmwind, Schlingendorntal, Pandaria, Naxxramas, Goblins gegen Gnome), die allesamt auf einem hohen Niveau liegen und den Spaß am Spiel unterstützen.

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Der Zuschauermodus hat endlich seinen Weg ins Spiel gefunden und wurde angenehm unaufgeregt eingefügt.
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Der Zuschauermodus

Eigentlich schon seit frühen Beta-Zeiten war der Wunsch nach einem Zuschauermodus für Hearthstone sehr groß. Nun wird dieser endlich erhört, denn seit der Veröffentlichung von Goblins gegen Gnome können wir unseren Battle.net-Freunden beim Zocken über die Schulter schauen. Hierfür gibt es nun ein neues Symbol in der Freundesliste, das uns neben dem Namen eines Freundes eine Art Auge zeigt, wenn sich dieser gerade in einem Spiel befindet. Klickt man auf das Symbol, startet der Zuschauermodus und man kann das laufende Spiel aus der Sicht des gewählten Freundes betrachten, so als ob man selbst spielen würde.

Auch der beobachtete Spieler selbst wird über die Anzahl der Zuschauer informiert. Fährt man über das Auge am unteren Bildrand, werden sogar die Namen der Zuschauer angezeigt. Somit ist man also immer bestens darüber informiert, wer einem gerade über die Schulter schaut. Standardmäßig ist der Zuschauermodus aktiviert, Freunde können sich also jederzeit in ein Spiel einklinken. Will man das nicht, kann man die entsprechende Einstellung in den Optionen einfach deaktivieren und auch weiterhin ohne „Gaffer“ spielen.