Die eSport-Szene wächst stetig, die Generation Z steht bereits in den Startlöchern um den aktuellen Profis die Plätze wegzuschnappen. Während es früher noch hieß “Mama, ich will Fussballprofi werden”, kann man den Karrierewunsch immer häufiger auch mit “eSport-Profi” austauschen. Höchste Zeit für uns euch zu erklären, was eigentlich dazugehört, wenn man Vollzeitzocker werden möchte!

Spielen ohne Ende.

Wie würde Herkules’ Trainer sagen? “Ich hab zwei Worte für dich: Training, Training, Training!” Profis verbringen bis zu 12 Stunden am Tag damit zu trainieren, der Großteil davon geht für Spielzeit drauf. Wer in einer Disziplin zu einem Profi heranwachsen möchte, der muss dieses Spiel wirklich lieben, es pausenlos spielen können. Grundsätzlich braucht zwar jeder Spieler ein tiefes, taktisches Verständnis fürs Spiel, dennoch könnt ihr euch viele Fähigkeiten im Spiel selbst nur durch hartes Training aneignen. Wissen über das Spiel aber auch Reaktionsgeschwindigkeit sind die wichtigsten Faktoren überhaupt. Ersteres lernt ihr in der Theorie, aber nur gespielte Partien fragen dieses Wissen ab. Letzteres ist nur in der Praxis erlernbar. Falls ihr wirklich Profi werden wollt, sollte euch klar sein, ob ihr das Spiel eurer Wahl über zehn Stunden am Tag spielen könnt - oder euch nicht doch die Lust vergeht.

Am wichtigsten für jeden angehenden Profi ist die sogenannte SoloQ: Da praktisch jeder ernstzunehmende eSport-Titel über eine Online-Rangliste verfügt, trennen sich die guten Spieler schnell von den schlechten und steigen fortweg in den Rängen auf. Sobald ihr euch innerhalb der SoloQ unter die besten 1000 Spieler eures Servers gedaddelt habt, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder weiterhin im Alleingang durch Können bestechen und von einem Team gescouted zu werden, denn Teams haben ein Auge auf die Rangliste. Wer sich im Alleingang unter die besten 100 Online-Spieler kämpft, gibt meistens auch einen guten Spieler im organisierten Wettbewerb ab. Oder ihr schließt euch einem kleineren Team an. Hier verweisen wir auf unser Interview mit dem deutschen League of Legends-Midlaner Exileh, der seit über einem Jahr bei den Unicorns of Love spielt: “Man wird eigentlich nur gescouted, wenn man sich als Team einen Namen macht. Wenn man SoloQ spielt, dann muss man schon Top 10 machen, damit man gescouted wird - sonst wird das echt schwer.”

Alternativ tut sich aber auch der von ihm genannte Weg über die Amateurszene auf: Indem ihr euch bei kleineren Teams bewerbt und dort euer Glück versucht, könnt ihr ebenfalls zum Profi aufsteigen. Wenn ihr ein wirklich guter Spieler seid, werdet ihr in den Amateurligen schnell hervorstechen und die Augen von großen, etablierten Teams auf euch ziehen. Auch empfiehlt es sich, sobald ihr ein gewisses Level erreicht habt, Kollegen und Kumpanen zu suchen, mit denen ihr gemeinsam diesen Weg bestreiten könnt. Innerhalb einer zusammengeschweißten Gruppe geht es sich leichter durch dick und dünn, gerade das relativ neue, deutsche Team BIG in Counterstrike: Global Offensive kann ein Lied davon singen. Die fünf Jungs etablierten erst vor wenigen Monaten ihr Team, schafften es aber direkt bei der letzten Major in Krakow in die K.O.-Phase des Turniers. Eine starke Leistung!

Teamfähigkeit ist unabdingbar

Ein Faktor ist hierbei aber auch die Mentalität: Wer nach ein oder zwei verlorenen Matches seinen Controller zerbricht oder seine Mitspieler flamed, der ist für den Profibereich ungeeignet. Nur wenige Profis waren vor ihrer Karriere als Spieler ernsthaft “toxic”, also grob unsportlich gegenüber ihren Kollegen und Gegnern. Ein gutes Beispiel ist hier der amerikanische Jungler Tarzaned, der auf der NA-ladder mehrfach den ersten Rang einnahm, bei Testspielen aber permanent seine Mitspieler beleidigte. Tarzaned hätte vielleicht das Talent zum Profispieler gehabt, seine Mentalität und Aggression allerdings machten ihm einen Strich durch die Rechnung.

Die allermeisten Fähigkeiten erlernt und schärft ihr über eure Trainingssessions selbst. Dennoch solltet ihr euch nicht zu schade sein, auch den Rat anderer anzunehmen - schließlich werdet ihr, falls ihr wirklich Profis werden solltet, irgendwann sowieso einen Trainer haben, der euch die Taktiken vorgibt. Falls ihr in eurem Alleingang irgendwann nicht mehr weiterkommen solltet (im englischen Sportbereich nennt man das “plateaued”), gibt es einerseits die Möglichkeit, sich die Taktiken und Kniffe der Profis anzuschauen. Andererseits gibt es aber auch freiberufliche Trainer, die euch gegen eine geringe Summe eure Fehler aufzeigen und euch weiterhelfen. Natürlich liegt es aber auch an euch, das Gelernte korrekt umzusetzen - auch der beste Lehrer kann einen schlechten Schüler nicht zum Musterspieler trainieren!

Der Mythos von der 300€-Tastatur

Schlussendlich möchten wir aber auch mit einer Legende aufräumen die besagt, dass nur der gewinnt, der auch das beste Equipment hat. Das ist nichts weiter als ein cleverer Marketing-Move von Hardware-Herstellern, in der Realität sieht das schon ganz anders aus. Tastaturen unterscheiden sich nicht großartig, zumindest wenn man bedenkt, dass die Preise eine Diskrepanz von mehreren hundert Euro betragen kann. Ähnlich verhält es sich auch mit eurer Grafikkarte, keineswegs müsst ihr einen Titel auf der höchsten Grafikstufe spielen, um oben mitmischen zu können. Auch ein Gaming-Stuhl für 400€ ist nicht von Nöten. Die allermeisten Profis bestritten ihren Weg wahrscheinlich auf Papas ausgedientem Bürostuhl.

Einzig und allein bei eurer Maus solltet ihr Acht geben, falls ihr euch in einem Shooter professionell aufstellen wollt, ist ein gutes Headset ebenfalls ziemlich wichtig. Aber auch hier müssen es keine Luxus-Modelle sein, die meistens eh besser aussehen als sie funktionieren.

Bilderstrecke starten
(6 Bilder)

Abschließend müsst ihr also folgende Kriterien erfüllen: Hohen Gaming-Skill, den ihr euch am besten durch monate- vielleicht jahrelanges Training angeeignet habt, weitreichendes taktisches Wissen sowie Teamfähigkeit. Hinkt ihr in einem dieser drei Faktoren hinterher, wird es schwer für euch, ein professionelles Team zu finden. Dazu sei gesagt, dass es natürlich keine Garantie für eine Karriere im eSport gibt - etwas Glück gehört immer dazu. Doch wie heißt es im Volksmund? Das Glück gehört den Tüchtigen. Insofern: Viel Erfolg auf eurer Reise zum eSport-Profi!