Wenn man an Geschichten aus dem eSport denkt, dann sind das meistens Erzählungen, die großartige Spielzüge, clevere Taktiken und fantastische Reaktionen wiedergeben. Wie im echten Sport eben auch. Aber in dieser Serie soll es um mehr gehen, die Menschen hinter den Controllern zeigen. In diesem Fall die tragische Geschichte des Dreamhack Winter-Siegs von HungryBox in Smash Bros. Melee.

Die professionelle Smash Bros Melee-Szene existiert seit nunmehr als 15 Jahren. Seit 2001 geben sich Nintendo-Fans in dem vermeintlichen Fun-Prügler ordentlich aufs Fressbrett. Mit der Zeit etablierten sich die “Five Gods”: Fünf Spieler, die aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten meistens in den Top 8 und Top 4 der größten Turniere zu finden waren. Einer dieser fünf Gottheiten ist Juan “HungryBox” Debiedma, ein mittlerweile 24 Jahre alter Smasher aus Florida. Um seine traurige aber auch wunderschöne Geschichte soll es heute gehen.

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HungryBox mag einer der besten und berühmtesten Smasher aller Zeiten sein, doch trotz seines Gott-Statuses blieb ihm eine Ehre stets verwehrt: Der Sieg in einem europäischen Dreamhack-Turnier. In der Vergangenheit gewannen ausschließlich europäische Spieler wie Armada oder Leffen die besagten Turniere. Der Heimvorteil in Form von heimischen Fans und Jetlag war für die Herausforderer aus Amerika eine zu starke Hürde.

Doch nicht nur die kompetitive Ausgangsposition von HungryBox war schwierig. Abgesehen von seiner Underdog-Rolle hatte er auch familiäre Probleme: Wenige Monate vor dem Dreamhack Turnier suchte sein biologischer Vater ein klärendes Gespräch mit ihm. Er riet ihm, mit dem eSport aufzuhören, den Controller an den Nagel zu hängen.

„Du wirst nie gut genug sein. Du bist gut aber nie einer der besten.“

Das waren unter anderem die Worte seines Vaters, kurz bevor dieser verstarb. Wenige Monate danach trat HungryBox beim „Dreamhack Winter“ an. Doch trotz des immensen Drucks, sowohl seelischer als auch spielerischer Natur, schaffte HungryBox das Unmögliche: Im Finale gegen Armada, den schwedischen Champion, gewann HungryBox in einem spektakulären Zweikampf, den man nur in Smash Bros findet. Und brach überwältigt in Tränen aus.

Geschichten aus dem eSport - Wenn erwachsene Männer weinen

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Der Moment in dem HungryBox' Sieg fest stand
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Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand warum Juan so traurig und gleichzeitig erleichtert schien. Erst im Interview nach dem Spiel, in dem Kommentator D1 zunächst seine Leistungen lobte, kam die Offenbarung. HungryBox erzählte von dem Tod seines Vaters, dem letzten Gespräch dass die beiden hatten. Für HungryBox kam der Sieg wie eine Erlösung: “Ich hoffe er schaut jetzt auf mich herab. Alles ist vergeben und vergessen. Für mich ist dieses Kapitel endlich beendet”. Kommentare, die unter die Haut gingen.

Das komplette Interview findet ihr hier:

So zynisch es sich auch lesen mag, seitdem sein leiblicher Vater verstarb, katapultierte sich HungryBox in neue Höhen des eSport-Olymps: Neben seinem Dreamhack Winter-Sieg gewann er 2016 als dritter der fünf Götter das EVO 2016-Turnier, das größte und am längsten laufende Fighting-Game-Turnier der Welt. Auch hier flossen Tränen, wenn auch nicht ganz so viele wie bei seinem Sieg auf der Dreamhack Winter. Spätestens seit diesem Sieg manifestierte sich HungryBox als eine Größe des eSports und als einer der Fan-Favoriten - auch aufgrund seiner tragischen Hintergrundgeschichte.