Hearthstone hat es mal wieder gezeigt: Blizzard kann ganze Genres mit einem Spiel umkrempeln und beliebt machen. Denn was World of Warcraft für die MMORPGs ist, macht Hearthstone für die Online-Kartenspiele nach. Erst für PC und Mac, dann für Tablets, nun auch auf dem Smartphone erobern die Warcraft-Karten eine Menge Fanherzen. Mit dem Release der zweiten thematischen Erweiterung Der Schwarzfels und dem Gewinn des Deutschen Computerspielepreises in der Kategorie Bestes Internationales Multiplayer Spiel wird es Zeit, Eric Dodds, Game Director von Hearthstone ein paar Fragen zu stellen.

Hearthstone: Der Schwarzfels - Trailer zum nächsten Addon!

gamona: Danke, dass du dir die Zeit nimmst, mit mir zu reden, ich weiß es sehr zu schätzen. Ich würde gerne anfangen mit dem Thema "Entwicklung von Hearthstone für Smartphones". Ich wüsste gerne, was die größte Herausforderung dabei war, Hearthstone auf das Smartphone zu bringen. Es war wahrscheinlich das Interface, oder?

Eric Dodds: Ja, das war es ganz eindeutig. Als wir zuerst darüber sprachen, ob wir Hearthstone aufs Smartphone bringen sollen, machten wir uns viele Sorgen, ob wir die Erfahrung beim Hearthstone-spielen, die sehr physikalisch ist, auf das Smartphone transportieren könnten. Bei einem kleineren Bildschirm hat man einfach für alles viel weniger Platz. Also haben wir anfangs viele Tests gemacht, um zu sehen, ob es Blizzards Standard genügen würde. Wir waren erfreut und positiv überrascht, wie sie ankamen, und dann haben wir viel Zeit darauf verwendet, das Interface zu entwickeln. Was witzig ist: Wir haben viele spezifische taktische Änderungen vorgenommen, und wenn Du es zum ersten Mal auf dem Smartphone spielst denkst du dir "Oh, das spielt sich genau oder sehr ähnlich wie auf dem iPad" – aber es fühlt sich deshalb so an, weil wir viele kleine Änderungen vorgenommen haben, und auch so, dass man die Karten alle lesen kann, einfach angreifen kann, Ziele sehen kann usf. Es war definitiv eine große Herausforderung. Ich kann Dir gar nicht sagen, wie erfreut wir waren, dass das alles so gut funktioniert hat.

gamona: Und es ist richtig toll, ich liebe es, ich spiel es immerzu auf meinem Smartphone – es ist endlich möglich, also vielen Dank dafür. (verlogenes Gelächter)

Eric Dodds: Danke dir.

gamona: Nächste Frage: Denkt ihr immer noch darüber nach, Hearthstone auf weitere Plattformen zu bringen? Ihr habt es jetzt für Smartphones und Tablets – könnt ihr euch vorstellen, es auch auf z.B. Windows Phone oder Gaming Handhelds wie die Vita oder die Konsolen von Nintendo zu bringen?

Eric Dodds: Das sind alles sehr lustige Ideen, aber nichts, worauf wir uns momentan konzentrieren. Wir haben es ja gerade erst auf dem Smartphone rausgebracht, und freuen uns erst einmal darüber, es dort zu supporten. Wir haben über andere Plattformen geredet, und wenn wir uns da eine angucken und von der Community hören, dass sie das Spiel gerne auf dieser Plattform sähen, und wenn wir dann nachforschen und feststellen, dass es gut auf dieser Plattform funktionieren würde, dann ist es definitiv möglich – aber wir haben zur Zeit keine Pläne und es gibt gerade keine Plattform, die wir ins Auge gefasst haben und wo wir als nächstes hinwollen. Wir freuen uns erst einmal, auf dem Smartphone angekommen zu sein und so viele neue Spieler zu haben, die Hearthstone spielen.

gamona: Hätte ja sein können, gut zu wissen. Das nächste Thema wäre Schwarzfels und generell das Setting, wann habt ihr euch entschieden, ein klassisches Szenario aus Warcraft zu nehmen und nicht stattdessen etwas Neues zu etablieren wie Warlords of Draenor oder die Eiserne Horde?

