In den Kampfsportarten dieser Welt kommt es häufig vor, dass Akteure gewisse “Rollen” einnehmen. Besonders im Wrestling findet man zunehmend Profis, die einen Bösewicht spielen: Einen unflätigen Sportler, der unfair kämpft und permanent seine Gegner beleidigt. Wenn es im eSport einen Spieler dieser Art gäbe, dann wäre es IdrA, der diese Rolle perfekt ausfüllen würde. Der Amerikaner machte sich mit starken Spielzügen aber auch einem unbremsbaren Temperament einen Namen.

Greg Fields, besser bekannt unter seinem Synonym IdrA, hätte mit Hilfe eines Stipendiums an dem Rensselaer Polytechnic Institute in New York, einer der renommiertesten Privathochschulen in den Vereinigten Staaten, theoretische Physik studieren können. Tat er aber nicht. Stattdessen entschied sich der Amerikaner, nach Südkorea auszuwandern, um dort Starcraft: Brood War zu spielen. Und das erfolgreich.

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Drei Jahre lang lebte IdrA in Korea, zählte zu den besten nicht-koreanischen Spielern der Welt und spielte für eines der weltbesten Brood-War-Teams: CJ Entus. Als 2010 schließlich die Beta zu Starcraft 2 erschien, wechselte er offiziell zum neuen Titel über und etablierte auch hier seinen Namen. So gewann IdrA unter anderem das “Day9’s King of the Beta”-Turnier.

Doch es waren nicht nur seine Skills, die IdrA zu einer der beliebtesten und gleichzeitig meistgehassen Personen im Zusammenhang mit Starcraft 2 machten. Sein loses Mundwerk und die Unart, jeden einzelnen seiner Online-Gegner zu beleidigen, wurde schnell zu einem Markenzeichen. Wer sich alte Aufzeichnungen seiner Streams anschaut, wird schnell Kommentare wie “Der Typ hier ist total schlecht”, “Der kann nix”, “Warum bist du so erbärmlich?” und ähnliches vorfinden. Doch genau das brauchte Starcraft 2, ein eSport der von smarten aber schüchternen Spielern dominiert wurde: Einen Gegner. Einen Spieler, den man nicht ausstehen kann, den man hassen will. Ein “Arschloch”, verzeiht den Ausdruck.

Geschichten aus dem eSport - Der meistgehasste Starcraft 2-Profi aller Zeiten

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Die Wortgewalt des IdrA. Quelle: Reddit
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Neben seinen Kommentaren vor und nach dem Spiel bot IdrA allerdings auch viel Entertainment auf dem Platz selbst: So kapitulierte er etwa in einem wichtigen Spiel, das er eigentlich sehr einfach hätte gewinnen können. Nachdem er die entscheidenden Schlacht gegen MMA gewonnen hatte, die Menge bereits siegessicher tobte, verabschiedete sich IdrA mit einem “gg” aus dem Spiel, da seine Economy durch eine Flankierung aus seiner Sicht zu schwer geschwächt wurde. Und lieferte uns einen der besten Momente in der Geschichte des eSports:

Ein Mix aus Arroganz, tilt und Kontrollverlust. Hätte IdrA weitergespielt, hätte er wahrscheinlich den späteren Sieger des Turniers vorzeitig rausgekickt.

Seinen Dreijahreszyklus beibehaltend, beendete IdrA 2013 allerdings seine Starcraft-2-Karriere. Besser gesagt: Er wurde von seinem damaligen Team Evil Geniuses hinausgeworfen und entschied sich daraufhin, die Maus an den Nagel zu hängen. Der Rauswurf kam für viele überraschend, hatte sich IdrA doch zu einem der weltbesten Zerg-Spieler avanciert. Doch in einem Ranglistenspiel gegen Protoss-Spieler Capoch lies IdrA folgendes von sich: “Ich hoffe von ganzem Herzen, dass dir etwas schlimmes passiert. Das du Krebs oder so bekommst.” Der daraus resultierende Aufschrei sorgte für eine ernste Diskussion zwischen dem Management von EG und IdrA, das allerdings folgenlos blieb.

Nur wenige Wochen nach dem Zwischenfall betonte IdrA in einem Internetthread, der über sein damaliges Team EG handelte, dass die Leser und Kommentatoren “alle eine Sammlung von Fickern” wären und er “glücklicherweise dafür bezahlt wird, euch auch so zu behandeln. Das ist großartig.” Das war der letzte Strohhalm für EG. Nach Jahren des “Shittalkings” und der Ragequits wurde IdrA von seinem Team fristlos entlassen. Und beendete so seine Starcraft-Karriere für immer.

Wenige Jahre danach spielte IdrA kurzzeitig für das “Heroes of the Storm”-Team von EG, das allerdings aufgrund von fehlendem Interesse der Zuschauer aufgelöst wurde. Was IdrA heute macht, ist unklar. In den sozialen Medien ist der Amerikaner nur wenig aktiv. Eins steht aber fest: Seine Errungenschaften werden nie vergessen werden. Im positiven wie im negativen Sinne.