Hearthstone: Der Schwarzfels - Schwarzfels, Metagame & Smartphones - Interview mit Eric Dodds

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 12/151/15
Einige der neuen Karten aus der Schwarzfels-Erweiterung.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Eric Dodds: Interessante Frage. Als wir angefangen haben, an einem neuen Abenteuer zu arbeiten, haben wir unzählige Ideen in Betracht gezogen, wir hatten ein ganzes Whiteboard voll davon. Je mehr wir darüber gesprochen haben, desto mehr haben wir gemerkt, dass Blackrock Mountain einfach so ikonisch ist, nicht nur für die WoW-Spieler, sondern auch so, weil es ein richtig cooler Schauplatz ist: ein riesiger Vulkan mit zwei Mächtigen Bösewichten, die sich bekämpfen ist eine superlustige Idee. Wir haben definitiv die Dinge, die in WoW in Blackrock Mountain im Laufe der Jahre passiert sind, etwas aufgefrischt, sowas wie "Hey, hier ist ein neuer Raid, hey, da ist ein neuer Dungeon". Ich denke, Blackrock Mountain ist der Ort, den die meisten Spieler wirklich kennen und lieben und wir haben uns einfach gefreut, diesen Raum zu erforschen. Das, und es ist ein Vulkan mit einem Drachen und einem gigantischen Feuerelementar – das ist auch klasse.

Packshot zu Hearthstone: Der SchwarzfelsHearthstone: Der SchwarzfelsErschienen für Android, iOS (iPad / iPhone / iPod) und PC

gamona: Könnt ihr euch in diesem Zusammenhang auch vorstellen, andere Orte nachzuliefern, wie zum Beispiel Karazhan? Ich persönlich habe Karazhan geliebt.

Eric Dodds: Wir reden natürlich die ganze Zeit über sowas und wir haben auch über Karazhan geredet. Ich persönlich liebe diesen Raid ganz besonders und hab ihn eine Menge gespielt, aber: Wir haben Blackrock Mountain gewählt, wir werden uns in Zukunft andere Dinge aussuchen, aber es wird immer so sein wie bei BRM: Wir werfen eine Menge Ideen durch den Raum und diskutieren sie, und dann finden wir das aufregendste, das wir finden können und stürzen uns darauf. Es würde mich geradezu schockieren, wenn nicht irgendwann in der Zukunft auch Karazhan dran wäre, aber momentan ist nichts geplant. Karazhan ist ein wundervoller Ort, nicht nur interessant, sondern auch so verbunden mit vielen WoW-Spielern.

gamona: Zurück zu Blackrock: Kannst Du erklären, warum ihr eine andere Story von Blackrock erzählt habt, in Bezug auf die Geschichte zwischen Ragnaros und Nefarian. In der WoW-Lore haben sie nicht viel miteinander zu schaffen, jetzt hassen sie sich...

Eric Dodds: Tatsächlich gibt es schon in WoW die Idee, dass sie sich nicht leiden können und versuchen, sich zu zerstören. Aber in der Struktur der Raids ergibt es nicht viel Sinn, so ein Hin und Her zu haben, also haben sie getrennte Raids und Dungeons. Aber die übergreifende Geschichte von Blackrock war immer, dass sie versuchen, einander zu erledigen. In der Struktur von Hearthstone hatten wir Gelegenheit, diese Story zu erforschen, damit zu spielen. Das ist, was wir gerne in Hearthstone machen: ein klassisches Setting aus Wow oder sogar der Zeit davor nehmen und diese Stellen erforschen, die noch nicht voll erkundet sind. Das passiert manchmal auf lustige Art, wie in Goblins vs. Gnomes, und manchmal erzählt es auch einfach nur mehr von der Story, die viele Leute noch nicht kennen, wie in Blackrock Mountain.

gamona: Es muss also nicht immer dasselbe sein wie in WoW, an das wir uns erinnern, wie im Fall von Ragnaros.

Eric Dodds: Genau. Wir liefern eine andere Perspektive auf das Warcraft-Universum. WoW erzählt tolle Stories und wir sind definitiv im selben Universum, aber wir gucken nicht nur aus einer leicht anderen Perspektive, wir haben auch die Hearthstone-Lustigkeit, also machen wir Dinge etwas alberner als in der richtigen Lore.

Hearthstone: Der Schwarzfels - Schwarzfels, Metagame & Smartphones - Interview mit Eric Dodds

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 12/151/15
Der Schwarzfels wird in Hearthstone in seiner WoW Classic-Form behandelt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

gamona: Wie kommt ihr zu den Ideen für neue Abenteuer und wie entscheidet ihr, welche Bosse ins Spiel kommen?

Eric Dodds: Hm, das ist eine gute Frage. Ben Brode (Anm. d. Red.: Senior Game Designer für Hearthstone) macht eine Menge der Arbeit, also spreche ich mal für ihn. Was er dir wohl sagen würde ist, dass wir, wenn wir einen Dungeon wie Blackrock Mountain betrachten, manche Bosse sehen und sagen "Dieser Boss ist so bekannt, dass wir ihn reinnehmen müssen.", wie Ragnaros. Du musst Ragnaros reinnehmen und unten in den Dungeon packen, er definiert den Dungeon quasi. Und manchmal guckst du dir Bosse an und wie die Mechanik des Bosses in WoW funktioniert hat, und dann überlegst du dir, ob du damit im Hearthstone-Universum etwas Aufregendes und Tolles machen könntest. Nimm zum Beispiel Baron Geddon. Der Ansatz, den wir mit ihm in Hearthstone verfolgt haben, war super interessant und fühlte sich wirklich wie ein Verwandter des WoW-Bosses an, nur mit einer Spur Hearthstone drin. Das funktioniert aber nicht für alle Bosse. Manchmal ist es also einfach ein ikonischer Boss, den wir mit reinnehmen müssen und manchmal, und manchmal probierst du mit Bossen rum und versuchst rauszufinden, wer von ihnen eine coole Mechanik hat, die sich gut für beide Spiele eignen würde, eine Mischung eben.

gamona: Lass uns über Balance und derlei reden. Denkst du, dass sich das Metagame verschieben wird, wenn die Karten von Blackrock ins Spiel kommen?

Eric Dodds: Definitiv. Das ist sogar einer der lustigsten Aspekte an so einem Woche-für-Woche-Releaseplan wie bei Blackrock Mountain, das Spiel beginnt, sich ziemlich heftig zu verändern. Und witziger Weise passierten ja schon einige wichtige Meta-Änderungen, als Blackrock Mountain rauskam. Das Metagame hat sich also schon verändert, bevor diese Karten erschienen sind, und jetzt, da sie rauskommen, verändern sie es natürlich weiter. Uns macht es Spaß, nicht genau zu wissen, wo diese Entwicklung einmal ankommen wird. Wir bringen diese Karten raus, wir denken, sie sind recht gut balanciert und machen Spaß, und dann kommend ie Spieler und benutzen sie auf Weisen, die wir nicht vorhergesehen haben. Also ja, das Metagame wird sich verändern, aber ich könnte nicht sagen, in welche Richtung. Es macht Spaß, das zu beobachten.

gamona: Und wie glücklich bist du mit der Balance des Metagames im Moment?

Eric Dodds: Ich bin ziemlich zufrieden, es denke, es ist gerade in einem guten Zustand. Es gibt unheimlich viele Faktoren bei der Balance des Metagames, welche Decks erfolgreich sind und welche Vielfalt an Decks, aber es gab immer wieder Decks, bei denen man sagt "Hey, das ist ein starkes Deck.", wie Mechmage oder Face Hunter. In den letzten Wochen gab es ein paar sehr überraschende Decks und Klassen in Turnieren, es verschiebt sich also noch immer. Das ist sehr wichtig für das Metagame: Du denkst, du überblickst alles, aber dann kommt jemand und verändert die Weise, wie du eine Karte siehst oder er baut ein tolles Deck um diese Ideen herum, und dann verändert sich wieder alles. Ich bin also sehr glücklich damit, wo wir stehen.

gamona: Bleiben wir bei Balance. Denkst du auch, dass Jäger eine viel zu großen Vorteil haben im Vergleich zu anderen Klassen? Viele Spieler beschweren sich gerade über die aggressiven Decks, die für viel Frust sorgen.

Eric Dodds: Ja, Jäger sind definitiv eine starke Klasse. Es bezieht sich wahrscheinlich auf neue Sprüche wie "Schneller Schuss", das ist zum Beispiel eine Karte, die man in ein aggressives Jäger-Deck packen könnte. Als ich das letzte Mal etwas davon gehört habe, gab es selbst zwischen High-Level-Spielern noch Debatten, ob diese Karten wirklich die Stärke des Decks erhöhen, oder ob sie einfach nur Alternativen sind, ein aggressives Jägerdeck zu spielen. Jäger sind definitiv sehr stark, aber wenn man das Metagame zu einem beliebigen Zeitpunkt betrachtet, sind einige Klassen immer stark. Wir haben aber in den letzten Turnieren gesehen, dass in den anderen Klassen auch eine Menge Stärke steckt. Ich erwarte jedenfalls, dass es sich wieder verschiebt. Wie dem auch sei, wir bemühen uns ständig, den Überblick zu behalten, nach dem Motto "Hey, was ist mit den Jägern los, müssen wir mehr Konter einbauen?". Wir versuchen auf dem Radar zu behalten, welche Klassen stark sind oder sich gut schlagen, damit wir sichergehen, dass sich das Spiel immer wieder verschiebt und den Spielern immer wieder neue Werkzeuge an die Hand zu geben.

Hearthstone: Der Schwarzfels - Schwarzfels, Metagame & Smartphones - Interview mit Eric Dodds

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 12/151/15
Vor dem Schwarzfels gab es die Erweiterung Goblins Vs Gnomes.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

gamona: Ganz besonders, wenn neue Karten aus den Erweiterungen kommen, die man noch balancen muss.

Eric Dodds: Unsere Vorgehensweise beim Balancen ist, mehr Karten herauszubringen und die Spieler das Balancing "sortieren zu lassen". Nur in extrem seltenen Fällen greifen wir aktiv ein und ändern eine Karte direkt. Das ist eher unsere Philosophie, als ihnen den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

gamona: Letzte Frage: Was würdest Du mit unendlich viel Zeit und Geld tun und was wäre Dein größter Wunsch für Hearthstone?

Eric Dodds: (lacht) Lustigerweise mag ich wirklich die Art und Weise, in der wir uns weiterentwickeln. Du könntest natürlich immer sagen "Hey, es gibt eine Riesenmenge neuer Features, die wir gerne einbauen würden!" und es gibt welche, die wir sehr gerne im Spiel hätten. Aber es ist wichtig, dass sich das Spiel insgesamt auf eine natürliche Art weiterentwickelt. Wir bewegen uns vorwärts, bringen ein paar Karten raus, bauen ein neues Feature ein, sehen die Reaktion der Spieler darauf und sagen "Oh." - das ist das, worauf es wirklich ankommt. Wenn wir also plötzlich eine Unzahl neuer Leute am Spiel zu arbeiten hätten und wenn wir eine Ladung neuer Features einbauen würden, dann würden wir uns nicht so vorwärtsbewegen wie jetzt. Wir fügen immer weiter neue Spielelemente und Karten ein, und dann gucken wir "Das und das hat funktioniert, das hier nicht, die Spieler freuen sich über jenes, lass uns das Feature hinzufügen oder dieses weglassen und in eine andere Richtung gehen". Die natürliche Entwicklung des Spiels ist toll.

gamona: Und es ist alles toll, was ihr gemacht habt, Hearthstone ist toll. Ich weiß nicht, wie oft ich heute "toll" gesagt habe. Möchtest du zum Abschluss noch etwas Besonderes loswerden?

Eric Dodds: Ich bin mir nicht sicher, was du gerne hättest.

gamona: Etwas, was Leute gerne wüssten?

Eric Dodds: Ich denke, es ist etwas zu früh am Morgen für mich. Ich hab gerade nichts für dich. Aber vielen Dank für deine Begeisterung für das Spiel. Ich denke, das eine Große kann ich sagen: Eure Begeisterung für das Spiel ist die beste Belohnung, an einem Spiel arbeiten zu können, das wir lieben und das andere Leute wie ihr lieben, ist ein fantastisches Gefühl. Ist vielleicht nicht das, wonach du gefragt hast, aber es ist das einzige, was ich so früh am Morgen abliefern kann.

gamona: Ist doch total okay. Danke nochmal für deine Zeit, es hat viel Spaß gemacht.

Eric Dodds: Danke für das Gespräch und das Lob, das sind die Sachen, die mir den Tag versüßen.